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Einstein-Brief ist frühe Form der Fotokopie | BR24

© BR / Christoph Dicke

Die Ergebnisse der Untersuchung des Einsteins-Briefs liegen nun vor: Es handelt sich um eine frühe Form der Fotokopie.

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Einstein-Brief ist frühe Form der Fotokopie

Bei Routinearbeiten im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde München war zufällig eine Briefkopie Albert Einsteins aufgetaucht. Die Bayerische Staatsbibliothek hat das Schriftstück untersucht und heute das Ergebnis bekannt gegeben.

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Vor rund einem Jahr hatte eine Mitarbeiterin im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG) eine überraschende Entdeckung gemacht: Zwischen alten Zeitungsausschnitten fand sie einen Brief, der von Albert Einstein geschrieben sein soll. Nun wurde das Schriftstück genauer untersucht.

Kopie eines echten Briefes

Außer Zweifel stand schon letzten Sommer, dass es sich um die Kopie eines echten Einstein-Briefes handelt. Denn dazu hatte die Leiterin der Kulturabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde, Ellen Presser, sofort einen Handschriftabgleich gemacht.

"Als meine Kollegin kam und sagte: 'Schau Dir das mal an, da steht ja 'A. Einstein' drunter!', hab' ich erstmal Herzklopfen gekriegt. Dann haben wir im Internet seine Unterschriften rausgesucht und es war vollkommen klar: Das ist sein Schriftzug und auch sein Schriftbild." Ellen Pressler, Leiterin der Kulturabteilung der IKG München und Oberbayern

Lichtanalyse: Brief nicht abgepaust, sondern fotokopiert

Die Bayerische Staatsbibliothek hat nun mittels spezieller Licht-Analyse herausgefunden, dass hier nicht das übliche Kohle-Pauspapier zum Einsatz kam, sondern die frühe Form einer Fotokopiermaschine, wie sie in den 1930er-Jahren bereits in Kaufhäusern und Schreibwarenläden aufgestellt war.

"Das war ein Gerät, wo das Original reingeschoben wurde. Das Papier wurde eingezogen und dann wurde auf das spezielle, mit Salz behandelte Kopierpapier ein Abdruck erzeugt. Das war aber ein relativ großes Gerät, insofern wird man das niemals in Privatbesitz gehabt haben." Klaus Ceynowa, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek

Stand Einstein an der Kopiermaschine im Kaufhaus?

Stand der Star-Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein also damals am Kopierer in einem Berliner Kaufhaus? Das konnte bei der heutigen Pressekonferenz niemand belegen.

Auch nicht, ob die Kopie seines Briefes zum 50. Geburtstag seines Kölner Wissenschaftskollegen Julius Hirsch wirklich aus dem Fundus von Einstein stammt. Genauso gut hätte auch der Empfänger Julius Hirsch die Kopie anfertigen können.

Der Weg der Briefkopie ins Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde München kann jedenfalls nicht mehr rekonstruiert werden. Dazu hätte jeder, der eine Kiste mit Fundsachen aus Wohnungsauflösungen abgibt, bei der Kultusgemeinde registriert werden müssen.

Einstein vervielfältigte wichtige Briefe

Fakt ist laut Ellen Presser, dass Albert Einstein aber durchaus Kopien ihm wichtiger Briefe angefertigt hat. Sie ist froh, dass die Münchner Kultusgemeinde nun dieses Zeitdokument ihr Eigen nennen darf. Zumal der gebürtige Ulmer ja seine Schulzeit bis zum 15. Lebensjahr in München verbracht hat.

"Für die jüdische Gemeinde und damit auch für mich ist es wie ein verspätetes Echo aus einer vergangenen Zeit, das ist das Aufregendste daran, weil wir so wenige authentische Artefakte haben. Es ist alles in alle Winde zerstreut worden." Ellen Pressler, Leiterin der Kulturabteilung der IKG

Bedeutsames Zeitzeugnis

Lebendig wird in dem Gratulationsbrief die Zeit am Vorabend der Machtergreifung durch die Nazis in Deutschland. Einstein, inzwischen Physikprofessor in Berlin, schreibt seinem deutsch-jüdischen Freund Julius Hirsch: Hätten die nicht-jüdischen Deutschen Leute wie Hirsch in ihren Reihen, dann ginge es "dem teuern Vaterland weniger dreckig." Das war im Herbst 1932. Schon im Jahr darauf wurde Einstein von den Nazis ausgebürgert.

Für sich behalten will die Israelitische Kultusgemeinde den Fund nicht. Deren Präsidentin Charlotte Knobloch denkt an eine Leihgabe – auch aus konservatorischen Gründen:

"Sie sehen ja, das ist ein Papier, das sich langsam auflösen könnte. Da gehören Fachkräfte dazu, die es erhalten. Deswegen sehe ich dafür die Staatsbibliothek in erster Linie. Ich hoffe, dass sie das dann auch dementsprechend in Ehren halten." Charlotte Knobloch, Präsidentin der IKG

Leihgabe an Bayerische Staatsbibliothek

Also könnte die Briefkopie Albert Einsteins bald in der Bayerischen Staatsbibliothek in München zu sehen sein. Neue Erkenntnisse über die von Einstein gesuchte Weltformel enthält sie nicht. Doch sie zeigt ein Stück deutsche Alltagsgeschichte.