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Einschulungs-Reform in Bayern - Lehrer beklagen Schnellschuss | BR24

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Das Einschulungsalter in Bayern wird zum neuen Schuljahr flexibilisiert. Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden, sollen eine Wahlmöglichkeit bekommen. Der Lehrerverband beklagt einen "Schnellschuss".

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Einschulungs-Reform in Bayern - Lehrer beklagen Schnellschuss

Das Einschulungsalter in Bayern wird zum neuen Schuljahr flexibilisiert. Eltern von Kindern, die zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt werden, sollen eine Wahlmöglichkeit bekommen. Der Lehrerverband BLLV beklagt einen Schnellschuss.

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Beim Einschulungsalter will der Freistaat Bayern Eltern künftig mehr Mitsprache einräumen: Wie das Kultusministerium mitteilte, wird schon zum Schuljahr 2019/2020 ein sogenannter Einschulungskorridor eingeführt: Demnach können Eltern eines Kindes, das zwischen dem 1. Juli und 30. September sechs Jahre alt wird, "nach Beratung und Empfehlung durch die Schulen" selbst entscheiden, ob ihr Sohn oder ihre Tochter schon heuer eingeschult wird oder erst ein Jahr später.

Einschulungskorridor - Forderung der Freien Wähler

Bisher war das Einschulungsalter in Bayern gesetzlich starr geregelt: "Mit Beginn des Schuljahres werden alle Kinder schulpflichtig, die bis zum 30. September sechs Jahre alt werden oder bereits einmal von der Aufnahme in die Grundschule zurückgestellt wurden", heißt es im Bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz (BayEUG). Eltern konnten sich bisher zwar um eine Zurückstellung ihres Kindes bemühen, die Entscheidung darüber traf aber die Leitung der jeweiligen Grundschule.

Die Freien Wähler hatten schon im Landtagswahlkampf verlangt, dass bei der Einschulung mehr auf die Entwicklung der Kinder geachtet und der Elternwille stärker berücksichtigt wird. Eine Forderung, die die Freien Wähler auch in die Koalitionsverhandlungen mit der CSU mitnahmen. Und so findet sich der "Einschulungskorridor" bereits im Koalitionsvertrag.

Lehrerverband kritisiert Hektik bei Einführung

Laut Kultusministerium hat das Kabinett am Freitag nun eine entsprechende Änderung des BayEUG beschlossen. Am Freitag will Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sein Konzept zum "Einschulungskorridor" vorstellen. Die Gesetzesänderung muss dann noch vom Landtag beschlossen werden.

Die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Simone Fleischmann, begrüßte im Bayerischen Rundfunk zwar die angekündigte Flexibilisierung beim Einschulungsalter, sprach aber von einem Schnellschuss. Durch die Hektik bei der Einführung des "Einschulungskorridors" fehle den Grundschulen die Zeit für eine professionelle Umstellung. Aber auch Eltern und Kindergärten müssten sich in kürzester Zeit auf die Neuregelung einstellen. "Das muss doch jetzt nicht sein", sagte Fleischmann. Die Reform sollte ihrer Meinung nach erst ein Jahr später greifen.

Online-Petition gegen "Früheinschulung"

In einer Online-Petition an den Bayerischen Landtag hatten sich auch zahlreiche Eltern für eine Änderung des Einschulungsstichtags stark gemacht. Die Petition "Stoppt die Früheinschulung" wurde von mehr als 18.000 Menschen unterzeichnet.

Die Initiatoren beklagen darin, dass eine Rückstellung von der Einschulung nicht oder nur sehr schwer möglich sei: "So gibt es immer wieder Kinder, die mit gerade mal sechs Jahren oder sogar fünf Jahren zwar schulpflichtig, aber noch nicht schulfähig sind. Dies führt oftmals zu Misserfolgs- und Frustrationserlebnissen auf Seiten der Kinder."

"Eltern werden nicht bevormundet“

Die Initiatorin der Petition, Dominique Franzen, zeigte sich auf BR24-Anfrage dankbar, dass Piazolo sich des Themas "angenommen hat und er auch dafür gekämpft hat, dass dies schnell umgesetzt wird“. Piazolo habe sie bereits kurz nach Beginn der Petition unterstützt und schon damals einen Eilantrag im Landtag gestellt.

Den "Einschulungskorridor" bezeichnete Franzen als sehr gute Alternative zur Änderung des Stichtags. "Somit werden Eltern, die ihre Kinder für schulreif halten, nicht bevormundet und können ihre Kinder ohne Probleme trotzdem einschulen lassen.“ Franzen fügte hinzu: "Nach diesem Erfolg bin ich wirklich überwältigt und freue mich, dass man als normaler Bürger wirklich etwas bewegen und ändern kann.“

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  • Petr Jerabek
  • Daniel Knopp
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