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Einsatz gegen das Vergessen: Filmemacher Pröll bekommt Preis | BR24

© BR/Christian Wagner

Die Geschichte verfolgter jüdischer Familien in Augsburg und Umgebung sind sein Thema: Dafür hat Filmemacher Josef Pröll den Willi-Ohlendorf-Preis der Bobinger SPD erhalten. Zur Preisverleihung kam eine prominente Laudatorin nach Schwaben.

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Einsatz gegen das Vergessen: Filmemacher Pröll bekommt Preis

Die Geschichte verfolgter jüdischer Familien in Augsburg und Umgebung sind sein Thema – dafür hat Filmemacher Josef Pröll den Willi-Ohlendorf-Preis der Bobinger SPD erhalten. Charlotte Knobloch bezeichnete Pröll als "Vorbild für die Jugend".

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Filmemacher Josef Pröll hat den Willi-Ohlendorf-Preis der Bobinger SPD erhalten. Pröll habe sich ganz dem Kampf gegen das Vergessen verschrieben. Mit diesen Worten würdigte Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, den Preisträger. Die Auszeichnung der Bobinger SPD wurde am Mittwochabend in der evangelischen Kirche der Stadt vergeben.

Charlotte Knobloch hält Laudatio

In ihrer Laudatio erinnerte Knobloch an die Familiengeschichte des Preisträgers während der NS-Zeit. Der Großvater des Gersthofer Filmemachers starb durch Zwangsarbeit im Konzentrationslager Dachau. Der Vater war genauso wie viele andere Familienmitglieder jahrelang in Lagerhaft.

"Vorbild für die Jugend"

Josef Pröll, Jahrgang 1953, habe sich der Erinnerung an diese Familiengeschichte verschrieben, so Knobloch weiter. In seinen Filmen wie "Die Stille schreit" geht es außerdem um das Schicksal jüdischer Familien in Augsburg und Umgebung. Mit seinem Engagement sei Pröll ein Vorbild für die Jugend.

Warnung vor Antisemitismus und Nationalismus

Knobloch stellte bei der Preisverleihung in Bobingen auch aktuelle Bezüge her. Sie kritisierte, dass Judenfeindlichkeit und "nationalistisches Gedankengut" heute wieder "hoffähig" seien. Es sei daher jetzt wichtig, an den Mut von Menschen zu erinnern, die sich aus Überzeugung den Nationalsozialisten entgegengestellt haben – ohne Rücksicht auf ihr eigenes Wohlergehen.

"Aufstehen und Handeln" für die Demokratie

Filmemacher Pröll erklärte in seiner Dankesrede, was ihn bei seiner Arbeit antreibt. Er wolle deutlich machen, dass die Demokratie in Deutschland aus Unheil und unmenschlicher Geschichte entstanden sei. Ohne den AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland zu nennen, beklagte Pröll, dass es nach dessen Vergleich der NS-Zeit mit einem "Vogelschiss" keinen lauten Aufschrei in Deutschland gegeben habe. Prölls Appell: "Wir müssen aufstehen und handeln, und zwar jetzt!"

© SPD Bobingen/dpa (Collage)

Die Bobinger SPD erinnert mit dem Willi-Ohlendorf-Preis an den gleichnamigen Widerstandskämpfer.

Der Willi-Ohlendorf-Preis wird von der Bobinger SPD-Stadtratsfraktion vergeben. Sie erinnert damit an den Ingenieur und Familienvater Willi Ohlendorf. Er war wegen seines Widerstands gegen das NS-Regime zunächst jahrelang in Haft, später im Konzentrationslager Dachau. Ohlendorf starb Ende 1944 in einem Außenlager des KZ Buchenwald.