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Brennende Kerze in einer Hand

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    Einsamer Tod in der Klinik? Was eine Günzburger Familie bedrückt

    Nach wie vor gelten an den Kliniken strenge Besuchsregeln während der Corona-Pandemie. Wenn jemand stirbt, werden zwar Ausnahmen gemacht, aber nur wenige Angehörige können Abschied nehmen, wie ein Fall in Günzburg zeigt.

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    Von
    • Joseph Weidl

    Eine 89-Jährige liegt im Sterben in der Klinik, sie hat acht Kinder, aber nur zwei dürfen zu ihr. Aber wer? Was wie eine herzlose Matheaufgabe klingt, war eine Frage, die sich die Familie Bader aus dem Landkreis Günzburg vor einigen Wochen so stellen musste.

    Georg Bader erzählt im Gespräch mit dem BR, dass er einen Anruf erhalten habe, dass seine 89-jährige Mutter im Sterben liege. Von den acht Geschwistern leben drei in der Nähe, sie treffen sich vor der Klinik. Georg Bader und seine Schwestern machen vor Ort einen Schnelltest, doch dann heißt es: Nur zwei Personen dürfen zur Mutter. Die Geschwister müssen sich also entscheiden, wer die Mutter sehen. Eine der Schwestern lässt Georg Bader den Vortritt. Doch bis die beiden bei ihrer Mutter sind, ist sie bereits gestorben.

    Corona-Schutz oder Sterbebegleitung?

    Die Situation beschäftigt ihn und seine Geschwister sehr, sagt er. "Da trifft Bürokratie auf Menschlichkeit", so schildert er das Problem. Eines macht er auch gleich klar: Es gehe ihm nicht darum, die Klinik und das Personal schlecht zu machen – im Gegenteil, seine Mutter sei dort gut versorgt gewesen. Aber: Bader würde sich Regeln wünschen, die eben mehr Menschlichkeit zulassen. Warum etwa, so fragt er sich, könnten nicht erst zwei Geschwister nach einem negativen Test zur Mutter und danach separat zwei andere? "Damit jeder einfach kurz Abschied nehmen kann", fügt er an. Er macht den Fall öffentlich, zuerst berichtete die Günzburger Zeitung davon. "Vielleicht hilft es ja etwas, zu bewegen", so Bader.

    Klinik im Zwiespalt

    Klinikvorstand Dr. Volker Rehbein sagte im Gespräch mit dem BR, er habe Verständnis für den Schmerz der Angehörigen, die Klinik trage aber auch Verantwortung für alle Patienten im Haus. In diesem Fall seien bereits vorab nur zwei Personen angemeldet gewesen, um die Mutter noch besuchen zu können. Ausnahmen seien nicht immer möglich.

    Er könne verstehen, dass das hart für die Angehörigen sei. Allerdings sagt der Arzt auch: "Das Wichtigste ist es, andere Patienten in der Klinik vor einem Ausbruch zu schützen." Die onkologische Station, auf der Georg Baders Mutter lag, sei die gefährdetste Station. Dr. Rehbein bittet grundsätzlich darum, vor Besuchen bei sterbenden Angehörigen, in Kontakt mit der Klinik zu treten und sich anzumelden. "Grundsätzlich tun wir unser Möglichstes, um Ausnahmen zu machen und das Begleiten von Sterbenden zu ermöglichen", so Rehbein.

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