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Im Lockdown bestellen viele ihr Essen zum Abholen oder lassen es sich nach Hause liefern. Die Folge sind wachsende Berge an Verpackungsmüll. Der Landkreis Pfaffenhofen will das ändern und fordert zum Mehrweg-Shopping auf: "Einmal ohne, bitte!"

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"Einmal ohne, bitte": Einkaufen mit Mehrwegbox in Coronazeiten

Im Lockdown bestellen viele ihr Essen zum Abholen oder lassen es sich nach Hause liefern. Die Folge sind wachsende Berge an Verpackungsmüll. Der Landkreis Pfaffenhofen will das ändern und fordert zum Mehrweg-Einkauf auf: "Einmal ohne, bitte!"

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Von
  • Florian Eckl

227,5 Kilogramm Verpackungsmüll hat jeder Deutsche im Schnitt im Jahr 2018 produziert. Zum Vergleich: Ein ausgewachsenes Gorilla-Männchen bringt rund 220 Kilogramm auf die Waage.

Wie hoch die Zahlen für 2019 und 2020 sein werden, hat das Umweltbundesamt noch nicht ausgewertet. Allerdings drohen die Zahlen dieses Trends weiter anzusteigen. Vor allem, weil in Zeiten der Corona-Pandemie die Online-Bestellungen und Essenslieferungen bzw. -abholungen nach oben schießen. Die Folge sind wachsende Müllberge aufgrund von Verpackungen.

Pfaffenhofen will das Verpackungsmüll-Problem lösen

Dem will Doris Rottler, die Energie- und Klimaschutz-Beauftragte des Landratsamts Pfaffenhofen, entgegenwirken. "Das Müllaufkommen hat deutlich zugenommen. Wir stellen es auch bei uns im Büro fest. Wir haben einfach unglaublich viele Einwegverpackungen." Sie wirbt für klimaschonendes Einkaufen und Nachhaltigkeit im Landkreis Pfaffenhofen. Ein Bewusstsein für Stoffbeutel und wiederverwertbare Kaffeebecher seien aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Vom Selbstversuch zur Anti-Müll-Bewegung

Deswegen hat sich Doris Rottler Hilfe und Know-how in München geholt, beim Verein rehab republic. Dort haben Johanna Koch und Svenja Hübinger aus einem Selbstversuch eine klimaschonende Bewegung gestartet. 2018 hat Koch versucht, Müll zu fasten. Sie ging mit eigenen Boxen und Verpackungen in Lebensmittelgeschäfte.

"Es hat sich komisch angefühlt, weil ich nicht wusste, wie die Verkäufer reagieren“, erzählt die Müllvermeiderin. Weil die Resonanz damals sehr gut war, hat sie gemeinsam mit Hübinger beschlossen, den Verpackungsmüll im großen Stil zu bekämpfen.

Mehrere Einzelhändler und Gastronomen machen mit

Das Prinzip ist einfach. rehab republic sucht sich Städte und Kommunen wie Pfaffenhofen als Partner. Koch und Hübinger geben ihr Wissen und ihre gesammelten Erfahrungen dann weiter an Partner wie Doris Rottler, die "Einmal ohne, bitte" vor Ort im Lebensmitteleinzelhandel und der Gastronomie verbreiten. Das funktioniert mittlerweile deutschlandweit.

Im Landkreis Pfaffenhofen hat Doris Rottler mittlerweile 19 Einzelhändler und Gastronomen gefunden, die bei der Aktion mitmachen. So zum Beispiel Marcus Andre vom Cafe Hofberg in Paffenhofen. Ihm sind die to go-Verpackungen für Speisen schon lange ein Graus.

200 Styropor-Verpackungen pro Woche im ersten Lockdown

Im ersten Lockdown gingen in seinem Lokal pro Woche 200 Styropor-Verpackungen mit Essen über die Theke. "Das ist ein riesen Berg Müll, wenn man das auf drei Monate hochrechnet", sagt der Gastronom. Also können Kunden bei ihm das Essen mit eigenen Schüsseln und Boxen abholen. Wegen der Corona-Pandemie ziehen aber noch nicht alle Lokale so einfach mit. "Manchen ist das momentan zu heikel", ergänzt Doris Rottler vom Landratsamt. Dabei habe man alles mit dem Gesundheitsamt abgeklärt.

Hygienisches Verpacken statt Virenverbreitung

Deswegen sei es wichtig, sich an vorgegebene Spielregeln zu halten: Um die Hygieneauflagen nicht zu gefährden, sollen Kunden von zuhause saubere Gefäße mitbringen. Diese werden dann beim Händler oder Gastronomen ohne Deckel auf ein Tablett gelegt. Ohne die Verpackung des Kunden zu berühren, werden die Behältnisse mit Essen befüllt. So werden keine Keime oder Viren ausgetauscht. "Das haben wir mit dem Lebensmittelverband Deutschland abgeklärt", sagt Svenja Hübinger von "Einmal ohne, bitte". Alle Läden, die mitmachen, bekommen einen Aufkleber für das Schaufenster, damit Kunden wissen, dass man dort mit eigener Verpackung einkaufen kann.

Das spart übrigens nicht nur Müll, sondern auch Geld. "Im Schnitt kosten die Essens-Verpackungen 40 Cent pro Stück, umweltschonendere sind deutlich teurer", erklärt Marcus Andre vom Café Hofberg und ergänzt, dass Essen aus einer Glas- oder Tupper-Box auch besser schmecke als aus einer Styroporverpackung.

Weg vom Öko-Image

Mit ihrer Aktion wollen Johanna Koch und Svenja Hübinger nicht nur die Umwelt retten, sondern das Einkaufen mit eigener Verpackung vom Öko-Image befreien. "Jeder kann nutzen, was ohnehin schon da ist. Man muss nur mal wieder seinen Tupper-Friedhof zuhause besuchen", wirbt Koch für das verpackungslose Einkaufen. Wichtig sei nur, auf die Hygiene zu achten. Anbieter von "Einmal ohne, bitte", müssen verdreckte oder unhygienische Behältnisse nämlich nicht annehmen.

In Pfaffenhofen wollen in den kommenden Wochen weitere Lokale nachziehen. Auch über ein eigenes Pfandsystem für Gastronomie und Lebensmitteleinzelhandel wird nachgedacht.

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