Ungeimpfte im Gesundheitswesen werden gebeten, sich rund um die Impfung beraten zu lassen.
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Ungeimpfte im Gesundheitswesen werden gebeten, sich rund um die Impfung beraten zu lassen.

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Einladung zur Beratung: Ungeimpfte in der Pflege bekommen Post

Einladung zur Beratung: Ungeimpfte in der Pflege bekommen Post

Seit mehr als zwei Wochen gilt die Impfpflicht im Gesundheitswesen. Die Gesundheitsämter bitten nun ungeimpfte Mitarbeiter, sich beraten zu lassen – und hoffen darauf, Skeptiker so zu überzeugen.

Lassen sich Impfskeptiker im Gesundheitswesen noch umstimmen? Die Politik hofft zumindest darauf. Wer in einem Krankenhaus oder Pflegeheim arbeitet und nicht geimpft oder genesen ist, bekommt demnächst Post. "Der Großteil der bisher gemeldeten Personen wird voraussichtlich in den kommenden Tagen und Wochen durch die Gesundheitsämter angeschrieben werden", so eine Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums auf BR-Anfrage.

Beratung soll zur Impfung motivieren

In den Schreiben bittet man Betreffende zur Impfberatung – in der Hoffnung, Skeptiker doch noch zu überzeugen. Das Gespräch soll möglichst in einem Impfzentrum stattfinden, ist aber auch bei anderen Ärzten möglich. Bei manchen Zentren gibt es besondere Zeitfenster, bei anderen kann man einfach vorbeikommen – wie den BRK-Impfzentren. Die Stadt München eröffnet im April eine eigene Impfberatung am Marienplatz. Das Beratungsgespräch ist nicht verpflichtend, "kann aber im weiteren Verlauf des Verfahrens positiv berücksichtigt werden", so das Gesundheitsministerium. In manchen Regionen haben die Impfberatungen bereits begonnen, etwa im Landkreis Roth.

Meldeprozess läuft noch

Seit 16. März mussten die Einrichtungen Mitarbeiter ans Gesundheitsamt melden, die nicht geimpft oder genesen sind – und die, bei deren ärztlichen Attesten Zweifel aufkommen. Nicht alle davon sind Pflegekräfte. Die Impfpflicht gilt auch für andere Menschen, die etwa in Pflegeheimen oder Krankenhäusern arbeiten: zum Beispiel Hausmeister, Köche oder Reinigungskräfte.

Genaue Zahlen kann Bayerns Gesundheitsministerium noch nicht nennen. "Der Meldeprozess ist noch nicht abgeschlossen", schreibt eine Sprecherin – auch, wenn grundsätzlich ein Zeitraum von zwei Wochen vorgesehen ist. Mit Stand 31. März wurden über ein digitales Portal des Ministeriums rund 27.000 Personen gemeldet, die Zahlen zu Meldungen per Post liegen noch nicht abschließend vor. Außerdem müssen Einrichtungen weiterhin Meldungen vornehmen, wenn etwa Genesenennachweise ablaufen. Bei einem eigenen Portal der Stadt München wurden laut Gesundheitsreferat knapp 3.700 Beschäftigte gemeldet.

Ein Puzzleteil in einem langen Prozedere

Eines ist klar: Die Umsetzung wird dauern. Die Beratungsgespräche sind nur ein Schritt in einem komplizierten Verfahren – mit wochenlangen Fristen, erneuten Aufforderungen und möglichen Bußgeldern. Erst am Ende sind Tätigkeits- und Betretungsverbote möglich, wohl frühestens im Sommer.

Doch selbst dann können Ungeimpfte unter Umständen weiterarbeiten – etwa, wenn Patienten sonst nicht mehr gut versorgt werden können. Entschieden wird im Einzelfall. In München hält es Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek auch angesichts möglicher Bußgeldverfahren für "wahrscheinlich", dass im Jahr 2022 keine Tätigkeitsverbote mehr angeordnet werden können.

Keine Kündigungswelle in der Pflege

Bislang hat sich für viele Einrichtungen nichts verändert. "Ehrlicherweise hat sich nichts von den Befürchtungen bewahrheitet", sagt etwa Sohrab Taheri-Sohi, Pressesprecher beim Bayerischen Roten Kreuz – ergänzt aber gleich, dass das BRK diese Befürchtungen nie gehabt habe. Die Impfquote sei hier mit über 94 Prozent sehr hoch.

Aber: "Wir können uns keine einzige Pflegekraft leisten, die ein Betretungsverbot bekommt." Er kritisiert die Teil-Impfpflicht als stigmatisierend, sie habe infektiologisch nicht ansatzweise den erhofften Effekt, und sie sei widersprüchlich, weil sich etwa hochaltrige Bewohner nicht impfen müssen. Von den Beratungsterminen in den Impfzentren verspricht er sich nicht viel. Bereits jetzt sei klar, dass der Novavax-Impfstoff "kein Gamechanger" sei.

Arbeitsmarkt normalisiert sich wieder

Die Lage am Arbeitsmarkt in der Pflege normalisiert sich inzwischen. Tatsächlich waren von Dezember bis März deutlich mehr Pflegekräfte auf Jobsuche, meldet die Bundesagentur für Arbeit - in Bayern rund 6.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte aus dem Pflegebereich. Verglichen mit der Zeit vor der Pandemie haben sich die Zahlen damit fast verdoppelt.

"Ich glaube schon, dass die Ankündigung einer Impfpflicht da einen Beitrag geleistet hat, aber es ist sicherlich nicht der einzige Grund", so Ralf Holtzwart von der Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit. Die Gründe für die Jobsuche werden nicht erfasst. Denkbar sei auch, dass Pflegekräfte wegen der hohen Belastung wechseln, Angst haben, sich zu infizieren oder schlichtweg einen besseren Arbeitgeber suchen. Der größte Anteil der Arbeitssuchend-Meldungen fällt auf Januar und Februar, im März meldeten sich nicht deutlich mehr Pflegekräfte arbeitssuchend als vor der Pandemie.

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