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Prozessauftakt am Amtsgericht Amberg.
© BR / Rudolf Heinz
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Prozessauftakt am Amtsgericht Amberg.

Prügelnd und pöbelnd ziehen vier junge Männer kurz vor Silvester durch Amberg und verletzten 15 Menschen. Der Prozess gegen die Flüchtlinge hat mit einem Deal begonnen. Ursprünglich waren 25 Verhandlungstage angesetzt. Jetzt könnte der Prozess früher zu Ende gehen. Die vier jungen Männer im Alter von 17 bis 19 Jahren ließen ihre Anwälte am Dienstag vor dem Amtsgericht Amberg Erklärungen verlesen, in denen sie die Taten jeweils zugaben und bedauerten.

Haftstrafen möglich

Die Strafen sollen bei zwei Angeklagten im Bereich von mehreren Monaten liegen, möglicherweise zur Bewährung ausgesetzt. Für einen Angeklagten geht es um eine Strafe von ein bis eineinhalb Jahren. Dem Vierten droht eine Strafe von mindestens zwei Jahren oder mehr - letztere könnte nicht mehr zur Bewährung ausgesetzt werden. Der Prozess ist damit aber nicht beendet, es wird weiterverhandelt.

Polizisten sagen zu Festnahmen aus

Am frühen Nachmittag hatten die ersten Zeugen ausgesagt. Unter anderem waren mehrere an der Festnahme beteiligte Polizisten vom Amtsgericht geladen. Zuerst sagte eine Polizistin aus: Der hauptbeschuldigte Jugendliche habe sich bei der Festnahme gewehrt und sie mehrfach als "Fotze" beschimpft, so die Beamtin. Er habe betrunken gewirkt und nach Alkohol gerochen. Nach der kurzen Vernehmung der Zeugin richtete der junge Mann noch das Wort an die Zeugin: "Es tut mir leid, was ich gesagt habe. Entschuldigung", so der zur Tatzeit 17-Jährige.

Angeklagter bittet um Entschuldigung

Ein weiterer Polizist beschrieb die Festnahme eines anderen Angeklagten ähnlich. Der Festgenommene sei ebenfalls stark betrunken gewesen. Er sei sich keiner Schuld bewusst gewesen. Als er ihm die Hand auf die Schulter gelegt habe, um ihn zum Polizeiauto zu führen, habe der junge Mann die Hand mit den Worten "du darfst mich nicht anfassen" zuerst sanft von der Schulter geschoben und später mit Wucht weggeschlagen.

Als der Jugendliche dann mit der Hand in Richtung seines Gesicht gefuchtelt habe, sei er zu Boden gebracht worden. Dabei sei er auch mit dem Kopf auf dem Pflaster aufgeschlagen. Da er sich weiter gewehrt habe, mussten sich die Polizisten auf ihn knien. Auch dieser Festgenommene bat den Polizisten um Entschuldigung. "Vorher überlegen, bevor man soviel Alkohol trinkt", antwortete der Zeuge darauf.

Der dritte Polizist stand kurz vor der Festnahme einer Gruppe der Jugendlichen alleine gegenüber, und musste deshalb sein Pfefferspray ziehen. Aufgebrachte und "hysterisch" wirkende Passanten hätten die Beamten zuvor in Richtung der Schläger geführt. Nur mit großer Kraftanstrengung und unter verbalen Beleidigungen gelang es, die Festgenommenen zu sichern, so der Zeuge.

Prozess könnte schneller zu Ende gehen

Ende Dezember hatte das Quartett in der oberpfälzischen Stadt wahllos 21 Menschen angegriffen, von denen 15 verletzt wurden. Die Staatsanwaltschaft legt den aus Afghanistan und dem Iran stammenden Angeklagten gefährliche Körperverletzung zur Last, drei von ihnen auch Beleidigung. Sie sind seit der Tat in Untersuchungshaft. Die vier Angeklagten gaben am Dienstag an, vor ihrem gewalttätigen Streifzug durch die Innenstadt reichlich Wodka, Bier und Whiskey getrunken zu haben.

Ein konkretes Motiv für die Übergriffe kristallisierte sich nicht heraus. Einer der Angeklagten sagte, er habe sich von einem Passanten böse angeschaut gefühlt. Im Gerichtsssal sprach der psychiatrische Gutachter von alkoholbedingter und gruppendynamischer Enthemmung. Es sind zunächst 25 Verhandlungstage angesetzt. Angesichts des zu Beginn getroffenen Deals könnte der Prozess schneller zu Ende gehen.

Der Prozess gegen die Flüchtlinge vor dem Amtsgericht Amberg hat mit einem Deal begonnen.

Der Prozess gegen die Flüchtlinge vor dem Amtsgericht Amberg hat mit einem Deal begonnen.