Eine Woche für die Geschwister von Menschen mit Behinderung. Oft kommen sie im Alltag zu kurz, darauf will diese Woche hinweisen.

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Eine Woche für die Geschwister von Menschen mit Behinderung

Eine Woche für die Geschwister von Menschen mit Behinderung

"Geschwisterwoche" – mit dieser Aktion will die Lebenshilfe Bayern Brüder und Schwestern von Menschen mit Behinderung unterstützen. Denn die Geschwister und ihre Bedürfnisse kämen oft zu kurz.

Ob Diskussionsrunden, Filme oder auch eine Ausstellung – bei der "Geschwisterwoche" vom 25. bis zum 31. Juli sollen die Menschen im Vordergrund stehen, die einen Bruder oder eine Schwester mit Behinderung haben. Das sei enorm wichtig, sagt Hildegard Metzger, stellvertretende Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern, denn diese Geschwister fielen häufig "hinten runter". Doch auch sie hätten Bedürfnisse und Wünsche, die von den Eltern im Alltag – unbeabsichtigt – oft vernachlässigt würden.

Geschwisterkinder leiden oft

Hildegard Metzger kann sich noch gut erinnern, wie sie mit ihrem Sohn vor Jahren zum ersten Mal ins Kino gegangen ist und zu ihm gesagt hat: "Du, heute machen wir zwei was ganz alleine, was ohne Elisabeth, nur wir zwei. Wie er da gestrahlt hat." Metzger ist Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter, die eine geistige Behinderung hat und zusätzlich noch an Epilepsie leidet. Für die Familie sei das eine große Belastung gewesen, insbesondere auch für ihren Sohn. Deshalb weiß sie, welchen Herausforderungen die Geschwister von Menschen mit Behinderung oft ausgesetzt sind, wie sie unter der Situation leiden.

"Sie erleben Eltern, die vielleicht überfordert sind. Die auch traurig sind, die kämpfen, die rudern, die Erfolge und Misserfolge erleben." Hildegard Metzger, stellvertretende Vorsitzende Landesverband Lebenshilfe Bayern

In Dialog kommen und eigene Bedürfnisse formulieren

Bei der Eröffnung der "Geschwisterwoche" in Erlangen waren einige Geschwisterpaare mit anwesend, so auch die 25-jährige Uta-Maria mit ihrer 20-jährigen Schwester Anna-Lena, die das Down Syndrom hat. Ziel der Veranstaltung war es, auch mit anderen Geschwisterpaaren in einen Austausch zu kommen, um auch über eigene Bedürfnisse zu sprechen.

Für Uta-Maria ist aber klar, ohne ihre Schwester will sie ihr Leben nicht verbringen. Die beiden wohnen mit ihren Eltern in einer großen Wohnung, unternehmen viel gemeinsam. Von außen gebe es zwar immer wieder die Frage, ob sie keine Probleme damit habe, eine Schwester mit Behinderung zu haben, doch für sie sei es Alltag. "Ich bin 25 Jahre, ich lebe mein eigenes Leben und Anna-Lena lebt ihrs und ich freue mich immer wenn sich unsere Wege schneiden", sagt Uta-Maria. Sie zeigt damit, dass Geschwister von Menschen mit Behinderung durchaus beides können – ein eigenständiges, glückliches Leben führen und gleichzeitig eng im Kontakt mit dem Geschwister mit Behinderung sein.

Geschwister mit Behinderung: oft Leben lang Thema

Hildegard Metzger weiß, dass Beispiele wie Uta-Maria und ihre Schwester Anna-Lena eher die Ausnahme sind. Damit so eine Beziehung funktionieren kann, sei besonders der Familienzusammenhalt wichtig, die Wohnsituation und vieles mehr. Klar sei auch, dass sich Geschwister oft ein Leben lang mit dem Bruder oder der Schwester mit Behinderung auseinandersetzen müssen.

Wenn die Eltern zum Beispiel älter werden, müssten oft neue Lösungen gefunden werden, damit Geschwister mit Behinderung weiter versorgt werden würden. Auch hier will die "Geschwisterwoche" mit ihren vielen Partnern unterstützen. Mit dabei ist zum Beispiel das Hospiz-Team Nürnberg, der Verein Klabautermann, der sich um chronisch erkrankte Kinder kümmert oder der Verein ZSL (Zentrum für Selbstbestimmtes Leben Behinderter) aus Erlangen. Geboten ist in dieser Woche ein vielfältiges Programm für junge und ältere Kinder und Erwachsene, von Geschwistern mit Behinderung.

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