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Eine Woche Ausgangsbeschränkung: Hält Bayern sich dran? | BR24

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Seit einer Woche gelten in Bayern wegen der Corona-Pandemie strenge Ausgangsbeschränkungen. Nach Einschätzung der Polizei halten sich die Menschen weitestgehend daran. Verstöße werden mit zum Teil empfindlichen Strafen geahndet.

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Eine Woche Ausgangsbeschränkung: Hält Bayern sich dran?

Seit einer Woche gilt in Bayern die Ausgangsbeschränkung. Damit soll die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt werden. Doch halten sich die Menschen im Freistaat überhaupt daran? Eine vorläufige Bilanz.

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In Zeiten von Corona, in denen schlechte Nachrichten überwiegen, hat der Sprecher der Münchener Polizei, Marcus da Gloria Martins, eine gute Nachricht: Ja, die allermeisten Leute hielten sich an die Ausgangsbeschränkung, sie hätten verstanden, um was es gehe, so Martins.

"Es gibt natürlich immer wieder welche, die sich nicht daran erhalten. Aber da gibt es zwei Gruppen. Die Gruppe derjenigen, die unsicher sind und nicht genau wissen, was sie dürfen und was nicht. Und die deutlich kleinere Gruppe derer, die es einfach drauf ankommen lassen, obwohl sie wissen, dass es nicht okay ist." Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher Polizei München

Wenige, eher kleine Verstöße

Ähnliche Erfahrungen haben Polizeibeamte in ganz Bayern gemacht. Laut den zehn bayerischen Polizeipräsidien kommt es zu wenigen und eher kleinen Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkung. Etwa, dass Menschen zu dritt oder viert im Gespräch zusammenstehen oder, dass Freunde und Nachbarn sich unerlaubterweise gegenseitig besuchen. Begangen werden die Verstöße von allen Altersschichten. Nur im Gebiet des Polizeipräsidiums Mittelfranken gehen rund 80 Prozent der Verstöße auf das Konto von jungen Männern im Alter zwischen 21 und 30 Jahren.

Jeder Verstoß ist einer zu viel

Die Polizei betont aber: Angesichts der hohen Infektionszahlen sei jeder Verstoß gegen die Ausgangsbeschränkung einer zu viel. In der letzten Woche haben alle bayerischen Polizeipräsidien ihre Kontrollen deutlich verstärkt - mit Unterstützung der Bereitschaftspolizei. Wie in München, wo derzeit täglich zwischen 5.000 und 6.000 Kontrollen durchgeführt werden. Angezeigt werden hier jeden Tag rund 100 Verstöße.

Hinweise aus der Bevölkerung

Viele Hinweise kommen aus der Bevölkerung, wie Marcus da Gloria Martins erklärt. Das dürfe man aber nicht in die Denunziantenecke stellen, wie im Internet zum Teil vorgeworfen würde. Dies seien Menschen, die sich Sorgen machen. "Wir bringen alle momentan sehr, sehr große Opfer. Dementsprechend ist das Unverständnis bei all jenen, die sich daran halten, für Menschen, die sich augenscheinlich nicht daran halten, sehr groß", so der Pressesprecher.

Ein Problem sind Motorrad- und Autofahrer, die reine Vergnügungsfahrten machen – was übrigens laut Ausgangsbeschränkung nicht erlaubt ist, und Bergsportler. Im Allgäu etwa hat die Bergwacht vergangene Woche eine große Gruppe entdeckt, die sich dicht an dicht am Gipfel drängte.

Auf Bergtouren verzichten

Bürgermeister, Bergwachten und der Deutsche Alpenverein bitten darum, derzeit nicht in die Berge zu gehen. Nicht nur, um sich bei stark frequentierten Ausflugszielen selbst vor einer Corona-Infektion zu schützen. Es gehe vor allem darum, das medizinische System und das Rettungswesen zu entlasten, wie Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein erklärt. Denn jeder Bergnotfall binde die Kapazitäten von Rettungskräften, die derzeit noch wichtiger sind, also sonst ohnehin schon. Noch dramatischer sei die Situation, wenn ein Wanderer, der in Not gerät, mit Corona infiziert sei.

"Dann bekommt die Bergwacht ein Problem. Es kann zum Beispiel sein, dass dann eine komplette Helikopter-Rettungsmannschaft in Quarantäne geschickt werden muss. Und es gibt nur vier, fünf Helikopter-Teams bei der Bergwacht. Von daher könnte es sehr schnell gehen, dass die Rettungskette extrem minimiert ist.“ Thomas Bucher, Pressesprecher Deutscher Alpenverein.
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Seit einer Woche gilt in Bayern die Ausgangsbeschränkung. Damit soll die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt werden. Doch halten sich die Menschen im Freistaat überhaupt daran? Eine vorläufige Bilanz

Herrmann: Auf Corona-Entwicklung schauen

Ob die Ausgangsbeschränkung verlängert wird, steht noch nicht fest. Für Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sind die nächsten zwei Wochen entscheidend. Man müsse genau schauen, wie sich die Zahl der Infizierten und der intensiv behandlungsbedürftigen Patienten entwickelt. Im Moment habe man den Eindruck, dass sich die Zahlen der täglich neu Infizierten einigermaßen stabilisiert habe, so Herrmann. Sollte das zutreffen, könnte es mit der Ausgangsbeschränkung in absehbarer Zeit vorbei sein.

"Wir haben ja auch mal ins Ziel gefasst, nach den Osterferien wieder mit den Schulen zu beginnen. Dann können wir manches vielleicht auch wieder lockern." Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

Herrmann sagt aber auch ganz klar: Sollte sich die Situation in Bayern mehr wie in Italien entwickeln, dann müssen Maßnahmen eher verlängert werden oder die Zügel noch stärker angezogen werden. Im Moment bleibt also nur eines: Abwarten und zuhause bleiben.

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