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Eine Wanderung im Frankenwald - mit viel deutscher Geschichte | BR24

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Im Frankenwald kann man entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze wandern. Wer in Steinbach am Wald startet, findet viele tragische Zeugnisse, wie der Rassen- und Größenwahn der Nazis Mord und Vertreibung gebracht hat.

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Eine Wanderung im Frankenwald - mit viel deutscher Geschichte

Im Frankenwald kann man entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze wandern. Wer in Steinbach am Wald startet, findet viele tragische Zeugnisse, wie der Rassen- und Größenwahn der Nazis Mord und Vertreibung gebracht hat.

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Der Parkplatz Ziegelhütte bei Steinbach am Wald im oberfränkischen Landkreis Kronach: Hier kann man in Richtung Wetzstein starten. Am besten ausgerüstet mit zwei Landkarten: eine für die bayerische und eine für die thüringischer Seite des Weges. Grenzübergreifende Unternehmungen sind kartentechnisch noch nicht ganz einfach. Da ist man froh, wenn man mal einen Wanderer trifft, der sich auskennt.

Zeugnisse der Vergangenheit

Der Wind rauscht in den Tannenwipfeln, die Blaubeerbüsche hängen voll mit Beeren, und es sind kaum Menschen unterwegs. Dafür trifft man hier viel deutsche Geschichte. Zunächst auf dem Schönwappenweg: Auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern Länge stehen hier zahlreiche wappengeschmückte Grenzsteine aus verschiedenen Jahrhunderten. Dann kreuzt die Route den Kolonnenweg, auf dem vor 30 Jahren die DDR-Grenzposten aufpassten, dass keiner "rüber macht". Infotafeln berichten darüber.

Der Altvaterturm - Mahnmal und Aussichtsplattform

Nach gut einer Stunde kommt man an auf dem 792 Meter Hohen Wetzstein, wo der Altvaterturm steht. Der wuchtige viereckige Turm aus großen braunen und grauen Steinen ist der Nachbau eines Turmes, der in Schlesien auf dem Berg Altvater stand. Der Turm hier am Wetzstein soll ein Mahnmal gegen Flucht und Vertreibung sein. Verschiedene Ausstellungen berichten von der Flucht der 16 Millionen Deutschen aus dem Osten nach dem Zweiten Weltkrieg. Über 16.000 Menschen starben dabei.

"Vom Keller bis nach oben sind es 184 Stufen, der Turm hat rund 36 Meter Höhe. Die obere Aussichtsplattform liegt auf 824 Meter über Normalnull, so dass man eine gute Rundumsicht hat ins oberfränkische Gebiet, aber auch ins thüringische hinein." Willi Rimpl, Altvaterturmverein

Gedenkstätte Laura zeigt das traurige Los der Häftlinge

Rund eine Stunde braucht man dann ins fünf Kilometer entfernte Schmiedebach. Hier steht noch ein Zeugnis Deutscher Geschichte. Die Gedenkstätte Laura, ein ehemaliges KZ Außenlager. In einem alten Schieferbergwerk wurden von 1943 bis 45 die Triebwerke der der Flugbombe V2 geprüft. Das Lager ist sehr gut erhalten. Es zeigt, wie Menschen gequält wurden: In einer alten Scheune waren bis zu 1.200 Häftlinge eingepfercht. Sie mussten 12 Stunden täglich hart arbeiten. 559 Gefangene starben allein hier im Lager, erzählt Anneliese Gruner von der Gedenkstätte.

"Es war eines von 140 Außenlagern von Buchenwald - und eines der härtesten. Die Häftlinge sind erfroren, verhungert, abgemagert, von der SS erschlagen oder erschossen worden. Es gab Fälle, wo sie sich in den Strahl der Triebwerkstestung hereingeschmissen haben, weil sie es nicht mehr ausgehalten haben. Das waren die Todesursachen." Anneliese Gruner, Gedenkstätte Laura

Im Schieferbruch arbeiteten Menschen aus Ost und West

Nachdenklich geht es nun noch zum technischen Denkmal Schieferbau in Lehesten. Ein dunkelblauer See liegt dort vor einem. Alte, mit Schiefer verkleidete Gebäude, Schachtanlagen und Spalthütten zeigen die Arbeit im Schieferbruch, der ja in der DDR lag und in dem trotzdem Arbeiter aus dem Westen gearbeitet haben. Das erzählt Peter Langbein vom Schieferbruchmuseum.

"Das ist aufgrund der Situation passiert, dass nach dem Krieg plötzlich zwei Staaten waren. Und hier haben dann auf unserer Seite hier, auf thüringischer Seite, qualifizierte Arbeitskräfte gefehlt. Und da hat man das berühmte Loch im Eisernen Vorhang geschaffen. Da waren dann anfangs an die 150 Franken hier. 1961 waren noch ungefähr 80 Mann beschäftigt, und die haben dann bis etwa zum 14. September gearbeitet und dann hat man gesagt, Freunde, ihr könnt wieder gehen, das war's." Peter Langbein, Schieferbruchmuseum

Schiefer war damals ein Devisenbringer für die DDR, und deswegen hat man das mit dem Klassenfeind erstmal nicht so eng gesehen.

Nach einer guten Stunde ist man wieder am Startpunkt dem Parkplatz Ziegelhütte - eine beeindruckende und emotional anspruchsvolle Wanderung mit rund 20 Kilometern Länge ist zu Ende.