BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Eine Tracht, die das Leben völlig verändert | BR24

© BR

Schwester Susanne, Subpriorin der Christusbruderschaft in Selbitz

Per Mail sharen

    Eine Tracht, die das Leben völlig verändert

    Ein einfaches, wadenlanges Kleid in gedeckter Farbe mit engem Kragen und einem schlichten Schleier: Die Tracht der Nonnen ist Zeichen der Entscheidung für ein Leben im Kloster. Mit ihr verändert sich alles.

    Per Mail sharen

    Eigentlich trug Susanne Aeckerle gerne bunte, auffällige Kleider. Doch sie fühlte sich berufen für ein Leben im Kloster - in der Christusbruderschaft, einer evangelischen Ordensgemeinschaft in Selbitz in Oberfranken. Mit ihrem Eintritt ins Kloster gibt sie auch ihre bunten Kleider auf und tauscht sie ein gegen eine schlichte Nonnentracht. Damit musste sie leben lernen.

    "Das war ziemlich am Anfang: Ich saß auf dem Bahnsteig. Es war heiß und ich habe ein Eis gegessen und hatte plötzlich das Gefühl, beobachtet zu werden", erinnert sich Schwester Susanne. "Und ich guck auf und sehe, dass da ein Zug steht mit vielen Leute an den Fenstern. Und sie gucken die Nonne an, die Eis isst." Mit der Ordenstracht würde das Normale zum Besonderen, sagt Schwester Susanne. Weil sie es nicht gewohnt war, sei es ihr am Anfang "total unangenehm" gewesen.

    Mittlerweile ist Susanne Aeckerle Subpriorin der Gemeinschaft. Seit 24 Jahren trägt sie ihre Ordenstracht, fast die Hälfte ihres bisherigen Lebens. Heute fühlt es sich für sie an wie eine zweite Haut.

    Die Christusbruderschaft

    Der Orden entwickelte sich 1949 aus einem Jugendkreis. Als Hanna Hümmer und ihr Mann, Pfarrer Walter Hümmer, die Communität Christusbruderschaft gründeten, waren viele befremdet: Ein evangelisches Kloster - geht das überhaupt? Doch die Sehnsucht nach verbindlichem geistlichen Leben in einer evangelischen Gemeinschaft war groß. Die Ordenstracht war von Beginn an auch ein Zeichen der Zusammengehörigkeit und des Zueinanderstehens.

    Inzwischen gibt es die Communität seit mehr als 70 Jahren. 105 Schwestern und drei Brüder gehören aktuell zur Christusbruderschaft. Sie leben auf dem Wildenberg in Selbitz, aber auch in kleineren Konventen außerhalb, etwa in Wittenberg und auf dem Petersberg bei Halle. Das gemeinsame Gebet gehört zum Alltag, damals wie heute. Zu ihrer Berufung zählen auch Seelsorge, Verkündigung und Diakonie.

    Tracht versus Uniform

    Alle Ordensschwestern tragen die gleiche Tracht. In der ordenseigenen Schneiderei sorgt Schneidermeisterin Christine Sell dafür, dass jede Tracht richtig sitzt. An den Sonntagen tragen die Nonnen ein schwarzes Kleid, für besondere kirchliche Feiertage das weiße. Auch an den freien Tagen tragen die Schwestern meist ihre Alltagstracht - es sei denn sie tragen Sport- oder Wanderbekleidung. Während eine Uniform eine Berufskleidung ist, ist die Ordenstracht Ausdruck eines Lebensstils für Schwester Susanne: "Ich bleibe auch Nonne, wenn ich die Tracht nicht anhabe."

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!