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Weniger Einwohner, weniger Steuereinnahmen, niemand wollte mehr investieren in der kleinen Stadt Teuschnitz. Die in München haben uns vergessen, hieß es. Mittlerweile ist die Städtebauförderung angelaufen. Erste erstaunliche Erfolge sind sichtbar.

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Teuschnitz: Städtebauförderung stoppt den Abwärtstrend

Weniger Einwohner, weniger Steuereinnahmen, niemand wollte mehr investieren in der kleinen Stadt Teuschnitz. Die in München haben uns vergessen, hieß es. Mittlerweile ist die Städtebauförderung angelaufen. Und: Erste Erfolge sind sichtbar.

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Von
  • Ulrich Detsch

Teuschnitz im Landkreis Kronach ist eine kleine Stadt mit großen Sorgen. Zeitweise stehen allein in der Hauptstraße 20 Häuser leer. Die Einwohnerzahl ist seit der Jahrtausendwende um rund 20 Prozent auf heute knapp 2.000 gesunken.

Mit dem Städtebauförderprogramm will Teuschnitz die Abwärtsentwicklung stoppen. Bürgermeister Frank Jakob (FW) und Stadtumbaumanagerin Bettina Seliger putzen jetzt die Ortsmitte heraus: Teuschnitz hat unter anderem eine neues Granitpflaster bekommen. Gut angelegtes Steuergeld, meint der Bürgermeister.

Ladengeschäft gekauft, saniert und erweitert

Auch sonst tut sich was in Teuschnitz. In einem gut 100 Jahre alten Haus war die Textildesignerin Belinda Ströhlein mit ihrem Laden sieben Jahre lang Mieterin. Im Zuge der Städtebauförderung kaufte sie 2015 das Haus günstig. So vergrößerte sie nicht nur ihren Laden. Als Eigentümerin konnte sie das Gebäude umbauen – nach ihren Vorstellungen. Die Städtebauförderung half mit 25.000 Euro. Ein Mehrfaches investierte Belinda Ströhlein zusätzlich aus eigener Tasche.

"Das Schöne ist, dass, wenn jemand anfängt, ein Beispiel da ist, das man zeigen kann." Bettina Seliger, Stadtumbaumanagerin

Im sanierten Elternhaus Home-Office eingerichtet

Auch Peter Goihl hat angepackt. Der Bankkaufmann sanierte das marode Haus seiner Eltern. Er investierte 150.000 Euro. In dem Gebäude hat er ein Home-Office eingerichtet. Auch er nutzte die Städtebau-Höchstfördersumme von 25.000 Euro. Goihl hat auch einen kleinen Wohngarten geschaffen. Ausschlaggebend war für ihn, dass es Fördergelder gab.

Tagespflegestätte zieht in leerstehendes Haus ein

Eines der sehr großen, leerstehenden Häuser in der Teuschnitzer Hauptstraße verwandeln Romana Jakob und Jörg Förtsch derzeit in eine Tagespflegestätte. Die Pflegedienstleiterin und der Ingenieur investieren gut eine halbe Million Euro und viel Zeit in das Projekt. 25.000 Euro von der Städtebauförderung helfen, aber noch vielmehr die Aufbruchsstimmung im Ort.

"Früher war die Tendenz in Teuschnitz: So schnell wie möglich weg! Raus aus Teuschnitz. Mittlerweile kommen die Leute wieder zurück. Wenn wir was für die älteren Leute machen, dann bleiben die auch da, und die Jungen haben die Chance, auf die Arbeit zu gehen, die alten Leute zuhause zu pflegen, da wo sie es gewohnt sind." Jörg Förtsch, Teuschnitz

Stadt saniert altes Wirtshaus

Auch die Stadt Teuschnitz geht mit gutem Beispiel voran und belebt für 5,7 Millionen Euro das leerstehende Gasthaus Schwarzes Kreuz neu. Für 90 Prozent der Kosten gibt es staatliche Fördermittel. Der Stadt bleiben Baukosten von gut einer halben Million Euro.

Immobilien-Interessenten und Investoren kehren zurück

Seit sich in Teuschnitz nach Jahren des Stillstands wieder etwas rührt, melden sich immer mehr Immobilien-Interessenten bei Bürgermeister Jakob. Die Investorin Sabine Stöhr etwa kauft gerade mitten in der Stadt ein großes leerstehendes Haus. Sie will das einstige Café wieder aufmachen.

Mieten in Teuschnitz günstiger als in Kronach und Bamberg

In zwei weiteren Häusern hat Investorin Sabine Stöhr bereits mit der Sanierung begonnen. Für fünf Euro pro Quadratmeter kann sie in Teuschnitz vermieten. Der Kaufpreis ist aber viel günstiger als etwa in der Kreisstadt Kronach oder gar in Bamberg. Teuschnitz ist ein lukrativer Standort. Das sehen auch andere so. Es ziehen wieder mehr Menschen zu als weg.

Teuschnitz blüht auch dank der Arnika-Akademie auf

In Teuschnitz wächst und blüht auch die Arnika. Die Heilpflanze wird hier angebaut und geerntet. Die EU fördert das Projekt "Arnikastadt Teuschnitz" mit einer halben Million Euro. Von weither kommen Menschen zu Fortbildungen in die neue Arnika-Akademie. Es gibt einen Arnika-Laden. Teuschnitz setzt auf Gesundheit und Natur. Deshalb sollen noch Panorama-Rundwege durch die Arnikawiesen rings um Teuschnitz entstehen – auch das mit staatlicher Förderung.

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