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Eine neue Geige aus Mittenwalder Sturmholz | BR24

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In dem Holz, das bei dem Föhnsturm im Herbst tausende Bäume umgeknickt hat, stecken wahre Schätze für neue Musikinstrumente.

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Eine neue Geige aus Mittenwalder Sturmholz

Die Schäden im Bergwald im Karwendel bei Mittenwald waren nach dem Föhnsturm im November enorm. Bis zu 8.000 Bäume sind in schwer zugänglichem Gelände umgeknickt wie Streichhölzer. Aber im Sturmholz stecken wahre Schätze - für neue Musikinstrumente.

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Wer in diesen Wochen im Seinsbachtal im Vorkarwendel bei Mittenwald unterwegs ist, dem fallen die schweren Holztransporte auf. Sie kommen aus den hintersten Winkeln im Gebirge. Der Föhnsturm vom 15. November ist dort mit über 200 Stundenkilometern über den Berg hereingebrochen und hat 7.000 bis 8.000 Bäume umgerissen, die jetzt wegen der Borkenkäfergefahr abtransportiert werden müssen.

Schwebende Baumstämme

Mit einer einen Kilometer langen Seilbahn werden die Stämme erst einmal vom Berg herunter gezogen. Alle paar Minuten schwebt auf diese Weise ein Baumstamm zum Sammelplatz auf 1.400 Metern Höhe und wird an Ort und Stelle zerlegt.

Ein Dorado für den Tonholzhändler

Jeden Tag ist Hans-Peter Mannes zur Stelle. Für den Mittenwalder ist es wie ein Lottogewinn. „Das ist der optimale Wald, wir haben gewusst, da sind die Schätze für uns, mehr wert als Gold.“ Bei den Schätzen handelt es sich um 150 bis 200 Jahre alte Bergfichten, die normalerweise nicht gefällt worden wären und die die Merkmale haben, die das Tonholz für den Instrumentenbau braucht: Stämme mit 80 Zentimeter Durchmesser, mit extrem engen Jahresringen, die langsam und gleichmäßig gewachsen sind. Als Decke für Streichinstrumente oder Gitarren etwa hat dieses Fichtenholz die besten Schwingungseigenschaften und erzeugt einen kräftigen, lang anhaltenden Ton.

Begehrter Rohstoff für Musiker

Wegen seiner besonderen Klangeigenschaften kennen Fachleute das Mittenwalder Holz auf der ganzen Erde. Hans-Peter Mannes exportiert es weltweit, nach Italien, Mexiko, China, Korea und Japan, aber natürlich nutzen es auch die Instrumentenbauer in der traditionsreichen Geigenbauerstadt Mittenwald.

Baumsuche per Mountainbike

Während Hans-Peter Mannes sonst auf seinem Mountainbike durch die heimischen Wälder radelt und nur davon träumen kann, dass die eine oder andere alte Bergfichte doch irgendwann einmal gefällt wird, liegen sie jetzt gleich im Dutzend da. "Die Chance man wirklich nur alle 100 Jahre", sagt er und mustert Stamm für Stamm den Verlauf der Jahresringe im Querschnitt.

© BR/Georg Bayerle

Im November hat ein Föhnsturm im Bergwald bei Mittenwald tausende Bäume umgestürzt.

Schwerste Bergwaldarbeit

Für die Waldarbeiter aus Lenggries und von den Staatsforsten des Betriebs Bad Tölz aber bedeutet der gewaltige Windwurf noch monatelange Schwerstarbeit im Wettlauf mit dem Borkenkäfer. Auch für den Tölzer Forstchef Rudolf Plochmann ist ein derart massiver Windwurf an der schwer erreichbaren Stelle einzigartig:

"Ich sehe es mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite sind solche Aufgaben Herausforderungen. Auf der anderen Seite machen mich solche Ereignisse wie der Sturmwurf in so einer Lage auf dieser Höhe auch ein Stück weit wehmütig, weil ein Idyll erst einmal unterbrochen wird." Rudolf Plochmann, Forstbetriebsleiter Bad Tölz

Und es dauert dann eben auch länger als ein Jahrhundert, bis der Bergwald wieder gewachsen ist. Für Instrumentenbauer auf der ganzen Welt aber bringt der Sturm einen Rohstoff, wie er nur an wenigen Stellen in den Alpen vorkommt.

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