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"Eine Farce": Was diese Augsburgerin über die Grundrente denkt | BR24

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Wer gearbeitet hat, soll im Alter mehr haben als die Grundsicherung - das ist das Ziel der Grundrente und die soll zum 1. Januar 2021 eingeführt werden, darauf hat sich ja die große Koalition am Wochenende geeinigt.

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"Eine Farce": Was diese Augsburgerin über die Grundrente denkt

Die Grundrente soll Rentnern zugute kommen, die trotz vieler Beitragsjahre am Existenzminimum leben müssen. Rentnern wie der Augsburgerin Regina Riedesser. Doch die glaubt nicht, dass der Beschluss der Großen Koalition ihr wirklich helfen wird.

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Regina Riedesser sitzt vor einer Plastikbox, gefüllt mit Lebensmitteln. Die Malteser haben sie ihr gerade geliefert, da die 77-jährige Rentnerin alleine kaum über die Runden kommt.

"Das ist für mich furchtbar"

"Ich bekomme rund 600 Euro Rente und dazu die ergänzende Grundsicherung", berichtet die gelernte Friseurin mit den kurzen grauen Haaren. "Das ist für mich furchtbar, weil ich in dem Bewusstsein lebe: Du hast gearbeitet, du hast vier Kinder großgezogen, die heute alle berufstätig sind. Und ich muss – auf deutsch gesagt – betteln gehen!"

Wer profitiert von der Grundrente?

Die Grundrente soll ihr nun zugutekommen. Doch Regina Riedesser glaubt nicht daran: "Für mich ist das eine Farce. Im Endeffekt kommen doch nur ganz wenige in den Genuss der Grundrente."

Die Grundrente ist ein Zuschlag auf die Rentenansprüche von Geringverdienern, die 35 Beitragsjahre durch Arbeit, Kindererziehung oder Pflege aufweisen. Doch Regina Riegesser glaubt nicht, das sie diese 35 Jahre zusammen bekommt. Auch, weil sie ihrem Mann zuliebe nach dem dritten Kind nicht mehr arbeiteten gegangen ist.

Hoffen auf die Malteser

Sie ist weiter froh um die Essenslieferungen der Malteser, die das Programm in Augsburg vor zehn Jahren gestartet haben. "Gerade für ältere Damen reicht die Rente oft nicht", erklärt Alexander Pereira von den Maltesern. "Aber wir haben Probleme, diese Menschen zu erreichen." Scham sei ein Grund.

"Wir dürfen diese Menschen nicht alleine lassen", sagt Pereira. "Deswegen besuchen wir sie. Denn die soziale Armut – die Vereinsamung – sei manchmal härter als die finanzielle Armut."

Das sagt der Augsburger Sozialreferent zur Grundrente

Der Augsburger Sozialreferent Stefan Kiefer von der SPD freut das Engagement der Malteser. Er wertet aber auch die Grundrente als Erfolg: "Wir werden zu Tausenden in Augsburg davon profitieren." Er rechnet für Augsburg mit einer steigenden Zahl an Menschen, deren Rente nicht wirklich ausreiche.

Das liege in der Augsburger Industriegeschichte begründet, gerade viele Arbeiter aus der früheren Textilindustrie hätten nicht viel verdient und müssten jetzt mit einer schmalen Rente auskommen.

Warum die Bedürftigkeitsprüfung ein Knackpunkt ist

Die Stadt versuche bereits, mit kleineren flankierenden Maßnahmen auszuhelfen, wie etwa einem günstigen Mittagstisch, wo auch Rentner mit wenig Geld in der Haushaltskasse mittags ein "vernünftiges Essen" in Gesellschaft bekommen könnten und nicht allein zu Hause sitzen müssen.

Kiefer ist wichtig, dass die Bedürftigkeitsprüfung durch eine Einkommensprüfung ersetzt wurde. Und dass diese nun geräuschlos im Hintergrund ablaufe. Denn neben den armen Rentnern, die man kenne, gebe es noch viel, viel mehr. "Nur die kommen nicht zum Sozialamt", sagt Kiefer. Von daher sei auch die Frage, ob mit "Hose hoch oder Hose runter", also mit Bedürftigkeitsprüfung oder nicht, schon erheblich gewesen.

Video: Kompromiss bei der Grundrente - Reaktionen aus Bayern

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Bei Gewerkschaften und der Wirtschaft in Bayern ist der Kompromiss zur Grundrente unterschiedlich bewertet worden. Und in den Verwaltungen überlegt man schon, wie der Kompromiss umzusetzen ist. Unklar auch, wie viele Rentner einen Anspruch haben.