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Die Gastronomie hat seit Monaten geschlossen, Feste sind ausgefallen und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Gesellschaftsbrauerei Viechtach im Bayerischen Wald stemmt sich jetzt mit Crowdfunding dagegen.

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Einbußen durch Corona: Viechtacher Brauerei macht Crowdfunding

Viele Brauereien leiden unter der Coronakrise. Die Gastronomie hat seit Monaten geschlossen, Feste sind ausgefallen und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Gesellschaftsbrauerei Viechtach im Bayerischen Wald stemmt sich jetzt mit Crowdfunding dagegen.

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Von
  • Renate Roßberger
  • BR24 Redaktion

Die Gesellschaftsbrauerei Viechtach im Landkreis Regen versucht mit Crowdfunding gegen die Coronakrise anzukommen. 500.000 Euro will der Besitzer Markus Grüsser sammeln, um die Traditions-Brauerei nicht sterben zu lassen.

Kölner übernahm Traditionsbrauerei

2018 hatte Markus Grüsser, ein aus dem Raum Köln stammender Diplom-Kaufmann, sich in die 500 Jahre alte Brauerei in der Kleinstadt im Bayerischen Wald verliebt und sie gekauft. Seitdem hat er rund eine Million Euro hineingesteckt. Vieles war veraltet - von der Abfüllanlage bis zum Fuhrpark. Dann kam die Coronakrise und machte die aufwendige Rettung noch schwerer. Jetzt versucht es der 56-Jährige mit Crowdfunding.

"Für Start-Up-Unternehmen im Technikbereich ist Crowdfunding ja schon gang und gäbe und das ist für Unternehmen im Umbruch eine gute Möglichkeit, sich zu finanzieren und auch dafür zu sorgen, dass wir weitere Investitionen tätigen können." Markus Grüsser, Brauereibesitzer

Geldgeber werden an Gewinn beteiligt

Ab Donnerstag 12 Uhr kann in die Brauerei investiert werden - ab 250 Euro. Das Geld will Grüsser zum Beispiel in eine neue Kälteanlage oder einen Außendienst stecken. Wie immer bei Crowdfunding ist das Geld, das die Leute geben, Risikokapital. Wenn es schlecht läuft, ist es im schlimmsten Fall ganz weg. Wenn es gut läuft, werden sie - je nach Anteil - am Gewinn der Brauerei beteiligt. Der Brauereibesitzer ist optimistisch, dass es 2022 nach Corona wieder läuft.

Viele Viechtacher sind optimistisch

Der Viechtacher Bürgermeister Franz Wittmann (CSU) glaubt, dass beim Crowdfunding Viechtacher Bürgerinnen und Bürger mitmachen, auch wenn diese Methode für den Bayerischen Wald noch ungewöhnlich ist. Aber das Bier ist beliebt und viele identifizieren sich richtig mit der kleinen Brauerei, meint er.

"Der Zuspruch im Moment ist erstaunlich. Man könnte fast meinen, die Brauerei gehört den Viechtacher Bürgern. Es ist ja sowieso Wahnsinn, dass sich junge Menschen Tattoos stechen lassen, oder wenn man das auf Facebook verfolgt, wo überall die Viechtacher ihr Bier mitnehmen." Franz Wittmann, Bürgermeister von Viechtach

Tattoos der Brauerei auf Arm und Rücken

Tatsächlich gibt es Leute, die sich Kronkorken oder das Logo der Gesellschaftsbrauerei auf Fuß, Arm oder Rücken haben tätowieren lassen. Für das Logo ist die Brauerei extra in den Retrostil der 60er Jahre zurückgekehrt, weil viele das lieben. Bei den Biersorten setzt man aber auch auf neue kreative Biersorten, vom "Pfahlbock" bis zum "Schwarzen Regen". Ein kaltgehopftes Frühlingsbier zum Beispiel war nach wenigen Tagen ausverkauft.

Helles aus Viechtach deutschlandweit bekannt

Der 56-Jährige Markus Grüsser hat früher bei einem großen Getränkelogistiker gearbeitet und deshalb bundesweit gute Kontakte zu Getränke- und Lebensmittelhändlern. Außerdem ist bayerisches Helles zunehmend beliebt im Rest der Republik, sagt er. Deshalb stehen die Flaschen der Gesellschaftsbrauerei inzwischen auch in Berlin, Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt in den Regalen.

Privatkunden gleichen Corona-Einbruch nicht aus

Aber der Verkauf an Privatkunden gleicht nicht aus, dass durch Corona der Fassverkauf an Gastronomen und Volksfeste - wie bei allen Brauereien - komplett eingebrochen ist. Noch dazu liegen auf dem Verkauf in Flaschen viel höhere Unkosten. Deshalb braucht die Brauerei dringend Geld. Die 16 Beschäftigten sind optimistisch, dass das Crowdfunding klappt und man eine Zukunft hat.

"Sowieso, sonst wären wir gar nicht mehr da, wenn wir nicht sehen würden, dass es aufwärts geht." Brauereibeschäftigte
"Ich denke, wenn die Leute mitspielen - heutzutage muss man ja lauter ungewöhnliche Sachen machen." Brauereibeschäftigte
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Vor drei Jahren stand die Viechtacher Gesellschaftsbrauerei kurz vor dem Aus, wurde aber von Investoren gerettet. Jetzt macht ihr Corona zu schaffen. Dabei versucht das Traditionsunternehmen die Krise auf ganz moderne Art und Weise zu überwinden.

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