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Einbürgerung: Was man tun muss, um Bayer zu werden | BR24

© dpa/ Julian Stratenschulte

Geschafft, die Einbürgerungsurkunde! Bis dahin ist es ein langer Weg.

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Einbürgerung: Was man tun muss, um Bayer zu werden

Der deutsche Pass ist begehrt. Die Zahl der Einbürgerungen ist in den letzten Jahren gestiegen. 2018 wurden rund 18.000 Menschen Deutsche und Bayern. Doch wie läuft so eine Einbürgerung ab, und was sind die Voraussetzungen?

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Ein schmuckloser Raum im Innenministerium, 11 Uhr vormittags. Noch sind der Afghane Nazir Rassuli und die Südafrikanerin Wanda Kilian keine Deutschen. Sie warten auf ihre Einbürgerungsurkunde, die sie an diesem Tag überreicht bekommen. "In ein paar Stunden. Und ich freu mich riesig drauf", sagt Rassuli.

127 Länder ohne Visum

Deutsche können ohne Visum in 127 Länder einreisen. In 40 weiteren Ländern reicht ein "Visa on arrival", also ein Visum, dass man bei Ankunft am Flughafen erhält. Diese Zahlen legen nah, warum der deutsche Pass so begehrt ist. Menschen aus Afghanistan dürfen ohne Visa beispielsweise in nur fünf Länder reisen.

Die Zahl der Einbürgerungen ist in Deutschland und in Bayern in den letzten Jahren gestiegen. Anfang der Woche hat Innenminister Joachim Herrmann (CSU) die Statistik für 2018 vorgestellt. Rund 18.000 Menschen haben sich einbürgern lassen und sind jetzt Deutsche und Bayern. Das sind 2.500 Menschen oder 15 Prozent mehr als im Jahr davor.

Einbürgerung: Ein langer Weg

Zusammen mit Familie und Freunden warten Rassuli und Kilian auf die Einbürgerungszeremonie. Lang hat’s gedauert: Schon 2017 hatte Wanda Kilian den Beschluss gefasst, dass sie Deutsche werden will, und angefangen alle Unterlagen für die Einbürgerung zusammen zu suchen.

"Meine Vorfahren waren eigentlich tatsächlich Deutsche, die sind 1768 nach Südafrika ausgewandert. Ich bin geborene Kilian, mein Mädchenname ist Kilian", erklärt die Blondine. Dass sie dann von Südafrika nach Deutschland auswanderte, lag an ihrem Mann. Vor 16 Jahren zog sie zu ihm nach Nürnberg. In ihrer Heimat hat sie Grundschullehramt und Sonderpädagogik studiert, in Nürnberg arbeitet sie jetzt als Kinderpflegerin, erzählt Wanda Kilian.

Sie möchten mitreden können

"Ich fühle mich wie deutsch, ich zahle Steuern, ich möchte mitreden und ich möchte auch Teil davon sein, nicht nur als Südafrikanerin. Dann ist das die letzte Hürde, die man macht, um endlich zu dem Land zu gehören, wo man jetzt wohnt und für immer wohnen wird", sagt Kilian.

Ähnlich geht es dem 20-Jährigen Nazir Rassuli, der mit zehn Jahren zusammen mit seiner Familie aus Afghanistan nach Deutschland kam. Er macht gerade eine Ausbildung zum Herrenausstatter in einem großen Modehaus in München. "Ich möchte hier meine Zukunft planen", erklärt er.

Mindestens acht Jahre in Deutschland und keine Vorstrafen

Mindestens acht Jahre müssen sie in Deutschland leben, um die Staatsbürgerschaft beantragen zu können. Sie müssen für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen können, dürfen in der Regel keine Grundsicherung oder Arbeitslosengeld beziehen. Und sie dürfen nicht vorbestraft sein.

Wanda Kilian musste außerdem ein deutsches Sprachdiplom vorlegen. Und einen Einbürgerungstest machen, mit Fragen zu Leben und Alltag in Deutschland. Und sie musste ihre südafrikanische Staatsbürgerschaft abgeben. Mehr als eine Staatsbürgerschaft haben, das geht in Deutschland nur in ganz bestimmten Fällen, zum Beispiel als EU-Bürger.

Herrmann überreicht die Urkunden

Normalerweise machen die Landkreise und kreisfreien Städte die Einbürgerung, doch an diesem Tag überreicht Innenminister Herrmann (CSU) persönlich die Urkunden. "Mit der Aushändigung ihrer Einbürgerungsurkunden werden Sie Deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit allen Rechten und Pflichten", erklärt Hermann. Dann erklären Wanda Kilian und Nazir Rassuli zusammen mit fünf anderen feierlich, dass sie das Grundgesetz und die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland achten werden.

Endlich sind sie Deutsche

Am Ende überreicht Herrmann Wanda Kilian die Einbürgerungsurkunde, das Grundgesetz und einen Blumenstrauß. Sie ist überglücklich: "Ich bin noch immer Wanda, aber ich kann jetzt endlich sagen, ich gehöre dazu. Das war mir wichtig. Ah, jetzt weine ich gleich. Das ist halt - ich bin endlich deutsch."

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Autoren
  • Eva Huber
  • Andrea Lindner
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