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"Ein Zeichen der Integration": Sargpflicht in Bayern aufgehoben | BR24

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Grabsteine stehen am 28.10.2013 auf dem muslimischen Gräberfeld auf dem Friedhof Stöcken in Hannover

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    "Ein Zeichen der Integration": Sargpflicht in Bayern aufgehoben

    Die Sargpflicht in Bayern wird ab dem 1. April aufgehoben. Somit soll es Muslimen auch in Bayern erlaubt sein, ihre Toten ohne Sarg zu bestatten. 2019 beschloss der Landtag, die Sargpflicht zu lockern. Aber erst jetzt tritt die Verordnung in Kraft.

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    Von
    • Jörn Sawatzki

    Ab dem 1. April ist die Sargpflicht in Bayern aufgehoben. Das hat Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) dem integrationspolitischen Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Arif Tasdelen, auf Anfrage bestätigt. Tasdelen zeigt sich über die Entwicklung sehr zufrieden.

    "Wir mussten in den letzten Jahren sehr dicke Sargbretter bohren und haben es endlich geschafft, dass beispielsweise Muslime künftig nach ihrer Tradition und Religion beerdigt werden können." (Arif Tasdelen, integrationspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion)

    Schon lange vor diesem Beschluss hatten sich einzelne Friedhofsverwaltungen offen gegenüber sarglosen Bestattungen gezeigt. So setzt sich die Stadt München bereits seit 15 Jahren für diese Art der Bestattungen ein.

    Die Lockerung der Sargpflicht als Zeichen für Akzeptanz und Integration

    "Jeder Mensch hat das Recht auf eine letzte Ruhe in Würde und soll selbst entscheiden können, wie er beerdigt werden möchte", sagt Tasdelen. Die Lockerung der Sargpflicht ist nach den Worten des Sozialdemokraten auch ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung der Menschen mit Migrationshintergrund, die seit vielen Generationen in Bayern leben.

    Die SPD-Fraktion hatte das Thema 2009 auf die Tagesordnung gesetzt, doch die Staatsregierung hatte eine Reform des Bestattungsrechts im Freistaat lange verweigert. Dann, zehn Jahre später und nach vielen Diskussionen und viel Überzeugungsarbeit, hatte der Landtag im November 2019 das zuständige Ministerium beauftragt, die Sargpflicht aus religiösen und weltanschaulichen Gründen per Verordnung zu lockern. Aber die damals aktualisierte Bestattungsverordnung trat nicht in Kraft.

    Das Bestattungsrecht in Deutschland ist eine komplizierte Angelegenheit. Zunächst einmal ist es Ländersache. Dann müssen noch alle einzelnen Kommunen entscheiden, ob sie ihre Friedhofssatzung entsprechend anpassen. In 13 Bundesländern ist es schon erlaubt, sarglos zu bestatten. Jetzt hat Bayern nachgezogen. In Sachsen und Sachsen-Anhalt ist die sarglose Bestattung dagegen immer noch nicht möglich.

    Eine Beerdigung im Ausland, als Möglichkeit den religiösen Ritus zu erfüllen

    Im Islam werden Verstorbene traditionell in weißen Tüchern bestattet - ohne Sarg. Da das in Bayern (noch) nicht möglich ist, werden Tote häufig ins Ausland überführt. Für manche Hinterbliebene ist das eine emotional schwierige Situation.

    Immerhin: Auf immer mehr Friedhöfen in Bayern gibt es inzwischen muslimische Grabfelder. So auch in Ottobrunn, Penzberg und München. Auf dem Münchner Waldfriedhof zum Beispiel wurde das erste muslimische Grabfeld bereits 1959 eingerichtet. Hier muss zwar (noch) im Sarg bestattet werden, aber die Gräber sind alle Richtung Mekka ausgerichtet, also zur wichtigsten muslimischen Pilgerstätte. Auch das ist ein wichtiger religiöser Ritus.

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