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Ein Monat Klima-Camp: Corona-konformer Protest in Augsburg | BR24

© Tom Pösl / BR

Klima-Camp: ein Monat Corona-konformer Protest

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Ein Monat Klima-Camp: Corona-konformer Protest in Augsburg

Wegen Corona ist es ruhiger um Fridays for Future geworden. In Augsburg sind die Aktivisten aber wieder gut sichtbar. Seit einem Monat gibt es dort ein Klima-Camp am Rathaus. Bundesweit einmalig - und gegen den Willen der Stadt.

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Zelte, Kisten, Sofas – sogar eine Speisekammer haben die Klima-Aktivisten eingerichtet. Man sieht es schon von Weitem, das Klima-Camp in der Augsburger Innenstadt. Normalerweise stehen zwischen Rathaus und Perlachturm Autos. Jetzt weht hier die froschgrüne Flagge von Fridays for Future. Das passt zum Konzept: Die Klimaschutz-Aktivisten machen sich ja für eine Verkehrswende stark.

Prominenter Besuch in Augsburg

Diese Woche hatten die Augsburger prominenten Besuch. Luisa Neubauer kam in die Stadt. Die 24-Jährige ist eine der bekanntesten Vertreterinnen der Protestbewegung. Sie ist beeindruckt von ihren schwäbischen Mitstreitern:

"Das ist zurzeit im Land das einzige Klima-Camp, das so lange durchhält. Das finde ich wahnsinnig inspirierend und sehr wichtig und deswegen wollte ich unbedingt hierherkommen." Luisa Neubauer, Klima-Aktivistin

Diskussion mit Kommunalpolitikern

Deswegen hat sich Luisa Neubauer umgeschaut im Zeltlager und bei einem Sit-in mit Kommunalpolitikern diskutiert. Anschließend erinnerte sie daran, dass Klimaschutz nicht nur Sache nationaler Regierungen ist.

"Gerade jetzt in dieser Zeit, wo es sehr auf der Kippe steht, wie wir überhaupt in der Lage sein werden, das Pariser Klimaabkommen einzuhalten, braucht es eben diese Städte, die zeigen, wie es geht, die beweisen, dass es möglich ist und die den notwendigen politischen Willen an den Tag legen." Luisa Neubauer, Klima-Aktivistin

Veränderungen dauern zu lange

Mehr Bus und Bahn, weg vom Kohlestrom, Solarzellen auf die Dächer: Manche Forderungen sind auf dem Weg – auch in Augsburg. Aber Fridays for Future geht das alles viel zu langsam.

Konflikt mit der Stadt

Dann ist da noch die Sache mit der Räumung. Die Stadt sieht es so: Das Klima-Camp ist doch eher ein Workshop als eine politische Versammlung. Also wollte sie es räumen lassen. Nach einer Eil-Entscheidung des Verwaltungsgerichts ist klar: Die jungen Leute dürfen erstmal bleiben. Zu Ende ist der Streit damit aber nicht:

"Ich empfinde es als ziemlich scheinheilig, dass man uns hier so schnell loswerden wollte, obwohl unserer Meinung nach das Versammlungsrecht uns voll zustimmt. Es wird immer gesagt: Die Stadt ist auf unserer Seite. Und im nächsten Moment gibt’s dann einen Bescheid, der sagt, wir sollen verschwinden." Leon Ueberall, Klima-Camp Augsburg

Schwierige Situation für schwarz-grün in Augsburg

Für die Stadtspitze ist die Sache eine Gratwanderung: Immerhin wird Augsburg von einer schwarz-grünen Koalition regiert.

"Zum Zeitpunkt, als der Auflösungsbescheid der Stadt Augsburg an das Klimacamp übergeben worden ist, hat’s aus Sicht der Stadt tatsächlich auch den Blick gegeben, dass nicht so ganz klar war, ob noch eine Versammlung stattfindet. Das Gericht hat gesagt: Doch, es ist eine Versammlung. Und insofern werden wir nichts dagegen tun und nicht in die nächste Instanz gehen, sondern das Hauptsacheverfahren abwarten." Oberbürgermeisterin Eva Weber.

Entscheidung fällt erst im Herbst

Und da soll die Entscheidung im Herbst kommen. Schon jetzt ist aber klar: In keiner deutschen Stadt hat ein Klimacamp so lange durchgehalten wie in Augsburg. Und das ist für die Aktivisten ein Grund, an diesem Wochenende noch eine Schippe drauf zu legen: mit Demos zu Fuß und auf dem Rad. Und sie wollen weitermachen.

"Die Klimakrise lässt keine Kompromisse zu. Wir kämpfen hier um unsere Zukunft. Das hört sich ein bisschen doof an, aber es ist tatsächlich so. Deswegen werden wir auf jeden Fall bleiben." Leon Überall, Klima-Camp Augsburg

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