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Ein Klavier und der Artenschutz - Elfenbeintastatur im Visier | BR24

© picture alliance/Sina Schuldt/dpa

Klavier unter Artenschutz - Elfenbeintastatur im Visier

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    Ein Klavier und der Artenschutz - Elfenbeintastatur im Visier

    Ein edler Flügel, bestens gepflegt, aber die Klaviatur macht Probleme: Das Landratsamt Starnberg will sie einziehen. Denn die Tasten sind aus Elfenbein - und das unterliegt dem Artenschutz. Der Gerichtsstreit um das Klavier geht jetzt weiter.

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    Es ist ein teures Instrument - der "Lebenstraum" seines Vaters, sagt Josef Zeitler. Jahrzehntelang stand der Flügel im Wohnzimmer der Familie im Raum Starnberg. Niemand machte sich Gedanken um die Tasten. Auch nicht, als Zeitler gut 20 Jahre nach dem Tod des Vaters beschloss, das edle Instrument zu verkaufen. "Ich habe ihn jedes Jahr stimmen lassen, damit er nicht kaputt geht", sagt Zeitler. Aber: "Bei uns spielt keiner den Flügel." Schade um das schöne Stück.

    Tasten aus Elfenbein

    Ein Klavierbaumeister nahm sich der Sache an und fand einen Käufer in der Schweiz. Damit begann der Ärger, der den Pferdezüchter nun seit zwei Jahren begleitet. Denn die Tasten des Flügels sind aus Elfenbein. Die Ausfuhr ist ohne eine EG-Vermarktungsbescheinigung verboten. Der Grund: Artenschutz.

    Suche nach Käufer macht Klavier illegal

    Der Klavierbauer beantragte die Bescheinigung. Doch das Landratsamt Starnberg erteilte sie nicht. Weil schon die Suche nach einem Käufer als Vermarktung gilt, wurde die Klaviatur praktisch über Nacht illegal. Das Landratsamt will sie deshalb nun einziehen. Im Grunde, so sagt Zeitler, gehe es nur um einen Verfahrensfehler. Man hätte zuerst die Papiere haben und dann einen Käufer suchen müssen. Nur Klaviere mit Elfenbeintasten aus der Zeit vor 1947 dürfen nach der EU-Regelung für den Elfenbeinhandel ohne Bescheinigung innerhalb der EU gehandelt werden. Dieses Klavier wurde 1983 gebaut. Zum Verkauf in die Schweiz bräuchte es neben der EG-Bescheinigung auch eine Genehmigung des Bundesamtes für Naturschutz.

    Originaldokumente sind zerstört worden

    Die für diese Papiere nötigen Originaldokumente über den Erwerb waren nach Zeitlers Darstellung bei einem Hochwasser im Keller zerstört worden. Dennoch sei der Weg des Flügels von der renommierten Wiener Klavierfabrik Bösendorfer über das Münchner Fachgeschäft Klavier Hirsch bis nach Starnberg nachvollziehbar. Er legte inzwischen dafür Ersatzdokumente für Erwerb und Herkunft vor - die nicht zuletzt sogar belegen sollen, dass das Elfenbein aus einem Lagerbestand vor 1974 stammt, bevor der Afrikanische Elefant unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fiel. Das Landratsamt akzeptierte die Dokumente allerdings bisher nicht.

    "Es passiert nicht häufig, aber wir haben immer mal wieder ein Problem, vor allem mit der Einfuhr von Klavieren nach Deutschland." Franz Böhmer, Artenschutzexperte vom Bundesamt für Naturschutz

    Klavierbauer bekam Anzeige wegen illegalen Handels mit Elfenbein

    Auf die Ausfuhrregelungen wurde Zeitler erst über den Klavierbauer und dessen Spedition aufmerksam, als 2017 der mögliche Käufer ins Spiel kam. Davor habe er sich um die Tasten des Flügels nie Gedanken gemacht, sagt er. "Dann ist das ganze Drama losgegangen." Denn anstatt der Bescheinigung zum Verkauf bekam zunächst der Klavierbauer, bei dem der Flügel inzwischen stand, eine Anzeige wegen illegalen Handels mit Elfenbein. Dann habe es geheißen, der Flügel dürfe nicht mehr bewegt werden, sagt Zeitler.

    Polizei und Spedition standen vor der Tür

    Plötzlich habe die Polizei vor der Tür des überraschten Instrumentenbauers gestanden - "mit zwei Beamten und einer Spedition." Beschlagnahmung. "Sie haben uns behandelt wie Schwerverbrecher", sagt Zeitler. Der Klavierbauer bekam Zeitlers Anwalt zufolge eine Geldauflage. Zeitler klagte auf Herausgabe des Flügels - erfolgreich. Nun steht das gute Stück wieder bei ihm.

    Der Streit vor dem Verwaltungsgericht München geht weiter

    Die Richter gaben am Donnerstag dem Landratsamt Starnberg bis Ende Mai Zeit, sich mit dem Bundesamt für Artenschutz abzusprechen, wie stark die Beschläge aus Elfenbein geschützt seien. Davon hänge ab, so das Gericht, ob die Behörde überhaupt die Tastaturbeschläge von dem Flügel entfernen dürfe.

    Vielleicht muss Tastatur ausgetauscht werden

    Je nach Ausgang des Prozesses hat das Klavier vielleicht bald keine Tasten mehr. "Man kann auch eine Kunststofftastatur draufmachen", sagt Zeitler. Aber das würde kosten - rund 4.000 Euro. Und vor allem: "Dieser Flügel, wie er dasteht, ist eigentlich ein Gesamtkunstwerk. Es wäre ewig schade, wenn diese Tastatur runter müsste." Letztlich wäre der Umbau "ein wirtschaftlicher Totalverlust."

    © picture alliance/Sina Schuldt/dpa

    Das Klavier mit den Elfenbeintasten sorgt für Ärger