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Ein Jahr nach Halle: Mit "Schalom Aleikum" gegen Antisemitismus | BR24

© dpa/ picture alliance

Junge Juden und Muslime begegnen sich auf Augenhöhe.

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    Ein Jahr nach Halle: Mit "Schalom Aleikum" gegen Antisemitismus

    Am Sonntag ist Jom Kippur. An dem Tag jährt sich der Anschlag auf die Synagoge in Halle zum ersten Mal. Das Projekt "Schalom Aleikum" setzt sich dafür ein, Antisemitismus unter Jugendlichen in Deutschland - auch unter Muslimen - abzubauen.

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    Ihren höchsten Feiertag, Jom Kippur, feiern Juden weltweit an diesem Sonntag (27. September). Die Bedeutung des Fests wird oft mit dem christlichen Buß- und Bettag verglichen: An Jom Kippur können sich die Menschen nach jüdischem Glauben von Schuld befreien und mit Gott versöhnen.

    Ein Jahr nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle

    Viele Juden in Deutschland begehen Jom Kippur heuer allerdings mit gemischten Gefühlen. Denn ausgerechnet an ihrem höchsten Feiertag geschah im vergangenen Jahr der Anschlag auf die Synagoge in Halle. Bei dem antisemitischen Attentat wurden zwei Passanten vor der Synagoge erschossen. Der mutmaßliche Täter steht derzeit in Magdeburg vor Gericht.

    Antisemitismus ist auch 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges in der Bevölkerung verankert. Nicht nur im rechten Milieu, auch in vielen muslimischen Gemeinden ist Judenfeindlichkeit tief verwurzelt. Trotzdem dürfen Muslime nicht generell als Antisemiten stigmatisiert werden. Das Projekt "Schalom Aleikum" des Zentralrats der Juden in Deutschland fördert die Begegnung von Juden und Muslimen und will dazu beitragen, Spannungen abzubauen.

    Fußballer des jüdischen Vereins Makkabi werden oft beleidigt

    Beim Fußball-Training des jüdischen Sportvereins Makkabi in Frankfurt spornt Vereinspräsident Alon Meyer die kleinen Kicker an: "Ich sag Makkabi, Ihr sagt?" - "Chai!", schreien die Kinder. Und nochmal: "Makkabi" - "Chai".

    Bei Makkabi geht es um mehr als Sport. Werte wie Wärme, Herzlichkeit, soziales Verhalten, Mitgefühl werden im Verein groß geschrieben. So will der jüdische Sportverein Toleranz vermitteln. Trotzdem erleben sie beim Spiel von gegnerischen Mannschaften auch offenen Antisemitismus, sagt Alon Meyer:

    "Das beginnt mit Pöbeleien, Beleidigungen, wie 'Scheiß Juden','„Euch hat man vergessen zu vergasen', oder 'wenn es Hitler noch gegeben hätte...'. Das sind alles Beleidigungen auf dem Platz, bis hin zu Handgreiflichkeiten." Alon Meyer, Fußballtrainer beim jüdischen Sportverein Makkabi.

    Viele Muslime spielen bei Makkabi

    Handgreiflichkeiten und Anfeindungen: Die hat auch Makkabi-Spieler Mo El Allaoi schon erlebt. Mo ist – wie viele Spieler bei Makkabi kein Jude, sondern Muslim. "Das Schlimmste war, als ich gegen eine Mannschaft gespielt habe und nach dem Spiel sind welche von den Gegnern zu mir gekommen - sogar meine Landsleute - und haben mich beschimpft, warum ich bei Makkabi spiele und den Davidstern auf der Brust trage. Warum ich denn die Israelis unterstütze, wie sie meine Brüder in Palästina bombardieren", erzählt Mo El Allaoi. "Man muss ehrlich sagen, dass Muslime oft Schuld sind an diesen Angriffen, aber man muss auch sagen, dass sie es ja eingetrichtert bekommen von den Medien, von den Eltern, von den Leuten in ihrem Umfeld." Das Problem ist nach Mos Ansicht, dass viele Muslime gar keine Juden kennen.

    Viele Freundschaften zwischen Juden und Muslimen

    Mo ist in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Seine Eltern sind aus Marokko nach Deutschland eingewandert. Jüdische Menschen hat er erst im Sportverein Makkabi kennengelernt."Ich muss sagen, dass ich am liebsten mit den jüdischen Spielern in meiner Mannschaft abhänge, wir haben den selben Humor. Mit denen habe ich viel Spaß", sagt Mo.

    Auch Cem Kartal ist Makkabi-Spieler und vor drei Jahren zum Studium nach Würzburg gezogen. Der 21-Jährige ist Alevit. Das Alevitentum ist eine eigenständige islamische Konfession. Cems Freundin Rina ist Jüdin. Die beiden sind seit vier Jahren zusammen. Ihre unterschiedliche Religionszugehörigkeit ist bei ihnen kein Thema. Sie wissen aber auch, dass ein jüdisch-muslimisches Paar nicht überall gut ankommt.

    "Schalom Aleikum" soll Vorurteile gegen Juden abbauen

    "Dieses Feindbild wird weitergegeben", sagt Cem Kartal. Die beiden engagieren sich auch im Dialogprojekt "Schalom Aleikum", um Vorurteile unter Muslimen und Juden abzubauen. Die Mission des Projekts: Muslimische und jüdische Menschen aus allen Gesellschaftsgruppen miteinander ins Gespräch bringen, sagt Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland.

    "Es geht nicht um theologische Fragen, es geht auch nicht um politische Fragen, sondern darum, dass Muslime und Juden, Juden und Muslime, die ein gemeinsames Thema haben, sich über dieses Thema austauschen", sagt Schuster. Außerdem gehe es den Jugendlichen wie Rina und Cem darum, aktiv zuzuhören, wenn jemand von seinen Erfahrungen mit Diskriminierung spricht und diese auch wirklich ernst zu nehmen.

    Am Sonntag, 27. September, an Jom Kippur zeigt das BR Fernsehen um 10.30 Uhr den halbstündigen Beitrag: "Wie junge Menschen Brücken bauen - SchalomAleikum: Meet a Jew!"

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