BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Vor einem Jahr hat Galeria Karstadt Kaufhof bekannt gegeben, dass bundesweit 62 Filialen schließen müssen. Auch zwei Häuser in Nürnberg befanden sich auf der Streichliste, konnten aber gerettet werden. Die Mitarbeiter machen sich bis heute Sorgen.

13
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Ein Jahr nach dem Drama um Karstadt-Schließungen in Nürnberg

Vor einem Jahr hat Galeria Karstadt Kaufhof bekannt gegeben, dass bundesweit 62 Filialen schließen müssen. Auch zwei Häuser in Nürnberg befanden sich auf der Streichliste, konnten aber gerettet werden. Die Mitarbeiter machen sich bis heute Sorgen.

13
Per Mail sharen
Von
  • Tina Wenzel

Heute vor einem Jahr kündigte der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof einen Kahlschlag an – mehr als ein Drittel seiner Filialen in Deutschland standen vor dem Aus. In Bayern sollten Kaufhäuser an sechs Standorten wegfallen – 800 Beschäftigte waren betroffen.

Filialen vor dem Aus: Schock für Nürnberg

In Nürnberg standen zwei Filialen vor der Schließung. Der Karstadt im Herzen der Innenstadt und der Karstadt im Stadtteil Langwasser. Ein harter Schlag für die Mitarbeiter. "Viele haben geweint. Wir waren alle auch wütend", erinnert sich Katharina Lorenz, Betriebsratsvorsitzende zurück.

Auch für die Stadt war die Nachricht bitter. "Es war ein Schock. Jeder, der in Nürnberg lebt und arbeitet, kennt den Karstadt in der Stadt und auch in Langwasser. Das war eine unglaublich schlechte Nachricht", erinnert sich Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU). Zwei große Häuser, eins davon mitten in der Innenstadt, die leer stehen – undenkbar.

Kampf um Karstadt: Menschenketten und Unterschriften

Es begann ein wochenlanger Kampf um die Traditionshäuser. "Es war eine sehr intensive, heftige Zeit", sagt Jaana Hampel, Gewerkschaftssekretärin bei Verdi, rückblickend. Sie hat zusammen mit den Beschäftigten um den Erhalt der Filialen in Nürnberg gekämpft. Damals bildeten sie Menschenketten um ihre Kaufhäuser und sammelten mehr als 25.000 Unterschriften bei Kunden und Unterstützern ein.

Auch die Nürnberger Stadtspitze schaltete sich ein, machte Zugeständnisse an den Konzern und die Immobilienbesitzer, die in der Corona-Krise mit der Miete nach unten gingen. Beide Kaufhäuser in Nürnberg konnten gerettet werden. Anders sah es bei Filialen in Rosenheim, Ingolstadt und München aus – sie mussten für immer dichtmachen.

Probleme noch nicht gelöst

Nach der Rettung waren die Karstadt-Mitarbeiter in Nürnberg erstmal euphorisch. Aber die Sorgen und Unsicherheiten sind bei vielen geblieben – bis heute. Denn noch immer kämpft Galeria Kaufhof Karstadt mit den gleichen Problemen.

Auf den ersten Lockdown im Frühjahr folgte der zweite im Winter. Wieder waren die Geschäfte geschlossen. Und der in der Corona-Krise boomende Onlinehandel ist seit jeher ein Schwachpunkt des Konzerns. Der Bund stützt Galeria Karstadt Kaufhof in der Corona-Krise mit 460 Millionen Euro. Der Konzern hat aber weitere 200 Millionen Euro beantragt.

Mehr Mitsprache für Mitarbeiter bei Galeria Karstadt Kaufhof

Veränderungen sind dringend notwendig. "Und vor allem muss es jetzt schnell gehen", sagt Thomas Vieweg, Betriebsratsvorsitzender bei Karstadt. Zumindest werden die Mitarbeiter in Zukunft mehr Mitsprache im Konzern erhalten, freut sich Vieweg. Die Gewerkschaft Verdi hat einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt – den es so bislang noch nicht gab, sagt Gewerkschaftssekretärin Jaana Hampel.

Ende August sollen in allen Filialen in Deutschland die Mitarbeiter befragt werden, welche Vorschläge sie haben, damit es vorwärts geht. "Die Beschäftigten haben die Expertise, weil sie es ja sind, die jeden Tag mit den Kunden im Laden sprechen", betont Hampel. Die Vorschläge muss das Management berücksichtigen und Maßnahmen entwickeln und umsetzen, so die Gewerkschaftssekretärin. Eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks bei Galeria Kaufhof Karstadt zur aktuellen Situation, blieb bisher unbeantwortet.

Umfeld soll aufgewertet und verschönert werden

Auch die Stadt Nürnberg muss noch liefern. Ein zentrales Zugeständnis, um den Karstadt in der Innenstadt zu retten, war eine Verschönerung des Umfelds. Besonders das U-Bahn-Zwischengeschoß, über das viele Menschen den Karstadt in der Innenstadt erreichen, ist in die Jahre gekommen. Es ist düster in der Passage, Lampen sind kaputt, die Wände sind beschmiert.

Das soll sich ändern, verspricht Oberbürgermeister König. "Es soll freundlicher, heller und einladender werden", so König. Die Stadt arbeitet auch schon an den Plänen, betont Baureferent Daniel Ulrich. Bis dato wurde an den technischen Anlagen etwa für den Brandschutz getüftelt – nach außen ist das kaum sichtbar, aber der größte Teil der Arbeit und Kosten, so Ulrich. In den nächsten Jahren will die Stadt bis zu fünf Millionen Euro investieren. In einigen Wochen sollen dann erste Pläne zur Verschönerung präsentiert werden.

© BR-Studio Franken / Tina Wenzel
Bildrechte: BR-Studio Franken / Tina Wenzel

In die Jahre gekommen: Das Umfeld des Karstadts in der Nürnberger Innenstadt soll schöner werden.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!