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Ein Jahr nach dem Armbrust-Fall von Passau: Ermittler berichten | BR24

© BR/Martin Gruber

Die Bilder vom Tatort beschäftigen die Polizisten und Zeugen bis heute. Vor genau einem Jahr fand ein Zimmermädchen in einer Pension in Passau drei Leichen. In den Körpern der Toten steckten Pfeile. Der Beginn eines spektakulären Kriminalfalls.

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Ein Jahr nach dem Armbrust-Fall von Passau: Ermittler berichten

Die Bilder vom Tatort beschäftigen die Polizisten und Zeugen bis heute. Vor einem Jahr fand ein Zimmermädchen in einer Pension in Passau drei Leichen. In den Körpern der Toten steckten Pfeile. Der Beginn eines spektakulären Kriminalfalls.

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An den Funkspruch, der ihn und seine Kollegen zum Tatort gelotst hat, kann sich Polizeihauptmeister Markus Weiß noch gut erinnern: Gasthof zur Triftsperre, drei Tote, umgebracht mit Pfeilen. Auch an den Moment, als er mit der Maschinenpistole im Anschlag in die Pension geht: Eine total surreale Situation, so der Polizist.

"Auf der einen Seite vollbesetzte Pension. Mit Kinderlachen im Garten, die Ilz plätschert, die Sonne scheint. Dann kommt man in die Idylle an, steigt aus, geht die Treppe hoch – und ist dann in einer komplett anderen Welt. Düster. Wie in einem Film, wenn man die Leichen hautnah sieht." Polizeihauptmeister Markus Weiß

Szene wie aus einem Film: Armbrust-Pfeile in Brust und Hals

Eine tote Frau liegt auf dem Boden – mit einem Pfeil im Hals. Auf dem Bett liegen zwei Leichen: ein Mann und eine Frau, mit insgesamt fünf Pfeilen in Brust und Hals. Für den Polizisten ein Bild, das er nicht vergessen wird.

"Ich hab in Erinnerung, wie friedlich die stark geschminkte Frau im Bett lag. Wie eine Puppe. Es war viel Blut zu sehen, vor allem, dort wie die dritte Person lag. Am Bett wars gar nicht so schlimm, wahrscheinlich weil alles nach unten gesickert ist." Polizeihauptmeister Markus Weiß

Verdacht erhärtet sich

Die Kripo Passau übernimmt die Ermittlungen. Mit dabei: Kriminalhauptkommissarin Beate Wandl. Sie schaut sich genau um am Tatort, sammelt Eindrücke. Es war der erfahrenen Beamtin nicht sofort klar, was hier passiert ist:

"Das war ein Suizid. In welcher Ausprägung wussten wir nicht. Dass eine weitere Person beteiligt gewesen wäre, haben wir schnell an den Rand geschoben." Kriminalhauptkommissarin Beate Wandl.

Weitere Leichen in Niedersachen

Wenige Stunden später in Niedersachsen: In der Nähe von Hildesheim werden zwei weitere Leichen entdeckt. Zwei Frauen, getötet durch einen Gift-Cocktail. Auch hier war es Suizid. Die zuständigen Staatsanwaltschaften suchen nach Zusammenhängen, ermitteln im Umfeld der Getöteten und finden die Erklärung, warum sich fünf Menschen so spektakulär das Leben genommen haben. Der in Passau gefundene 53-jährige Mann war wohl eine Art Guru, der psychisch labile Frauen um sich geschart und wohl auch sexuell hörig gemacht hat, erklärt Oberstaatsanwalt in Passau, Walter Feiler:

"Die Maxime des Kreises war, dass man neue Weltordnung erschaffen wollte. Jetzt die Welt verlassen, um woanders eine neue Welt zu erschaffen." Walter Feiler, Oberstaatsanwalt in Passau

Nachrichtenmeldung in aller Welt

Der Fall sorgt für großes Aufsehen und teils reißerische Schlagzeilen – nicht nur in Deutschland. Feiler gibt Interviews für Radio- und Fernsehsender aus ganz Europa, auch aus den USA. Es wurde viel Unwahres berichtet, erinnert sich der Passauer Jurist. Storys über mittelalterliche Rituale. Aus der idyllisch gelegenen Passauer Pension wird plötzlich ein okkulter Ort. Völlig entgegen der Wirklichkeit:

"Die Passau Triftsperre war ein rein zufällig ausgewählter Ort. Wenn man die Vorgeschichte weiß. Die drei Personen, die hier gefunden wurden, sind davor eine Woche durch ganz Deutschland und Österreich gereist und sind dann offenbar über ein Online-Portal zufällig auf die Triftsperre gestoßen." Walter Feiler, Oberstaatsanwalt in Passau

Wirtsleute wollen Ereignisse am liebsten vergessen

Die Wirtsleute wollen nicht mit dem Bayerischen Rundfunk sprechen. Sie wollen nicht, dass noch einmal alles hochkommt, sondern Normalität.

Markus Weiß ist längst wieder im Polizeialltag angekommen. Vergessen wird er das Armbrustdrama vom Mai 2019 allerdings nie.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de.

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