BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

1 Jahr nach dem Anschlag von Halle: Mehr Schutz für Synagogen | BR24

© BR/Barbara Schneider

Zum Jahrestag des Anschlags auf die Synagoge von Halle sagt Bayerns Innenminister Joachim Hermann acht Millionen Euro für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen für Synagogen und andere jüdische Einrichtungen im Freistaat zu.

43
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

1 Jahr nach dem Anschlag von Halle: Mehr Schutz für Synagogen

Am 9. Oktober 2019 wollte der mutmaßliche Attentäter Stephan B. bewaffnet in die Synagoge in Halle eindringen. Zwei Menschen wurden von ihm erschossen. Wie steht es heute um die Sicherheit von Bayerns Synagogen?

43
Per Mail sharen

Insgesamt acht Millionen Euro hat der Freistaat seit vergangenem Herbst für neue Schutzmaßnahmen an den rund 200 jüdischen Einrichtungen in Bayern zur Verfügung gestellt. Das hat das bayerische Innenministerium anlässlich des Jahrestags des antisemitischen Anschlags auf die Synagoge in Halle bekannt gegeben.

Innenminister Hermann: Sicherheitsmaßnahmen verstärkt

Laut Innenminister Joachim Herrmann sind davon bereits sechs Millionen Euro für konkrete zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen bei jüdischen Einrichtungen bewilligt. Dazu kommen die schon seit Jahrzehnten üblichen Polizeistreifen und Standposten an jüdischen Schulen, Kindergärten oder Synagogen. Insgesamt haben auch die jüdischen Gemeinden in Bayern nach dem Anschlag in Halle vor einem Jahr ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.

Israelitische Kultusgemeinden in Bayern: mehr Sicherheitstechnik

In Regensburg sei bei Veranstaltungen im jüdischen Gemeindezentrum nun mehr Polizei vor Ort, sagt die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger. Auch seitens der Israelitischen Kultusgemeinde in Bamberg heißt es, der Polizeischutz, der bisher schon gut funktioniert habe, sei nach dem Anschlag ausgeweitet worden, außerdem werde die Sicherheitstechnik ausgebaut.

Charlotte Knobloch fordert: spezieller Schutz muss obsolet werden

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, sagte dem BR, langfristig müsse das Ziel bleiben, dass ein spezieller Schutz für jüdische Einrichtungen überhaupt überflüssig werde. Leider seien wir davon heute nicht nur in München wieder sehr weit entfernt.

Zahl antisemitischer Straftaten steigt

Die Zahl antisemitischer Straftaten steigt, das geht aus dem Bericht des Bundeskriminalamts über bundesweite Fallzahlen politisch motivierter Kriminalität hervor. Der aktuelle Bericht verzeichnet eine Zunahme von antisemitischen Straftaten im Jahr 2019 (2.032 registrierte Fälle) um 13,0 % gegenüber dem Jahr 2018 (1.799 registrierte Fälle). Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang warnt heute im "Tagesspiegel" sogar vor einem "steil ansteigenden Antisemitismus". Die Gefahr gehe zunehmend von radikalisierten Einzeltätern aus.

Schuster warnt vor zu laxem Umgang mit Antisemitismus

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, mahnte im BR, "Rechtsextremismus von Einzeltätern oder Gruppen darf nicht in der Lage sein, jüdisches Leben in Deutschland auszulöschen." Gleichzeitig warnte Schuster vor einem zu laxen Umgang mit antisemitischen Tendenzen. Judenfeindlichkeit sei weiterhin auch mitten in der Gesellschaft anzutreffen. In diesem Zusammenhang kritisierte Schuster erneut den Innenminister von Sachsen-Anhalt Stahlknecht. Der CDU-Politiker habe Anfang der Woche suggeriert, Polizeibeamte könnten anderswo nicht schnell genug vor Ort sein, weil sie jüdische Einrichtungen bewachen müssten. "Letztendlich ist es Ausdruck von Antisemitismus auch wenn es von einem Innenminister eines deutschen Bundeslandes kommt."

Kirchen: Solidaritätsbekundungen zum Jahrestag des Anschlags

Zum Jahrestag des Anschlags erklären sich Politiker wie Vertreter anderer Religionsgemeinschaften solidarisch mit den jüdischen Gemeinden. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, der Anschlag von Halle beschäme ihn noch heute. "Es kann darauf nur eine Antwort geben, nämlich die Bekämpfung jeglicher Form von Antisemitismus in unserer Gesellschaft", so Seehofer. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm schreibt in einer Erklärung: "Dass es vermeintlich radikalisierte und fanatisierte Einzeltäter sind, darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit bis hinein in unsere demokratischen Institutionen wieder drohen, hoffähig zu werden."

Newsletter abonnieren

Interessieren Sie sich für Themen aus Religion, Kirche, Glaube und Spiritualität? Unser Newsletter hält sie auf dem Laufenden - jeden Freitag frei Haus. Hier geht's zum Abo.