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Ein Jahr EU-Mittelpunkt in Gadheim: Kaum Touristen wegen Corona | BR24

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In Gadheim, einem Ortsteil von Veitshöchheim, liegt der geografische Mittelpunkt der Europäischen Union. Daraus lässt sich touristisch was machen, dachte man dort. Doch seit dem ersten Lockdown zerplatzten viele Marketingträume wie Seifenblasen.

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Ein Jahr EU-Mittelpunkt in Gadheim: Kaum Touristen wegen Corona

Mit dem Brexit vor genau einem Jahr hat sich der Mittelpunkt der EU verschoben, nach Gadheim im Landkreis Würzburg. Das 80-Einwohner-Dorf hat mit einem Ansturm von Touristen gerechnet. Aber Fehlanzeige. Wegen Corona.

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Von
  • Frank Breitenstein
  • Christiane Scherm

Geografischer Mittelpunkt der Europäischen Union – was für eine Steilvorlage für den Tourismus. Das dachte man sich auch in Veitshöchheim im Landkreis Würzburg. Denn in den 80-Einwohner zählenden Ortsteil Gadheim haben sich am 1. Februar vergangenen Jahres die Koordinaten dieses Punkts verschoben. Doch mit dem ersten Corona-Lockdown sind auch viele Marketingträume wie Seifenblasen zerplatzt.

Festakt vor einem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Den historischen Moment hatten die Gadheimer und wenige geladene Gäste mit mit verhaltener Freude gefeiert. Jürgen Götz (CSU), der Bürgermeister von Veitshöchheim und neuer Gastgeber am Mittelpunkt der Europäischen Union, hisste pünktlich um Mitternacht die EU-Flagge. Man profitierte schließlich vom Austritt der Briten. Ein Wermutstropfen.

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Bildrechte: Bernhard Metzger/BR-Mainfranken

Feierlichkeiten in Gadheim in der Nacht vom 31.01.2020 auf den 1.02.2020

Gemeinde Veitshöchheim rechnete mit zahlreichen Besuchern

Die Erwartungen waren damals hoch. Die Gemeinde Veitshöchheim rechnete mit Besucherströmen, ähnlich wie in Westerngrund im Landkreis Aschaffenburg. In dem ebenfalls eher unscheinbaren Örtchen war der Mittelpunkt der EU nämlich vor dem Brexit zu Hause. Mindestens 10.000 Gäste aus 39 Nationen hatten sich auf den Weg nach Westerngrund gemacht. Dort hatten sich sich in ein Gästebuch eingetragen, das am damaligen Mittelpunkt ausgelegt war. Davon ging man auch in Gadheim vor einem Jahr noch aus.

Corona-Pandemie durchkreuzt alle Pläne

Doch dann kam Corona – und statt des erhofften Touristenstroms tröpfelte es nur. Damit hatte auch Veitshöchheims Tourismus-Chefin Petra Reichert-Südbeck nicht gerechnet. Denn die Gemeinde erlebte in den vergangenen Jahren ständige Zuwächse an Übernachtungen. Wegen der Fastnacht in Franken kommen jedes Jahr viele Besucher nach Veitshöchheim. Tagestouristen besuchen gerne den Rokokogarten mit dem fürstbischöflichen Schloss. Diese hätten sicherlich auch den nur zwei Kilometer entfernten EU-Mittelpunkt besucht, so die Erwartung. Ein ideales Ziel für Busgesellschaften: Kurz die neue Attraktion in Gadheim bestaunen und danach Kaffee trinken in Veitshöchheim. Eine schöne Idee, doch nicht in Zeiten einer Pandemie.

Kein Überblick über tatsächliche Besucherzahl

Wie viele Menschen trotzdem nach Gadheim kamen, weiß niemand genau. Der Mittelpunkt bekäme zwar immer wieder Besuch, beteuern Tourismus-Chefin und Bürgermeister. Doch das Gästebuch, das die Gemeinde zur offiziellen Einweihung im Sommer von Ministerpräsident Söder (CSU) erhielt, liegt im Rathaus und enthält bislang nur wenige Promi-Unterschriften.

EU-Mittelpunkt für Bürgermeister "Ehre auf Zeit"

Und vielleicht bleibt das auch so: Sollten etwa die Schotten in die EU zurückkehren, ist der Mittelpunkt für Gadheim schnell wieder Geschichte. Dessen ist sich Bürgermeister Jürgen Götz bewusst. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk spricht er von einer "Ehre auf Zeit". Er hoffe allerdings sehr, dass eine neuerliche Verschiebung des geografischen Mittelpunktes nicht noch einmal durch einen Austritt verursacht werde. Veitshöchheim sei die erste Mittelpunktsgemeinde in der Geschichte der EU, die aus einem traurigen Anlass zu der Ehre kam: nämlich durch dem Weggang der Briten.

Alle Hoffnungen auf die Zeit nach der Pandemie gesetzt

Solange der EU-Mittelpunkt in Gadheim liegt, wollen die Verantwortlichen die Gunst der Stunde so gut es geht nutzen. Irgendwann werde die Pandemie zu Ende gehen. Dann bleibt hoffentlich noch genug Zeit für Gadheim und Veitshöchheim, die zentrale Lage in touristische Erfolge umzumünzen.

Einziges Problem: Die Zufahrtsstraße nach Gadheim soll ausgerechnet jetzt grundsaniert werden. Ab dem 1. März bleibt die Kreisstraße für rund neun Monate für den Verkehr gesperrt. Das erschwert es vor allem Reisegruppen mit Bussen, zum Mittelpunkt der EU zu gelangen. Höchstens zu Fuß oder mit dem Rad. Bunte Flyer sollen die Touristen dazu verlocken, den Besuch am Mittelpunkt mit etwas Bewegung zu verbinden.

ARD-Morgenmagazin will zur Fußball-EM aus Vetishöchheim senden

Ein Hoffnungsschimmer bleibt den Veitshöchheimern aber: Sollte in diesem Jahr die verschobene Fußball-Europameisterschaft stattfinden, will das ARD-Morgenmagazin im Juni und Juli 14 Tage lang vom geografischen Mittelpunkt der EU aus senden. Weil die EM-Spiele ja über ganz Europa verteilt ausgetragen würden, hätte die Lage Gadheims eine geradezu verbindende Funktion, sinniert Jürgen Götz. Der Bürgermeister und seine Tourismus-Chefin glauben fest daran, dass die eigentliche Erfolgsgeschichte des neuen EU-Mittelpunkts erst noch kommt.

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