BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Ein Jahr danach: Gedenken an Anschlag von Hanau am Untermain | BR24

© BR

Am 19.02.20 hatte der 43-jährige Deutsche Tobias R. neun Mitbürger mit ausländischen Wurzeln erschossen - direkt vor unserer Haustür. Ein Rückblick und Zeichen der Solidarität aus Aschaffenburg.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Ein Jahr danach: Gedenken an Anschlag von Hanau am Untermain

Der rassistische Anschlag von Hanau jährt sich zum ersten Mal. Am 19.02.20 hatte der 43-jährige Deutsche Tobias R. neun Mitbürger mit ausländischen Wurzeln erschossen – direkt vor unserer Haustür. Ein Rückblick und Zeichen der Solidarität.

Per Mail sharen
Von
  • Barbara Ecke
  • BR24 Redaktion

Die Tat in Hanau hat ganz Deutschland erschüttert: Ein 43-jähriger Deutscher erschießt am Abend des 19. Februar 2020 neun Menschen mit ausländischen Wurzeln an mehreren Tatorten, darunter zwei Shisha-Bars, ein Kiosk, eine Bar. Nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler fuhr er nach der Tat nach Hause, soll dann seine Mutter erschossen haben und danach sich selbst. Die Taten waren rechtsextremistisch motiviert.

Auch im Landkreis Aschaffenburg war die Erschütterung groß. Der Landkreis grenzt direkt an die hessische Stadt. Viele pendeln dorthin zur Arbeit oder gehen dort aus, sie kennen die Tatorte.

Junge Frau vom Untermain wollte am Tatabend nach Hanau

Sarah ist 21 Jahre alt und wohnt am Untermain. Vor einem Jahr ging sie in Hanau noch zur Schule, hat dort Freunde und Bekannte. Die blonde junge Frau erzählt BR24 im Gespräch, dass sie sich am Abend des Anschlags eigentlich mit Freunden in der Bar "La Votre" treffen wollte. Dort hatte Tobias R. am Tatabend das Feuer eröffnet. In der Bar hatte er einen Mitarbeiter erschossen, neben der Shisha-Bar "Midnight". Sarah erinnert sich: "Es ging dann ganz schnell und ich wurde in einer Whatsapp-Gruppe informiert, was passiert ist. Natürlich war ich geschockt." Sarah ist auch der Meinung, dass die Tat zu schnell in Vergessenheit geraten ist. Sie wünscht sich Aufklärung und Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Familien.

Aschaffenburger mit türkischen Wurzeln: "Lange ein mulmiges Gefühl"

Auch der junge Gastronom Sahin aus Aschaffenburg wollte an dem Abend eigentlich ins "La Votre". Er bekam vorher über die sozialen Medien mit, was passiert ist. Sahin hat selbst türkische Wurzeln und erzählt BR24: "Erst neun Monate nach dem Anschlag bin ich wieder nach Hanau gefahren, um einen Döner zu essen. Es war ein komisches Gefühl. Irgendwie hat man die ganze Geschichte im Hinterkopf, ohne das Gefühl richtig einordnen zu können."

Trauerbeflaggung im Landkreis Aschaffenburg

Der Landkreis Aschaffenburg hisst zum Gedenken an die Opfer die Flaggen am Landratsamt und an seinen Schulen auf Halbmast. Landrat Dr. Alexander Legler sagt BR24: "Wir sind noch immer über diese feige und grässliche Bluttat erschüttert. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien. Mit der Trauerbeflaggung setzen wir ein Zeichen des Mitgefühls und unserer Solidarität."

Zeichen der Solidarität aus mehreren Ecken

Stephan Doll von der Allianz gegen Rassismus erklärt, dass struktureller Rassismus tief in unserer Gesellschaft verwurzelt ist. "Dies muss nachhaltig und auf allen Ebene bekämpft werden", so Doll. Außerdem betont Doll: "Klar ist, dass sich der Täter – auch wenn er den rechten Terroranschlag mutmaßlich alleine verübt hat – mit der Zeit zunehmend radikalisiert hat. Drohungen, Beleidigungen bis hin zu Morden an engagierten Einzelpersonen, die zunehmende Verrohung der Sprache in allen Parlamenten durch die AfD sowie Hetze im Netz säen Hass und verschieben den politischen Diskurs zunehmend nach rechts."

Auch Josef Schuster aus Würzburg, Präsident des Zentralrats der Juden, zeigt sich solidarisch: "Als ich im vergangenen Jahr einen Tag nach dem Anschlag in Hanau war, war die Trauer in der ganzen Stadt zu spüren. Die Angehörigen der Opfer müssen seit diesem Tag mit dem schrecklichen Verlust leben. Viele Betroffene leiden noch heute unter den Spätfolgen des Anschlags."

Mahnwachen und Demos am Abend

Unter anderem in Aschaffenburg und Würzburg sind am Abend Mahnwachen und Demonstrationen geplant, um der Opfer zu gedenken. Der Täter Tobias R. hatte vor der Tat Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht. Mehrfach hatten die Angehörigen in den vergangenen zwölf Monaten Konsequenzen aus der Tat gefordert - allem voran ein entschiedeneres Eintreten gegen Rechts.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!