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Ein Jahr Cybercrime-Hotline: Positive Bilanz | BR24

© dpa-Bildfunk / Nicolas Armer

Cyberattacken treten mittlerweile immer öfter auf. Für betroffene Menschen gibt es seit einem Jahr eine Hotline.

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    Ein Jahr Cybercrime-Hotline: Positive Bilanz

    Der Schaden ist gigantisch und kann jeden treffen: Cyberkriminelle gehen immer raffinierter vor. Umso wichtiger ist es, rasch zu handeln, wenn sie zuschlagen. Seit einem Jahr gibt es daher eine Cybercrime-Hotline. Was erreicht wurde - und was nicht.

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    Als der Münchner Unternehmer Markus Schön an einem Morgen im Frühjahr 2019 seinen Computer hochfährt, bekommt er einen Riesenschreck: Statt des gewohnten Bildschirms erscheint ein Text mit der Botschaft, dass alle Dateien verschlüsselt seien. Ohne eine Lösegeldzahlung, bleibe der Computer blockiert...

    Keiner kann Markus Schön daraufhin helfen – nicht die IT-Fachleute seines Unternehmens und auch keine Cybercrime-Spezialisten.

    "Das waren die schlimmsten zehn Tage meines Lebens." Unternehmer Markus Schön

    Schlaflose Nächte und Existenzangst

    Markus Schön ist völlig fertig: Der Familienvater hat zwei kleine Kinder und gerade ein Haus gebaut. Nun hat er Angst, seine Firma zu verlieren.

    Letztlich sieht er nur einen Ausweg – er zahlt das Lösegeld an die Betrüger. Markus Schön kann zum Glück die Summe herunterhandeln, zahlt letztlich "nur" mehrere tausend Euro. Dann erhält er einen Code, mit dem er den Computer freischalten kann.

    Nach dieser Erfahrung rüstet er auf: er investiert mehr als 10.000 Euro in ein neues Sicherungssystem. Denn den Trojaner hat er sich nicht etwa von einer Schmuddelseite oder aus Unachtsamkeit heruntergeladen, sondern er gelangte durch eine Schwachstelle automatisch ins System.

    Cybercrime-Hotline

    • Hotline-Nummer für Unternehmen: 089 1212 3300
    • Hotline-Nummer für Privatpersonen. 089 1212 4400

    Hoher Schaden durch Cyberkriminelle

    Markus Schön konnten die Experten zwar nicht helfen, vielen anderen Opfern aber schon. Mehr als 14.000 Fälle wurden im Bereich der Cyberkriminalität im vergangenen Jahr in Bayern gemeldet. Der Beuteschaden, den die Internetkriminellen im letzten Jahr anrichteten, lag bei fast 12 Millionen Euro.

    Doch immerhin: Mehr als jede dritte Cybercrime-Straftat wurde aufgeklärt. Auch dank der Cybercrime Hotline. Sie ist Teil der bayerischen Initiative "Online – aber sicher!" vom Ministerium für Digitales. Mario Huber, Leiter des Dezernats Cybercrime beim Bayerischen Landeskriminalamt, zieht deshalb nach einem Jahr ein positives Fazit.

    Rasches Handeln dank sofortiger Expertise

    Eingerichtet wurde die Hotline von der Bayerischen Staatsregierung, betrieben wird sie vom Landeskriminalamt. Die Opfer haben deshalb sofort einen Experten an der Leitung, der sie zur entsprechenden Stelle weiterleitet oder direkt hilft, also etwa Tipps zur Schadenseindämmung gibt und sich um die Sicherung von Beweisen kümmert.

    Die Schnelligkeit, mit der gehandelt werden kann, ist der entscheidende Vorteil. Anrufer müssen sich nicht erst durch verschiedene Zuständigkeiten hangeln. Die Hotline hilft Privatpersonen auch bei Präventionsangeboten weiter.

    Seitenlange Verschlüsselungs-Codes

    Die Ermittler stoßen aber dann an ihre Grenzen, wenn – wie im Fall von Unternehmer Markus Schön - die Codes einfach zu kompliziert verschlüsselt sind. "Wenn man den Schlüssel ausgedruckt hätte, wären das mehrere Din A4 Seiten gewesen. Das knackt sich nicht ohne weiteres", erklärt Schön.

    Außerdem sitzen die Betrüger oft im Ausland. Da scheitern die Experten laut Huber vom Bayerischen Landeskriminalamt manchmal daran, dass die entsprechenden Staaten nicht kooperieren wollen.

    Hinzu kommt, dass die Kriminellem wahnsinnig geschickt vorgehen. Das weiß auch Katharina Grasl von der Verbraucherzentrale Bayern. So sehen etwa die Phishingmails, in denen Betrüger beispielsweise mit gefälschten Mails von Banken an die Daten ihrer Opfer gelangen wollen, mittlerweile täuschend echt aus.

    Verbraucherzentrale: Nie auf Links klicken

    Sie rät deshalb dazu, nie einfach so auf Links zu klicken und auf keinen Fall Konto-Daten oder Passwörter herauszugeben. Bei Unsicherheit lieber direkt die Webseite des Unternehmens öffnen oder dort anrufen. "Man gibt ja auch nicht im echten Leben jedem seine Email oder Kontonummer", so Grasl.

    Außerdem sollte man unbedingt regelmäßig sein Betriebssystem, Virenschutzprogramm und Firewall updaten. Auch komplizierte Passwörter, die nicht leicht gehackt werden können, sind essentiell.

    Im Rahmen der bayerischen Initiative "Online - aber sicher!“ wird deshalb unter anderem auch ein Passwort-Check angeboten. Außerdem kann man sich dort Tipps zur Prävention holen. Denn es kann jeden treffen.

    Tipps zum Schutz vor Cyberkriminellen:

    • Nur Links von vertrauenswürdigen Emails und Webseiten öffnen
    • Niemals Kennwörter verraten
    • Kennwörter sollten Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen enthalten
    • Makros nicht einfach deaktivieren
    • Regelmäßig Betriebssystem, Virenschutzprogramm und Firewall updaten
    • Keine Werbebanner anklicken
    • Programme nur aus Originalquellen oder App-Stores downloaden

    Die häufigsten Fälle von Cyberkriminalität:

    • Phishingmails: Unter Phishing versteht man alle Versuche, z.B. durch gefälschte Webseiten, Emails oder SMS an persönliche Daten zu gelangen.
    • Identitätsklau: Mithilfe ergaunerter Daten (u.a. durch Phishing) werden im Netz Einkäufe getätigt und Verträge auf Kosten der Opfer abgeschlossen.
    • Sex-Pressung: Erpresser drohen kompromittierende Videos von Opfern im Internet zu veröffentlichen. Vielfach existieren solche Videos gar nicht.
    • Anrufe angeblicher IT-Mitarbeiter: Sie warnen vor vermeintlichen Viren oder einem veralteten Betriebssystem und fordern eine Geldzahlung, Kontodetails oder Kennwörter. Häufig sollen auch Programme installiert werden, die ein Ausspähen ermöglichen.
    • Digitale Erpressung: Die Kriminelle verschlüsseln mittels Schadsoftware Dateien auf Computern und fordern ein Lösegeld zur Widerherstellung des Zugriffs.

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