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Ein Haus ohne Vermieter: Solidarisch wohnen in Augsburg | BR24

© Unser Haus e.V.

Mitglieder von "Unser Haus e.V." wohnen hier, ohne Vermieter

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    Ein Haus ohne Vermieter: Solidarisch wohnen in Augsburg

    Davon träumen wohl viele Mieter: Wohnen ohne steigende Miete. Genau das gibt es in Augsburg. Ein solidarisches Wohnprojekt sichert seinen Bewohnern dort einen gleich bleibenden Mietzins zu. Das funktioniert, weil es keinen Vermieter gibt.

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    Auf den ersten Blick sieht man dem Haus den Unterschied nicht an: Doch hinter der grauen Fassade in der Augsburger Innenstadt verbirgt sich ein Modell, das auf dem Wohnungsmarkt selten geworden ist: Als Selbstverwaltungsprojekt hat die Immobilie keinen Eigentümer, niemand verdient Geld daran.

    Wohnen mit Überzeugung

    Die Bewohner des Hauses am Katzenstadel in Augsburg, wie die 26-jährige Steffi, haben sich diese Wohnform ausgesucht, weil sie nicht mehr wohnen wollten wie bisher. Im Haus gibt es Rückzugsräume, die Organisation erfolgt auf regelmäßigen Versammlungen. Die Beschlüsse dort müssen einstimmig erfolgen, ganz im Sinne des Mottos:

    "Das Motto ist: Die Häuser denen, die drin wohnen." Peter, Bewohner Unser Haus e.V.

    Die Garantie des Projekts: Die Miete wird nicht steigen. Wie das funktioniert? Hinter dem selbständigen Hausprojekt steht eine Haus-GmbH mit einem Verein als Gesellschafter. Dort sind die Bewohner Mitglieder. Dann gibt es noch einen zweiten Gesellschafter, die bundesweit tätige "Mietshäuser Syndikat GmbH". Die beiden Gesellschafter kontrollieren sich gegenseitig, sodass eine Privatisierung der Häuser nicht möglich ist.

    Wem gehören die Wohnungen in Augsburg, München und Würzburg? Wo fließt die Miete hin und wer profitiert von den steigenden Preisen? Gemeinsam mit den Bürger*innen möchten BR und Correctiv den Immobilienmarkt transparenter machen. Helfen Sie mit!

    Gehen Sie auf unsere Webseite br.de/wemgehoert. Teilen Sie uns Adresse und Eigentümer Ihrer Wohnung mit. Laden Sie einen Beleg, zum Beispiel ein Foto Ihres Mietvertrages, hoch. Eingaben überprüfen und absenden.

    Größte Hürde: Finanzierung

    Die größte Hürde ist die Finanzierung so eines Hausprojektes. Für die Haus-GmbH ist zunächst Stammkapital nötig, ein Betrag von 25.000 Euro. Für die Immobilie braucht es aber noch mehr Geld – und das muss eingesammelt werden, bei Unterstützern oder Freuden. In einem nächsten Schritt bewirbt sich der Verein um einen Bankkredit, den die Bewohner wiederum über ihre Miete direkt abbezahlen. Ohne eine Eigentümer-Ebene dazwischen, die davon profitiert.

    "Das, was es etwas günstiger macht ist, dass der Profit komplett fehlt. Also wir haben keine Profitebene dazwischen." Peter, Bewohner Unser Haus e.V.

    Einen kleinen Cent-Betrag pro Quadratmeter zahlen die Bewohner zusätzlich in einen Solidarfonds des Dachverbandes. Mit diesem Geld werden wieder neue Hausprojekte dieser Art unterstützt. Noch wohnen die Bewohner der großen WG am Katzenstadel in Augsburg zu ähnlichen Konditionen wie viele andere Mieter in Augsburg. Doch ihre Miete wird nicht steigen.

    Bundesweite Wohnprojekte

    150 Projekte dieser Art gibt es bereits in Deutschland. Unser Haus e.V. in Augsburg bietet Platz für 14 Bewohner auf 360 Quadratmetern.

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