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Ein halbrunder Geburtstag: 65 Jahre Bundeswehr | BR24

© Birgit Schmeitzner/BR

Am 12. November 1955 schlug die Geburtsstunde der Bundeswehr. Aus den westdeutschen Streitkräften im Kalten Krieg ist mittlerweile eine Armee im Einsatz geworden. Ein Rückblick auf eine wechselvolle Geschichte.

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Ein halbrunder Geburtstag: 65 Jahre Bundeswehr

Am 12. November 1955 schlug die Geburtsstunde der Bundeswehr. Aus den westdeutschen Streitkräften im Kalten Krieg ist mittlerweile eine Armee im Einsatz geworden. Ein Rückblick auf eine wechselvolle Geschichte.

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Der Kalte Krieg ist so etwas wie der "Geburtshelfer" der Bundeswehr. Zehn Jahre nach Kriegsende und der Entmilitarisierung des Landes wollten die westlichen Alliierten wieder Streitkräfte in Deutschland. Sie sollten - eingebunden in das NATO-Militärbündnis - als Bollwerk gegen den Ostblock unter der Führung der Sowjetunion dienen. Der Auftrag: Abschreckung, Landes- und Bündnisverteidigung entlang der innerdeutschen Grenze.

Zunächst: Freiwilliger Dienst

Am 12. November 1955 bekamen die ersten 101 Freiwilligen ihre Ernennungsurkunden. Die Zeremonie in einer Kaserne aus der Kaiserzeit in Bonn war wenig glamourös. Man hatte eine Fahrzeughalle hergerichtet, die Wände mit Stoffbahnen abgehängt. Der personelle Aufbau der Bundeswehr sollte dann dauern. Die Einführung der Wehrpflicht half. An die Zielmarke von rund 500.000 Mann reichte die Bundeswehr erst Ende der 60er-Jahre heran. Damit war sie dann aber ein Eckpfeiler der westlichen Bündnisverteidigung.

Fall der Mauer: NVA wird integriert

Das Ende der DDR hieß auch für die Bundeswehr: umdenken und die Nationale Volksarmee, also den ehemaligen Feind, integrieren. Dabei gab es allerdings Grenzen, politisch Vorbelastete wurden entlassen. Außerdem war klar: Die beiden Armeen werden zusammengeführt im Wissen, dass man die Truppe halbieren muss. "Paradox," sagt Carlo Masala, Professor für internationale Politik an der Bundeswehr-Universität in München. Aber: Im Zwei-plus-Vier-Vertrag zwischen den beiden deutschen Staaten und den vier Siegermächten des Zweiten Weltkrieges "war die Obergrenze auf 350.000 Mann festgesetzt"

"Regelrecht kaputtgespart"

In den Jahren nach der Wiedervereinigung wurde die Bundeswehr dem Politikwissenschaftler Masala zufolge "regelrecht kaputtgespart". Das sei etwa bis zum Jahr 2014 gegangen, erst dann habe ein Umdenken eingesetzt. Der rigide Sparkurs habe aber nie die gesamte Bundeswehr betroffen. Ausnahmen gab es für alle Truppenteile, mit denen sich Deutschland an Auslandseinsätzen beteiligte.

Dem Druck der Verbündeten, sich einzubringen, konnte sich Berlin nicht mehr entziehen. Die Bundeswehr schickte zunächst Sanitätseinheiten ins Ausland, die innenpolitische Strategie dahinter beschreibt Masala so: "Man gewöhnt die Gesellschaft an deutsche Soldaten, die außerhalb des Bündnisgebietes tätig werden." Das funktionierte.

"Robuster" Einsatz in Afghanistan

Doch dann kam der Afghanistan-Einsatz, ein "robuster" Einsatz, wie es im Fachjargon heißt. Auch Bundeswehrsoldaten kämpften, fast 60 wurden im Lauf der Jahre getötet. Das änderte den Blick der Deutschen auf die Einsätze wieder, Masala spricht von einer überwältigenden Ablehnung in der Gesellschaft. Deshalb habe die Politik "das Pendel wieder auf die andere Seite geschoben" und das Kämpfen, also "die harte Komponente" der Auslandseinsätze wieder zurückgefahren.

Mali-Mission: Nur Beraten und Ausbilden

Der Einsatz in Mali ist das direkte Ergebnis daraus. Die Bundeswehr berät und bildet aus, um das westafrikanische Land im Anti-Terror-Kampf zu unterstützen. An der robusten Militäroperation der Franzosen allerdings will sich Deutschland nicht beteiligen. Das würde so gar nicht zu dem heutigen Bild der Bundeswehr passen, das auf Krisenprävention und -bewältigung ausgelegt ist.

Feierlichkeiten zum Bundeswehr-Geburtstag

Die Bundeswehr blickt also auf 65 wechselvolle Jahre zurück. Dieses Jubiläum hätte bundesweit im großen Stil begangen werden sollen. Doch dann kam Corona, wegen der Epidemie wurde alles abgesagt bis auf das Feierliche Gelöbnis in Berlin. Und auch das findet nicht vor dem Reichstag mit vielen Gästen statt, sondern im kleinen Format und nur mit neun Rekruten im Garten von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Frank-Walter Steinmeier wird auch eine Rede halten, ebenso Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer.

© BR

Eva Högl, Wehrbeauftragte des Bundestages, zur momentanen Lage der Bundeswehr und ihrem Stand in der Gesellschaft.

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