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Ein fränkischer Winzer mit armenischen Wurzeln | BR24

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Garnik Harunyan kam vor sieben Jahren nach Deutschland. Der gebürtige Armenier stammt aus einer Region mit 6.000 Jahren Weinbautradition und hat in Veitshöchheim seine Lehre als Winzer gemacht.

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Ein fränkischer Winzer mit armenischen Wurzeln

Er sei "Deutschlands einziger armenischer Weinproduzent", sagt Garnik Harunyan. Als der 26-Jährige nach Würzburg kam, kannte er zwar die Weintradition seiner Heimat. Ahnung von Weinbau hatte er nicht. Nun verkauft er seinen ersten eigenen Jahrgang.

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Drei Weißweine, ein Secco, ein Spätburgunder. Das ist das Portfolio des ersten eigenen Weinjahrgangs von Garnik Harunyan. Der 26-Jährige ist gebürtiger Armenier, lebt in Würzburg und arbeitet nach einer Winzerausbildung in Veitshöchheim hart an seinem Traum: ein Leben als fränkischer Weinproduzent mit armenischen Wurzeln.

Aufgewachsen an der "Wiege des Weinbaus"

Garnik Harunyan stammt aus Bergkarabach im Südosten des Kleinen Kaukasus. Die Region ist eine umstrittene Konfliktzone zwischen Armenien und Aserbaidschan und: Sie liegt an der Wiege des Weinbaus. Über 6.000 Jahre reicht die Weintradition in Armenien zurück. "Die Menschen in Armenien trinken sehr gerne Rotwein", erzählt Garnik. "Vor allem Rebsorten, die es in Deutschland nicht gibt. Ich wusste natürlich von dieser Tradition, ich habe mich dafür interessiert und Wein mochte ich auch. Aber von Weinbau hatte ich noch keine Ahnung."

Ausbildung an der LWG Veitshöchheim

Als der junge Mann vor sieben Jahren mit seiner Familie nach Deutschland kommt, erst nach Nürnberg, dann nach Würzburg, steht für ihn fest: Er will so schnell wie möglich die Sprache lernen und eine Ausbildung beginnen. Wenn möglich, als Winzer. "Mich hat der ganze Prozess interessiert, vom Weinberg in den Keller bis zur Vermarktung. Und ich wollte etwas machen, wo ich auch in der Natur bin."

An der Würzburger Kolping-Akademie lernt er Deutsch und findet einen Ausbildungsplatz an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. "Das war am Anfang wirklich schwierig, zum Beispiel in der Berufsschule, mit den ganzen Fachbegriffen", erzählt Garnik Harunyan. "Aber ich habe es geschafft. Auch die Prüfung in Weinpräsentation".

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Er ist "Deutschlands einziger armenischer Weinproduzent". Als Garnik Harunyan nach Würzburg kam, kannte er zwar die Weintradition seiner Heimat. Ahnung von Weinbau hatte er nicht. Nun verkauft er seinen ersten eigenen Jahrgang.

"Frankenwein mit armenischer Harmonie"

Im Sommer 2019 schließt Garnik Harunyan die Ausbildung mit Erfolg ab. Seitdem arbeitet er drei Tage die Woche beim Weingut Baumann im Steigerwald, den Rest seiner Zeit steckt er in seine eigenen Weine unter dem Label "Aroma Aura". An der Vollburg pachtet er knapp einen Hektar Steillage und investiert in Fässer und Tanks. "Mein Chef stellt mir einen Teil seines Weinkellers zur Verfügung, dafür bin ich ihm sehr dankbar", sagt Garnik. "Ich will mich versuchen, will ausprobieren, wie der Wein schmeckt, den ich ausbaue. Mir kommt es vor allem auf die Aromen an. Vielleicht kann man sagen: Ich produziere Frankenwein mit armenischer Harmonie."

Weinlese als Familienprojekt

Knapp 3.000 Flaschen Müller-Thurgau, Bacchus und Silvaner hat Garnik Harunyan für seinen 2020er-Jahrgang abgefüllt. Ein Spätburgunder lagert noch im Barrique-Fass und soll demnächst folgen. Bei der ersten eigenen Lese im September 2019 haben ihm Freunde und die Familie geholfen. "Das hat viel Spaß gemacht. Wir haben in einer guten Stimmung die Trauben gelesen und in der Steillage natürlich von Hand selektiert", erzählt Garnik. Nun geht es darum, den ersten eigenen Jahrgang auch zu vermarkten.

© BR/Jochen Wobser

Winzer Garnik Harunyan (rechts) und Sven Neugebauer von "Weinkost" in Höchberg

Der erste Weinhändler hat "Aroma Aura" im Regal

Einige Freunde in der Gastronomie haben in Aussicht gestellt, die "Aroma Aura"-Weine ins Sortiment zu nehmen. Außerdem wirbt Garnik Harunayn in den Sozialen Netzwerken für seine Weine, demnächst will er im Internet einen Web-Shop eröffnen. Und auch eine Verkaufsstelle im Laden hat der Jungwinzer inzwischen gefunden: Der Höchberger Weinfachhandel "Weinkost" nimmt den Bacchus und den Müller-Thurgau probeweise ins Sortiment. Die beiden Weißweine hätten ihn überzeugt, sagt Sven Neugebauer von "Weinkost": "Vor allem, weil die Wein schön trocken ausgebaut sind. Ich finde sie wirklich interessant, mit ansprechenden fruchtigen Noten. Jetzt schauen wir mal, was die Kunden dazu sagen".

Zukunftsprojekte: Bio-Wein und Blicke über den Tellerrand

Garnik Harunyan steckt voller Pläne für die Zukunft. Bei seinem nächsten Jahrgang will er sich auch an Weinen ohne Schwefelzusätze versuchen und auch einen Rosé will er ausbauen. "Es wäre schön, wenn ich noch mehr Rebfläche dazupachten könnte, das wird sich zeigen. Es wird sich weiter entwickeln. Ich möchte versuchen, immer besser zu werden." Dabei sollen ihm auch Eindrücke aus anderen Weinregionen helfen. Garnik Harunyan träumt davon, eine Zeit lang in anderen Anbaugebieten zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln.

Erstmal steht aber die Lese 2020 an. "Leider habe ich wie viele Winzer im Steigerwald starke Frostschäden dieses Jahr, vielleicht kann ich einige Trauben dazukaufen. Aber ich weiß, dass meine Freunde und Familie mich wieder bei der Lese unterstützen werden. Das ist ein gutes Gefühl. Und noch etwas: Ich möchte mich bei den Menschen in Deutschland bedanken, dass ich hier eine Ausbildung machen durfte und an meinem Traum arbeiten kann".

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