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Ein bayerischer Ingenieur macht Strom aus Wellen | BR24

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Philipp Sinn hat in Gauting bei München ein Startup gegründet. Er baut Kraftwerke, die aus Wellen Strom erzeugen. Seine Module schwimmen auf dem Wasser, müssen nicht im Meeresboden verankert werden und töten damit keine Meerestiere.

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Ein bayerischer Ingenieur macht Strom aus Wellen

Könnten Wellenkraftwerke eine ökologische Alternative zu Flusskraftwerken sein? Ein Start-up aus Gauting möchte den Strommarkt revolutionieren und baut schwimmende, modulare Kraftwerke im Meer.

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Flusskraftwerke greifen in die Ökologie von Flüssen ein. Sie verlangsamen die Fließgeschwindigkeit. Lebensräume für Tiere und Pflanzen verschwinden. So interessant die regenerative Stromerzeugung aus Wasserkraft ist – sie schadet auf der anderen Seite der Tier- und Pflanzenwelt im Fluss. Eine Alternative könnte die Erfindung des Maschinenbauingenieurs und passionierten Seglers Philipp Sinn sein. Die Idee dazu kam ihm auf dem Meer.

"So ein Segelboot wird von Wellen hin und her geschubst und dabei wiegt es beispielsweise zehn Tonnen. Da habe ich mir gedacht, irgendwie kenne ich überhaupt noch niemanden, der aus Wellen Strom macht. Wow, ich bin der Erste, der diese Idee hat. Weit gefehlt, ich war nicht der Erste, wie ich dann festgestellt habe. Aber alles, was ich gefunden habe, war irgendwie nicht zufriedenstellend." Philipp Sinn, studierte Maschinenbau an der TU München mit Schwerpunkt Erneuerbare Energien

Die bisherigen Anlagen müssen wegen ihrer Größe teils in Schiffsdocks gebaut werden. Für den Ingenieur zu unflexibel im Transport und problematisch wegen ihrer massiven Befestigung am empfindlichen Meeresboden.

Flexible Module statt massive Bauwerke

Der damals 36-Jährige entwickelte für seine Promotion ein schwimmendes, modulares Wellenkraftwerk. Die Einzelteile sind massenproduktionstauglich, leicht zu transportieren und vor Ort zu montieren. Von außen sieht das Modell simpel aus. Ein Schwimmkörper auf dem Wasser, verbunden mit einer Hubstange.

"Wenn Wellen kommen, dann geht der Schwimmkörper mit der Hubstange rauf und runter und fährt durch dieses Mittelteil. In diesem Mittelteil sind Rollen und an jeder Rolle ist ein Generator. Das heißt, wenn die Stange rauf geht, drehen sich die Stangen, und wenn sie runter geht, anders herum. Dadurch wird Strom produziert." Philipp Sinn, Gründer "SINN Power"

Philipp Sinn lässt seine Entwicklung patentieren und gründet 2014 sein Start-up. Von nun an wird im Team vor allem an der Leistungselektronik getüftelt. Wer hier innovativ ist, kann sich von anderen Kraftwerkstypen abheben und am Markt behaupten.

Das schwimmende, nur über einen Anker im Grund befestigte Wellenkraftwerk soll als ein Netz aus hunderten Modulen funktionieren:

"Jeder hat seinen eigenen kleinen Computer drin, der überwacht die Bewegung der Module. Das wäre vor zehn Jahren noch nicht möglich gewesen, genauso wenig wäre es vor zehn Jahren möglich gewesen, das dann in Realtime anzuschauen." Philipp Sinn, Gründer "SINN Power"

Die ersten Prototypen laufen

In Echtzeit schaut das Team heute ins griechische Heraklion. Per Videochat sind die Mitarbeiter in Gauting mit den vier Kollegen in Griechenland verbunden. An der Hafenmauer von Heraklion hängen seit 2015 zwei ihrer Prototypen. Sie testen hier die Leistungsfähigkeit der Generatoren. Aber auch, ob die Bauweise der Module Stürme unbeschadet übersteht. Für das Forschungsprojekt hat das Start-up eine Förderung der Bundesrepublik über eine Million Euro erhalten.

Die Kraftwerks-Module von SINN Power könnten einmal als große Netzwerke auf dem Meer Strom erzeugen oder auch als Einzelmodule Dieselgeneratoren auf Bohrinseln ersetzen. Anfragen aus den Niederlanden und aus Indien hat Philipp Sinn bereits.

Strom erzeugen, ohne der Umwelt zu schaden

Der Ingenieur möchte Umweltschutz und Energieerzeugung in Einklang bringen. Seine Module funktionieren elektromechanisch, also ohne Hydraulik und damit ohne Schmierstoffe, die bei einer Havarie ins Wasser gelangen könnten und es verschmutzen würden.

"Unser Kraftwerk ist schwimmend und damit ist der Impact sehr klein. Wir decken auch nicht die Oberfläche flächig zu, sondern wir haben zwischen jedem Schwimmkörper zehn, zwölf Meter Abstand. So dass im Prinzip auch ein Wal darunter durchschwimmen könnte." Philipp Sinn, Gründer "SINN Power"

Die Energiepotentiale der Meere nutzen – ohne dabei ihre Ökosysteme zu zerstören. Es ist möglich, sagt Philipp Sinn.

"Es ist immer leichter zu sagen, es geht nicht, weil man hat es ja noch nicht bewiesen, dass es geht. Man muss da fest dran glauben." Philipp Sinn, Gründer "SINN Power"

Und Unterstützer finden. Vor kurzem ist ein Gesellschafter mit 4,1 Millionen Euro eingestiegen. Die Forschung ist so bis 2022 gesichert. Dann soll das Wellenkraftwerk aus Bayern marktreif sein.