Boxhandschuhe
Bildrechte: BR/ Barbara Weiß

Der Verein für Fraueninteressen lädt geflüchtete Frauen jeden Dienstag zum Sport und Boxtraining ein.

    Ein Abend "Freiheit": Geflüchtete Frauen boxen in München

    Der Verein für Fraueninteressen lädt geflüchtete Frauen jeden Dienstag ins Kulturzentrum Bellevue di Monaco in München zum Sport und Boxtraining ein. Ein Leuchtturmprojekt, das hilft, dass die Frauen ihren Platz in der neuen Gesellschaft finden.

    Sich beim Boxen begegnen, das ist das Ziel des Kulturzentrums Bellevue di Monaco, der Einrichtung für Geflüchtete in München in der Nähe des Gärtnerplatzes. Jeden Dienstag ist hier Programm nur für Frauen. Beim gemeinsamen Sport und Boxen haben sie die Möglichkeit, andere geflüchtete Frauen zu treffen.

    Frauen in ihrem Selbstbewusstsein unterstützten.

    Boxen ist gar nicht so einfach: "Einmal die Schlaghand und einmal die Führhand. Eins, eins, zwei. Vor, zurück. Eins, zwei..." Die Trainerin macht es immer wieder vor. Die Fäuste zu koordinieren und gleichzeitig die Füße in die richtige Stellung zu bringen, ist harte Arbeit. Wer stabil steht, kann zuschlagen - aber nur auf einen Sandsack. Die dicken Boxhandschuhe über den Händen, die Bewegungen, alles ist ungewohnt für Frauen, erst recht, wenn sie aus dem Iran, Afghanistan und Somalia stammen.

    Die ehrenamtlichen Helferinnen boxen mit. "Das stärkt und unterstützt die Frauen in ihrem Selbstbewusstsein. Viele Frauen haben nie Sport gemacht, durften das auch nicht, und es hilft nicht nur sportlich, sondern auch psychisch", sagt die Trainerin. Die Frauen und Mädchen können dienstags im Bellevue di Monaco spontan, ohne Anmeldung, vorbeikommen. Und anders als im Sportverein kostet das Training hier nichts. Die geflüchteten Frauen freuen sich, hier neue Freundinnen kennenzulernen, Deutsch sprechen zu üben und Kontakte zu knüpfen.

    Durch persönliche Begegnungen Vorurteile überwinden

    Nach dem Boxtraining gehen die Frauen noch gemeinsam ins Café Juno, ebenfalls im Zentrum Bellevue di Monaco. Auch das ist jeden Dienstag nur für Frauen geöffnet. Es soll ein geschützter Raum bleiben. Entsprechend gut besucht ist das Café. Jede Woche kocht eine andere für alle. Für viele Frauen ist es der einzige Abend, an dem sie mal rauskommen aus der Familie und der Unterkunft. "Jede Woche habe ich die Freiheit - keine Männer und keine Angst", sagt eine Teilnehmerin. "Uns verbindet allerhand, egal, wo wir herkommen. Gerade uns Frauen. Natürlich haben wir unterschiedliche Erfahrungen und Werte, das macht es ja gerade so spannend, sich kennenzulernen", sagt eine andere.

    Das Projekt zeigt: Durch persönliche Begegnungen lassen sich Vorurteile überwinden. In der gemeinsamen Sportstunde und beim Tanzen lernen sich die Frauen kennen und schätzen. Auch die Organisatorinnen und Helferinnen profitieren. Das Café Juno und das Boxtraining, das vom Verein für Fraueninteressen getragen wird, will die geflüchteten Frauen stärken und fördern, damit sie schnell ihren Platz in der neuen Gesellschaft finden.

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