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Eigener Gebetsraum für unabhängige Muslime in München | BR24

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Eigener Gebetsraum für unabhängige Muslime in München

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Eigener Gebetsraum für unabhängige Muslime in München

Wer bisher in München keinem Islam-Verband angehörte, konnte zuletzt in den Kammerspielen oder in Kirchen beten. Jetzt gibt es einen eigenen Gebetsraum für Muslime. Das Besondere: Männer und Frauen beten zusammen.

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Vor kurzem war es noch eine Kinder-Arzt-Praxis in München-Sendling – heute ist es ein muslimischer Gebetsraum. Imam Ahmad Popal hält das Mittagsgebet: "Es ist eine Riesenfreude, dass wir die Möglichkeit haben, das Gebet zu verrichten, die Möglichkeit, uns in Demut unserem Schöpfer hinzugeben, die Möglichkeit, unseren Glauben zu leben. Einen Ort der Stille zu haben, in der Innenstadt, das gibt uns viel Kraft für unseren weiteren Alltag", sagt er.

Gebetsraum in einem großen Miethaus

Der Gebetsraum als solcher ist von der Straße aus kaum zu erkennen: 300 Quadratmeter im Hinterhof eines großen Mietshauses. Oberlichter sorgen für Tageslicht, der Eingangsbereich ist in hellem Grün gestrichen, Küche und Gebetsraum in Weiß. Für Ahmad Popal geht nun ein Traum in Erfüllung: Ein fester Platz für ihn und die vielen Münchner Muslime, die für einen unabhängigen und offenen Islam stehen: "Die Kommunikation läuft auf deutsch, wie wir sprechen, denken wir natürlich, also denken wir auch sehr deutsch."

Der 29-Jährige Gemeindevorsteher versteht sich selbst als Brückenbauer zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen: In München geboren - hat er sich später in Südafrika, Ägypten und der Türkei zum Islamischen Theologen ausbilden lassen. Neben seiner Tätigkeit als Imam studiert er noch BWL und jobbt in einer Drogerie.

Muslime beteten in den Kammerspielen und in Kirchen

Als im Sommer 2015 viele Flüchtlinge muslimischen Glaubens nach München strömten, waren plötzlich auch viele Moscheen im Stadtgebiet überfüllt und mussten aus Brandschutzgründen schließen. Daraufhin haben viele Kultureinrichtungen und Kirchen ihre Räume zum Gebet angeboten. Auch der Münchner SPD-Stadtrat Marian Offmann hat die Muslime unterstützt. Er ist selbst gläubiger Jude und hält es deshalb für "unerträglich", wenn Menschen, die beten wollen, keinen Gebetsraum haben. "Das Wichtigste in unserer Willkommenskultur in München ist, dass sie willkommen sind, willkommen in ihrem Glauben, und dass sie einen Raum haben, wo sie ihren Glauben praktizieren können", so Offmann.

Die Gebetsnomaden haben jetzt einen eigenen Verein

Aufgrund der vielen wechselnden Gebetsstätten haben Ahmad Popal und seine Freunde den Beinamen "Gebets-Nomaden" bekommen. Münnever Canseven war von Anfang an dabei und freut sich über die Unterstützung aus verschiedensten Ecken. "Wo wir gesagt haben: Wow, von da hätten wir das jetzt nicht gedacht. Aber es ist wirklich gekommen, und das war dann schon sehr herzöffnend und bindend."

"Junger, unabhängiger, deutschsprachiger Verein"

Die ehemaligen "Gebetsnomaden" haben nun einen Verein gegründet, den Civitas e.V., sie verstehen sich als "Junger, unabhängiger, deutschsprachiger Verein mitten im Herzen Münchens". Sie setzen auf Dialog, auch innerhalb des Islams. Frauen beten gemeinsam mit Männern in einem Raum. Auch konservative Muslime sollen Gehör finden - solange sie nicht gesetzeswidrig reden oder handeln. "Und somit – und das ist der Anspruch den wir auch haben - holen wir auch konservative Muslime ab", sagt Gemeindevorsteher Popal. "Leute, die normalerweise sich abgeholt fühlen von den sogenannten Salafisten, versuchen wir durch starke Theologie, gute Argumente und das Hier und Jetzt für uns zu gewinnen."

7.000 Euro Miete für 300 Quadratmeter

Platz für ihre Visionen haben die unabhängigen Muslime – jetzt kommt die nächste Herausforderung: Jeden Monat 7.000 Euro für die Miete aufbringen.