Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Eichhörnchen: Rotten die schwarzen die roten aus? | BR24

© picture-alliance

Das rote europäische Eichhörnchen

Per Mail sharen
  • Artikel mit Bildergalerie

Eichhörnchen: Rotten die schwarzen die roten aus?

Aufruhr im Mischwald. Verdrängen zugewanderte Eichhörnchen ihre heimischen roten Artgenossen? Gibt es gar einen "Krieg der Eichhörnchen"? Von Gudrun Riedl

Per Mail sharen

Wo immer BR24 über Eichhörnchen berichtet, schreiben uns Zuschauer: Zugewanderte schwarze Eichhörnchen machen unseren heimischen roten langsam aber sicher den Garaus. Sie sind einfach fitter und kräftiger.

"Ihr wisst schon, dass die schwarzen Eichhörnchen unsere heimischen roten verdrängen?" Alexander Frank auf Facebook.

Soll man dann zum Beispiel einem schwarzen Eichhörnchen aus der Klemme helfen, wenn es in einem Gully feststeckt? BR24 Facebook-Freund Alexander rät mit seiner Frage ab. Ines Schade gibt besorgt zurück: "Was willst Du machen. Im Gully stecken lassen?"

Die Legende vom fremden, aggressiven Eichhörnchen

Dabei konnte es sich bei dem Tier, das im Gully steckte, gar nicht um einen Einwanderer handeln. Aus Amerika stammende Grauhörnchen sind nie in Deutschland angekommen. Ob, grau, schwarz oder rot - alle hier lebenden Eichhörnchen sind Einheimische: Sie sind von Natur aus eine bunte Truppe und einige rote legen sich im Winter sogar ein dunkles Wechsel-Fell zu.

"Wahr ist: In England gab es ein Problem mit eingewanderten Grauhörnchen. Zum einen, weil diese eine höhere Lebenserwartung haben und zum anderen weil sie einen Virus mitgebracht haben, der die einheimischen Eichhörnchen gefährdet." Ruth Petscharnig, Redaktion Ökologie

Tatsache ist: In Norditalien, an der Grenze zur Schweiz, wurden einige Grauhörnchen entdeckt. Sie leben aber friedlich mit den einheimischen Artgenossen zusammen, ohne dass es zu einer Kreuzung mit der ursprünglich nordamerikanischen Nagetier-Art kommt. Erkennen kann man die US-Variante übrigens an den Ohren: Im Gegensatz zum europäischen Hörnchen hat es keine Pinsel.

Ist die Gefahr für das rote Eichhörnchen gebannt?

Mitnichten. Das ist wohl typisch an Fake-News: Wer daran glauben will, schnappt immer neue Varianten der Geschichte auf. Das Problem, so hört man beispielsweise, liege gar nicht in der Ökologie, es sei vielmehr genetischer Natur: Bei einheimischen Eichhörnchen, so die Behauptung, vererbt sich das rote Fell rezessiv. Wann immer sich ein heimisches rotes und ein heimisches schwarzes Eichhörnchen zusammen täten, bekämen sie braune, schwarzbraune oder schwarze Nachkommen. Die Tage der roten seien somit gezählt.

Frag Mendel - Das rote Eichhörnchen kann gar nicht aussterben

Rot ist rezessiv. Das bestätigt auch der Genetiker - und gibt trotzdem Entwarnung.

"Europäische Eichhörnchen (Sciurus vulgaris mit vielen Unterarten) variieren von hellrot bis braunschwarz. Eine Gefährdung durch rezessive Vererbung ist nicht gegeben, da es ja auch bei rezessiven Genen immer wieder reinerbige Nachkommen gibt (Mendel´sche Vererbungsgesetze)." Prof. Dr. Gerhard Haszprunar vom Lehrstuhl für systematische Zoologie an der LMU München

Der Faktencheck Eichhörnchen zeigt, wie hartnäckig sich Geschichten halten, obwohl sie längst widerlegt sind. Aber die Legende vom fremden, kriegerischen Eichhörnchen war aber immer schon: Fakenews, eine xenophobe Fabel.