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Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner | BR24

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Die giftigen Haare des Eichenprozessionsspinners können dem Menschen gefährlich werden. In diesen Tagen schlüpft der Nachtfalter. Auch im niederbayerischen Kelheim versucht man, der Plage Herr zu werden.

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Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

Die giftigen Haare des Eichenprozessionsspinners können dem Menschen gefährlich werden. In diesen Tagen schlüpft der Nachtfalter. Auch im niederbayerischen Kelheim versucht man, der Plage Herr zu werden.

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Von
  • Iris Tsakiridis
  • BR24 Redaktion

Der Eichenprozessionsspinner kann dem Menschen gefährlich werden. Einst war er hierzulande ein seltener Schmetterling, doch dann hat er sich in Franken immer stärker vermehrt, jetzt breitet er sich in ganz Bayern aus. In diesen Tagen schlüpft der Nachtfalter.

Waldfriedhof Kelheim ist betroffen

Betroffen ist unter anderem der städtische Waldfriedhof Kelheim. Eine weitläufige Anlage, in der ein gepflegter Baumbestand im Sommer viel Schatten spendet. Doch der Friedhof ist eine Gefahrenzone. Hinweisschilder warnen vor dem Eichenprozessionsspinner. Er macht sich hier seit 2017 breit. Gelbe Bänder markieren die befallenen Bäume.

Der Mitarbeiter des Bauhofs, Manfred Westermeier, träumt wie er sagt schon von ihm. Er ist fast die Hälfte seiner Arbeitszeit damit beschäftigt, die Nester des Eichenprozessionsspinners zu entfernen. Westermeier schaut durch sein Fernglas und entdeckt ein Nest in etwa 10 Meter Höhe. Eine gefährlichen Stelle, sagt er. Das Nest könnte jederzeit runterfallen. Und könnte Menschen treffen und das hätte bittere Folgen.

Brennhärchen lösen allergische Reaktionen aus

Jede Raupe hat ungefähr 500.000 bis 600.000 Brennhärchen mit Widerhaken, die sich in der Haut, in Schleimhäuten oder in den Augen verhaken. Sie können auch allergische Reaktionen hervorrufen.

Die winzigen Härchen der Raupe des Eichenprozessionsspinners sind nur 0,2 Millimeter lang und kaum sichtbar. Doch sie enthalten das Nesselgift Thaumetopoein und können juckenden Hautausschlag verursachen. Man sollte sich den Nestern auf keinen Fall einfach so nähern.

Manfred Westermeier zieht Schutzanzug, Maske, Brille und Handschuhe an. Auf die Frage, ob er selbst schon einmal Probleme hatte, sagt er: "Mehrmals, auch beim Suchen kriegt man immer wieder etwas ab. Und hat einfach Hautreizungen."

Viel schlimmer ist es, wenn die Härchen ins Auge geraten. Dann müssen sie manchmal sogar herausoperiert werden. Besonders tückisch: auch der Wind kann die Brennhärchen aus den Nestern lösen und verteilen.

Gegen den Juckreiz kann oft nur der Arzt helfen

Mit diesen Brennhärchen hatte Jochen Kemna auch Hautkontakt. Dem Kelheimer ist vor drei Jahren eine Raupe unters T-Shirt gekrochen, nach einem Waldspaziergang. Die Folge: Ein juckender Hautausschlag. Gut, dass der Ingenieur schnell noch ein Foto von dem haarigen Tierchen gemacht hat, so konnte der Arzt schnell eine Diagnose stellen. Der Arzt habe ihm eine Kortisonsalbe gegeben, und mit Kortison ging es ihm dann auch relativ schnell wieder besser. Trotzdem warnt er: "Also Leute, wenn ihr so ein Viech seht, seid vorsichtig, da sollte man wirklich nicht damit spaßen."

Nester bleiben bis zu zehn Jahre gefährlich

Der Arzt meldete diesen ersten offiziellen Fall gleich an das Gesundheitsamt, die Stadt war alarmiert. Seitdem haben sich die Eichenprozessionsspinner massenhaft vermehrt. Der Nachtfalter schlüpft im August, doch die Nester mit den Härchen bleiben bis zu zehn Jahren gefährlich.

Deshalb steigt Manfred Westermeier - gut eingepackt - mit einem Hubsteiger in die Höhe. Die Nester sehen aus wie ein großes Knäuel aus feinen Spinnweben, die von der Ferne aus betrachtet, eher unscheinbar an der Rinde kleben. Manfred Westermeier sprüht Zuckerwasser auf das Nest. Mit dem Zuckerwasser werden die Brennhärchen am Nest, am Gespinst fixiert. Damit kein Abflug entsteht und die ganze Umgebung kontaminiert wird.

Vorsichtig schabt er das Nest in einen Eimer ab, sprüht lieber nochmal Zuckerwasser nach. Zum Schluss flammt er das Baumstück ab. Nach 20 Minuten ist alles vorbei.

Auf die Frage, wie es ihm geht, sagt er: "Noch gut, momentan ist es noch nicht so warm. Bei höheren Temperaturen wird es anstrengend. Im Anzug und unter der Maske."

Bekämpfen mit Biozid aus der Luft

Nest und Schutzanzug kommen zur nächsten Müllverbrennung nach Ingolstadt. Die Stadt Kelheim denkt darüber nach, im kommenden Jahr den Eichenprozessionsspinner aus der Luft zu bekämpfen. Hubschrauber versprühen dann Substanzen, etwa Biozide. Sie sind wirksam, wenn sich der Schmetterling noch in einem frühen Larvenstadium befindet.

Andreas Rothermel von der Abteilung Brand- und Katastrophenschutz der Stadt Kelheim sagt dazu: "Chemie wird ausgeschlossen. Bei uns im Naturschutzgebiet kann man nichts mit Chemie machen. Wir werden nächstes Jahr ein Biozid versuchen einzusetzen. Das ist im Endeffekt ein Bakterium, das die Raupe angreift."

Doch ganz wird man den Schädling nicht losbekommen. Manfred Westermeier bleibt realistisch. Besiegen könne man den Eichenprozessionsspinner nicht. Er werde immer wieder kommen. Denn: der Falter legt bis zu sieben Kilometer zurück. Wörtlich sagt Westermeier: "Wir können in Kelheim behandeln. Nur, dass ringsrum in den Wäldern immer noch welche da sind und wieder herfliegen können und Eier ablegen können."

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