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Immer weniger Helfer in Bayern binden sich an Ehrenamt | BR24

© picture alliance / Benjamin Beytekin

Ehrenamtliche werden überall in Bayern dringend gesucht. Auch beim Rettungsdienst fehlen Leute.

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Immer weniger Helfer in Bayern binden sich an Ehrenamt

Ohne Ehrenamtliche geht in Bayern nichts. Das Problem: Immer weniger Menschen sind bereit, sich langfristig an ein Ehrenamt zu binden. Viele Positionen bleiben deshalb unbesetzt. Das Bayerische Roten Kreuz setzt jetzt auf eine neue Servicestelle.

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Ehrenamtliche stellen die Basis für die Arbeit aller großen Hilfsorganisationen in Bayern. Doch immer weniger Menschen sind bereit, langfristig ein Ehrenamt zu übernehmen. Deshalb bleiben im Freistaat viele wichtige Positionen im Katastrophenschutz und bei den Rettungsdiensten unbesetzt.

Bergwacht in Rottach-Egern braucht Ehrenamtliche

Schlecht sieht es zum Beispiel bei der Bergwacht in Rottach-Egern aus. Hier fehlt momentan ein offizieller Bereitschaftsleiter. Rupert Gleißl hat die Aufgabe kommissarisch übernommen, aber als Familienvater und Luftfahrtingenieur wird er dieses zeitintensive Ehrenamt nicht über längere Zeit stemmen können.

Über Monate war der Posten vakant. Gleißl hat sich überreden lassen, vorübergehend einzuspringen - auch wenn das mit seinen beruflichen und privaten Verpflichtungen sehr schwierig ist. Dieser Umstand fällt in eine Zeit, in der die Bergwacht ständig zu Rettungen von Verunglückten ausrücken muss: Im vergangenen Jahr waren es 220 Einsätze und damit rund vier pro Woche.

Grund dafür ist das sich ändernde Freizeitverhalten der Menschen. "Jetzt kommen die Leute nicht mehr nur am Wochenende, sondern auch während der Woche zum Wandern oder Gleitschirmfliegen in die Berge", erklärt Gleißl. "Und wo viele Leute sind, da passiert auch mehr."

Ehrenamtliche als Basis des Systems

Bei den meisten Hilfsorganisationen bilden die Freiwilligen die Basis des Systems. Aber es werden weniger. Der berufliche und private Druck sei über Jahre stetig stärker geworden, erklären Menschen, die noch ein Ehrenamt innehaben. Es schrecke viele inzwischen ab, sich über Jahre zu verpflichten, weil man sich für den Zeitaufwand, den das Ehrenamt fordert, immer mehr rechtfertigen müsse.

In der Politik ist man sich der Bedeutung des Ehrenamtes bewusst. Die schwarz-orange Staatsregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag das Ziel ausgegeben, die Ehrenamtskultur weiter zu stärken. Die Ehrenamtskarte soll etwa weiter ausgebaut werden, "als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für die engagierten Ehrenamtlichen in Bayern".

Zugleich kritisiert manch Ehrenamtler aber auch die Politik. Die Zunahme von Regeln und Vorschriften mache die ehrenamtliche Arbeit oftmals komplizierter. Auch das schrecke ab. Für die meisten spiele aber wohl der Faktor Zeit die größte Rolle.

© picture alliance / dpa Themendienst / Benjamin Nolte

In der Not zur Stelle: Mitglieder der Bergwacht helfen Verletzten am Berg - so wie hier einer Skifahrerin

Deutlicher Rückgang bei THW

Beim Technischen Hilfswerk sei beispielsweise seit 2008 die Zahl der Ehrenamtlichen in Bayern von 15.900 auf 14.400 gesunken, erklärt Tilman Gold vom THW-Landesverband: "Wir haben immer größere Probleme, wichtige Schlüsselfunktionen zu besetzen. Bei den stellvertretenden Dienststellenleitern zum Beispiel, die alle ehrenamtlich arbeiten. Hier sind derzeit bei 23 von 111 Ortsgruppen die Positionen unbesetzt."

Auch die Feuerwehren in Bayern suchen dringend Ehrenamtliche

Auch die Freiwilligen Feuerwehren in Bayern mussten in den vergangenen zehn Jahren einen Rückgang von rund 7.000 Aktiven verkraften. Das Bayerische Roten Kreuz (BRK) bestätigt diesen Trend ebenfalls.

Besonders problematisch ist aber vor allem, dass sich immer weniger Ehrenamtliche über mehrere Jahre binden wollen. Ein langfristiges Engagement ist wichtig, weil gerade bei den Rettungsorganisationen wie der Bergwacht bis zu zweieinhalb Jahre Ausbildung notwendig sind, bevor Ehrenamtliche eingesetzt werden können.

Neue Servicestelle Ehrenamt beim BRK

Das BRK jedenfalls reagiert jetzt auf diese Entwicklung. Bis 2020 will Präsident Theo Zellner in jedem Kreisverband eine sogenannte Servicestelle Ehrenamt einrichten: "Hier sollen hauptamtliche Mitarbeiter als Ansprechpartner für Interessierte da sein, die sich über ehrenamtliche Tätigkeiten informieren möchten."

Bei der Bergwacht in Rottach-Egern wollen sie die Ehrenamtlichen entlasten. Eventuell indem eine Aufgabe auf mehrere Ehrenamtliche verteilt wird. Dann findet sich vielleicht auch wieder ein neuer Bereitschaftsleiter. Und der Familienvater und Luftfahrtingenieur Rupert Gleißl könnte den Posten guten Gewissens übergeben.