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Die Corona-Pandemie ist auch für das Ehrenamt in Niederbayern und der Oberpfalz eine schwere Belastungsprobe.

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Ehrenamt leidet stark unter der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie ist auch für das Ehrenamt in Niederbayern und der Oberpfalz eine schwere Belastungsprobe. Sportvereine, Hilfsorganisationen, soziale Einrichtungen oder Kulturvereine schlagen Alarm. Sie befürchten einen Mitgliederschwund.

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Von
  • Konstantin König
  • Meike Föckersperger

Am 5. Dezember wird jedes Jahr der Internationale Tag des Ehrenamtes gefeiert. In diesem Jahr ist aber vieles anders - und das liegt an der Corona-Pandemie. Abstandsregeln und Ausgangsbeschränkungen machen viel unmöglich.

Viele Hilfsangebote funktionieren nicht mehr

Bei der Caritas helfen im täglichen Geschäft in vielen Bereichen Ehrenamtliche mit: Die Tafel, Besuchsdienste, Nachbarschaftshilfe, Hospizarbeit oder Asylhelferkreise sind nur ein Teil davon. Oft sind es selbst ältere Menschen, die mit anpacken. Zum Beispiel Rentner, die Zeit übrig haben, fit sind und helfen wollen. Doch in der Corona-Pandemie gelten sie als Risikogruppe. Das merkt auch der Caritasverband Passau, erklärt der Vorstand, Diakon Konrad Niederländer:

"Generell sind wir von der Caritas stark von der Pandemie betroffen und eingeschränkt, weil vieles nicht mehr möglich ist. Weil viele Menschen selbst Risikogruppen angehören. Da funktionieren viele Angebote nicht mehr, die vorher normal waren." Diakon Konrad Niederländer, Vorstand Caritasverband Passau

Und da die Belastungsprobe der Corona-Pandemie jetzt schon so lange andauert, und ein Ende nicht in Sicht ist, befürchtet Diakon Niederländer, dass das Ehrenamt Schaden nimmt, weil die Menschen aus der Routine herausfallen und nicht mehr eingebunden werden:

"Die Sorge habe ich schon, dass sich viele das Ehrenamt jetzt abgewöhnen und sagen 'Ich hab's lange genug gemacht, jetzt höre ich auf!'" Diakon Konrad Niederländer, Vorstand Caritasverband Passau

Feuerwehr unter Druck

Ähnliche Sorgen hat auch Josef Ascher, der Kreisbrandrat des Landkreises Passau. Aktuell kann wegen der Corona-Krise nur in Kleingruppen trainiert werden. Bei Einsätzen fahren von Haus aus weniger Feuerwehrleute mit, damit die Abstände gewahrt werden können. Das bedeutet dann eine höhere Arbeitsbelastung für die Feuerwehrmänner und Feuerwehrfrauen, die am Einsatzort sind.

Austausch unter Kameraden fehlt

Fast noch schlimmer ist für Josef Ascher aber die Tatsache, dass das kameradschaftliche Beisammensein wegfällt. Gerade nach belastenden Einsätzen mit Schwerverletzten oder Todesopfern verarbeiten die Feuerwehrleute das Erlebte in der Gemeinschaft. Im Gespräch mit den Kameraden wird viel aufgearbeitet - das geht jetzt nicht mehr.

Um die Abstandsregeln zu wahren, gibt es höchstens noch eine kurze Schlussbesprechung im Feuerwehrhaus. Der intensive Austausch bei einem Bier oder einer Limo ist unmöglich.

Freie Zeit wird anderweitig genutzt

Kreisbrandrat Ascher fürchtet jetzt, dass einige Mitglieder der Feuerwehren in dieser Zeit merken, dass ein Leben ohne Ehrenamt angenehm ist. Keine Übungen am Abend, kein Piepser, der einen mitten in der Nacht aus dem Schlaf reißt, keine belastenden Einsätze. Ein "schleichender" Austritt aus dem aktiven Feuerwehrdienst könnte manchen so schmackhaft gemacht werden.

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Die Verantwortlichen der Regensburger Turnerschaft in einer leeren Turnhalle

Kein Sport

Die Regensburger Turnerschaft zählt derzeit rund 2.000 Mitglieder. Der 1861 gegründete Verein darf im Teil-Lockdown ebenfalls keine Trainingsstunden stattfinden lassen. Die meisten Trainer und Mitarbeiter sind ehrenamtlich engagiert. Aufgrund der Größe des Vereins hat es die Regensburger Turnerschaft leichter als kleine Vereine. Sie haben Glück und müssen keine Miete für ihre Einrichtungen zahlen. Dennoch schmerzt die "sportfreie-Zeit" - nur Schulsportstunden sind erlaubt.

Kulturelles Leben liegt brach

Ein anderer Bereich, in dem vielen Ehrenamtliche tätig sind und der aktuell fast komplett brach liegt, ist die Kultur. Ein Beispiel sind Musikkapellen oder Orchester. Aktuell gibt es keine Auftritte und damit keine Einnahmen. Auch das gemeinsame Proben ist verboten, die Musiker können nur alleine und für sich proben. Hans Killingseder ist Kreis- und Stadtkapellmeister von Bad Griesbach. Mit der Stadtkapelle ist er 2019 erst bayerischer Meister geworden. Damit hätte man sich für die Deutsche Meisterschaft in Bonn qualifiziert - doch die fällt wegen Corona aus.

Die Corona-Pause lässt jetzt Strukturen bröckeln, die seit Jahrzehnten aufgebaut wurden. Einige Musiker haben sich schon bei Hans Killingseder gemeldet und angemerkt, dass sie austreten wollen. Aktuell hat der Kapellmeister keine Ahnung, ob er nach der Corona-Pandemie nochmal eine Kapelle aufstellen kann.

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Was wären wir ohne das Engagement der vielen Ehrenamtlicher. Aber: Einige haben Angst, dass das gerade bröckeln könnte, denn das Vereinsleben ruht. Eine Werbeaktion will dem entgegenwirken ...

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