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"Integration kann nur erfolgreich werden, wenn der Wille des Geflüchteten da ist", sagt Shaalan Al Shammari. Ihm hilft dabei die ehrenamtliche Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Ansbach. Dabei zählt auch das Gemeinschaftsgefühl in der Truppe.

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Ehrenämter als Wege zur Integration

"Integration kann nur erfolgreich werden, wenn der Wille des Geflüchteten da ist", sagt Shaalan Al Shammari. Ihm hilft dabei die ehrenamtliche Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr Ansbach. Dabei zählt auch das Gemeinschaftsgefühl in der Truppe.

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Von
  • Franz Engeser

"Ich bin der festen Überzeugung, dass soziales Engagement den Weg für eine erfolgreiche Integration ermöglichen kann", sagt Shaalan Al Shammari. Der 28-jährige Iraker durchläuft gerade die Grundausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr in Ansbach. Zudem kümmert er sich in einem Kinderheim in Ansbach um zwei unbegleitete Minderjährige, hilft ihnen bei Deutsch und Mathe und versucht, ihnen das Leben in Deutschland näher zu bringen. Bei der Feuerwehr gefällt ihm vor allem das Gemeinschaftsgefühl.

Gemeinschaftsgefühl und Sport als Mittel zur Integration

Auch eine Umfrage im Auftrag des Bayerischen Innenministeriums, die auf einer Podiumsdiskussion in Nürnberg vorgestellt worden ist, kommt zu dem Schluss, dass gerade die Feuerwehren "in besonderem Maße durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl geprägt" sind – ein klarer Vorteil für eine erfolgreiche Integration. "Wir sehen, dass gerade das Mitmachen im ehrenamtlichen Bereich den Integrationsprozess unheimlich verbessert", sagt Bayerns Innenminister, Joachim Herrmann (CSU), dem Bayerischen Rundfunk. Wer sich engagiere werde auch von den Einheimischen akzeptiert. In Sportvereinen wird das Gemeinschaftsgefühl zwar etwas kleiner eingeschätzt. Dafür ist dort Integration geradezu selbstverständlich. Der Sport ist das verbindende Element.

Integrationslotsen als Ansprechpartner

Der Freistaat Bayern versucht, das ehrenamtliche Engagement von Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen. Ein Baustein dabei ist die Arbeit der hauptamtlichen Integrationslotsen, die mit rund 6,5 Millionen Euro gefördert wird. Sie sollen Migranten und Ehrenamtler zusammenbringen und sind Ansprechpartner für beide.

System "Ehrenamt" ist unbekannt

Zwei Probleme aber bleiben: Zum einen kennen viele Ausländer das System "Ehrenamt", wie es in Deutschland gelebt wird, nicht aus ihrer Heimat, sagt der Zweite Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ansbach, Tilmann Wörrlein. Zum anderen seien in den Herkunftsländern viele Aufgaben, die in Deutschland von Ehrenamtlern übernommen werden, staatlich organisiert, die Feuerwehren unter Umständen sogar militärisch.

Migranten glauben nicht an Erfolg ehrenamtlicher Arbeit

Ähnlich beschreibt das auch Osama Albernawi aus Würzburg. Zusammen mit anderen Migranten hat er die Initiative "Jibbern" ins Leben gerufen, die sich für eine pluralistische Gesellschaft einsetzt. Seit März sitzen zwei Mitglieder der Gemeinschaft im Ausländerbeirat der Stadt. Selbst ihnen fällt es aber schwer, Landsleute zur Mitarbeit zu bewegen. In Syrien etwa werde ehrenamtliche Arbeit nicht als effektiv, bisweilen sogar als dilettantisch, angesehen, so Albernawi. Das sei für sie die größte Hürde. Sie bekämen für die Arbeit, die sie in ihre Projekte stecken, auch von ihren Landsleuten keine Anerkennung. Diese glaubten schlicht nicht daran, dass mit ehrenamtlicher Arbeit etwas zu erreichen sei.

Frühzeitige Aufklärung als Mittel zum Ziel

Sowohl Al-Shammari aus Ansbach als auch Albernawi aus Würzburg glauben, dass sich mehr Menschen mit Migrationshintergrund für Ehrenämter interessieren würden, wenn sie möglichst früh – etwa in den Integrationskursen – mehr Informationen zum Thema Ehrenamt bekommen würden. Denn in Deutschland laufen viele Dinge ausschließlich über Ehrenämter – angefangen von den Feuerwehren über die Tafeln bis hin zu den meisten Sportvereinen. Die Vereine seien aber auch in der Pflicht, so eine Schlussfolgerung aus der Umfrage im Auftrag des Innenministeriums. Sie müssten eine "Holstruktur" entwickeln und auf Menschen mit Migrationshintergrund zugehen.

Internetplattform soll positive Beispiele in den Fokus rücken

Da will nun das Projekt "e.V. in Bayern" ansetzen. Eine neue Website soll von positiven Beispielen erfolgreicher Integration berichten und die Rolle von ehrenamtlichem Engagement dabei in den Fokus rücken. Die Initiatoren hoffen darauf, dass sich diese Geschichten vor allem über die sozialen Medien verbreiten und so bei Menschen mit Migrationshintergrund ein Umdenken bewirken. Denn nicht nur die bayerischen Feuerwehren sind auf Nachwuchs angewiesen.

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