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Ehemaliger VW-Chef Ferdinand Piëch in Rosenheim gestorben | BR24

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Der langjährige VW-Konzernchef Ferdinand Piëch ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge im Alter von 82 Jahren gestorben. Er soll in einem Restaurant zusammengebrochen und Sonntagabend im Rosenheimer Klinikum verstorben sein.

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Ehemaliger VW-Chef Ferdinand Piëch in Rosenheim gestorben

Der langjährige VW-Vorstands- und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren. Piëch war während eines Restaurantbesuchs am Sonntagabend in Aschau kollabiert und starb Berichten zufolge kurze Zeit später in Rosenheim.

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Der langjährige VW-Vorstands- und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ist tot. Er starb bereits am Sonntagabend im Alter von 82 Jahren, wie seine Ehefrau Ursula Piëch in einer Erklärung bestätigte.

"Mein Ehemann Prof. Dr. h.c. Ferdinand Karl Piëch ist am 25. August 2019 im Alter von 82 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben. Er hinterlässt eine große Familie mit dreizehn Kindern und über doppelt so vielen Enkelkindern." Ursula Piëch, Witwe von Ferdinand Piëch

"Das Leben von Ferdinand Piëch war geprägt von seiner Leidenschaft für das Automobil und für die Arbeitnehmer, die diese erschaffen", heißt es im weiteren Verlauf der Erklärung. Bis zuletzt sei er ein begeisterter Ingenieur und Autoliebhaber gewesen.

Piëchs Mutter war Ferdinand Porsches Tochter

Ferdinand Piëch wurde 1937 als drittes von vier Kindern des Rechtsanwalts Anton Piëch in Wien geboren. Sein Vater war Geschäftsführer beim Volkswagenwerk in Wolfsburg. Seine Mutter war die Tochter des Autopioniers Ferdinand Porsche, der die bekannte Autofirma gegründet hatte und den VW-Käfer entwarf. Ferdinand Piëch wurde nach seinem Großvater benannt.

Arbeit als freier Ingenieur

Ferdinand Piëch begann seine Karriere in Stuttgart-Zuffenhausen bei seinem Onkel Ferdinand Porsche junior, der die Firma Porsche nach dem Krieg wieder neu aufbaute. Nach dem Ausscheiden bei Porsche entwickelte Piëch 1972 als freier Ingenieur für die Daimler-Benz AG Grundlagen für einen Fünfzylinder-Dieselmotor. Gleichzeitig wechselte er zur Firma NSU Auto Union AG, der späteren Firma Audi in Ingolstadt.

Investitionen in Luxus-Marken

Ferdinand Piëch war seit 1992 im VW-Aufsichtsrat gewesen, ein Jahr später in den Konzernvorstand gerückt. Er setzte sich dafür ein, dass VW auch in die Luxus- und Sportwagenklasse einstieg. 1998 erstand VW für Audi die Lamborghini S.p.A. und übernahm die Markenrechte für Bugatti und Bentley.

Rationalisierungen

In der Produktion erreichte er Einsparungen und Rationalisierungen und setzte zugleich auf die sogenannte "Plattform-Strategie", bei der verschiedene Modelle aus einer Art Baukasten-System mit denselben Modulen gebaut werden. Damit setzte er die Autozulieferer unter Preisdruck. Im Personal führte er beispielhafte Haustarifverträge mit flexiblen Arbeitsbedingungen und einem Weltbetriebsrat ein.

Skandal nach dem Abgang

2001 konnte Piëch das Unternehmen mit dem bis dahin besten Nachsteuerergebnis des Konzerns von rund drei Milliarden Euro an seinen Nachfolger, den früheren BMW-Chef Bernd Pischetsrieder, übergeben.

Nach Piëchs Abgang warf 2005 die sogenannte VW-Affäre einen Schatten auf seinen Namen. Der Skandal um Veruntreuung, Tarnfirmen, Schmiergeldzahlungen und gesponserte "Lustreisen" für Betriebsräte kostete nicht nur Piëchs langjährigen Vertrauten, den VW-Arbeitsdirektor und -Personalchef Peter Hartz seinen Posten, sondern sorgte auch für einen deutlichen Imageschaden.

Ehemaliger VW-Chef galt als mächtiger Strippenzieher

Als Aufsichtsratsvorsitzender lenkte Piëch das immer größer werdende VW-Imperium schließlich zusammen mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn, der Bernd Pischetsrieder im Jahr 2006 nachfolgte, mit strenger Hand - ehe er sich von seinem Lebenswerk entfremdete.

Im Jahr 2015 sorgte er mit der Äußerung für Aufsehen, er sei "auf Distanz" zum damaligen Vorstandschef Winterkorn. Er verlor schließlich den Machtkampf und warf im Zorn hin.

Nach der Ära der Alpha-Manager Piëch und Winterkorn - und vor allem nach dem einschneidenden Abgasskandal - blieb bei Volkswagen kaum ein Stein auf dem anderen. Ein "Kulturwandel" wurde von Winterkorns Nachfolger Matthias Müller ausgerufen: Weniger Zentralismus, mehr Verantwortung für die einzelnen Manager, mehr interne Kritik waren die Ziele. Die Mitarbeiter sollten nicht mehr vor einem Patriarchen wie Piëch zittern, der in Wolfsburg auch "der Alte" genannt wurde - und den ein Kleinaktionär einmal als "Göttervater" bezeichnete.

Piëch verkaufte milliardenschweres Aktienpaket

2017 verkaufte Piëch ein milliardenschweres Aktienpaket und trennte sich von einem Großteil seiner Anteile an der VW-Dachgesellschaft Porsche SE. Die Anteile gingen an Verwandte.

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Nachruf auf Piëch

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