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Prozess gegen mutmaßlichen Brandstifter von Estenfeld
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Autoren

Barbara Markus
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Prozess gegen mutmaßlichen Brandstifter von Estenfeld

Justizzentrum Würzburg

Justizzentrum Würzburg

Vor fast genau einem Jahr begann die Serie mit dem folgenschwersten Brand. Am 20. Februar 2018 war die historische Kartause in Estenfeld in Flammen aufgegangen. Allein dadurch war ein Schaden von rund 100.000 Euro entstanden. Bis zum 3. April 2018 brannte es dann noch viermal: am Dachboden einer Scheune, zwei Gartenhäusern und einem Holzschuppen. Zum Anzünden hatte der Angeklagte jeweils Grillanzünder dabei. Er habe nur Feuer machen wollen, um es dann gleich zu löschen, sagte der 23-Jährige. So habe er sich beweisen wollen, "doch noch etwas unter Kontrolle haben zu können", denn die sei ihm über sein Leben zunehmend verloren gegangen.

Familiäre Probleme machten ehemaligem Feuerwehrmann zu schaffen

Sein festes Einkommen als Zeitsoldat hatte der junge Mann verloren, nachdem er wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung vorzeitig aus dem Vertrag entlassen worden war. Grund waren psychische Probleme privater Art. Der 23-Jährige leidet an großen Schuldgefühlen. Seine Mutter hatte sich vor fünf Jahren nach einem Streit mit ihm das Leben genommen. Mit der Ehefrau und Mutter seiner Tochter habe es dauernd Streit gegeben, weil er keinen Job hatte, weil Geld fehlte, weil der Gerichtsvollzieher wegen hoher Schulden mehrfach vor der Türe stand und eine Stromabschaltung drohte. Um den Kopf frei zu bekommen, habe er dann Feuer gelegt: " Feuer hat für mich etwas Beruhigendes, dann kann ich besser nachdenken".

23-Jähriger wurde in Untersuchungshaft von Mitgefangenen misshandelt

Wenn der Prozess am 27. Februar fortgesetzt wird, will das Gericht aufklären, was sich in der Untersuchungshaft abgespielt hat. Angeblich sei er von der Polizei als Spitzel angeheuert worden. Er habe er sich bei einem Mithäftling ein illegal eingeschmuggeltes Handy ausgeborgt, um damit eine letzte Kontaktaufnahme mit der Ehefrau zu versuchen. Die scheiterte, das Handy aber wurde entdeckt und er zur Herkunft von der Polizei befragt. Wenig später gab es eine großangelegte Razzia in der JVA Würzburg. Danach sei der 23-jährige von Mitgefangenen so misshandelt worden, dass er in die JVA Schweinfurt verlegt worden ist. Dort das gleiche Spiel. Zur eigenen Sicherheit sitzt er jetzt seit Monaten in Einzelhaft.