Der 77-Jährige vor Gericht. Der Mann wurde wegen Mordes an seiner Frau verurteilt.
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Ehefrau ermordet: Sieben Jahre Haft für 77-Jährigen in Nürnberg

Weil er seine pflegebedürftige Ehefrau mit einem Kissen erstickt hat, wurde ein 77-Jähriger wegen Mordes vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth zu sieben Jahren Haft verurteilt. Am meisten bedauere er, überlebt zu haben, sagte der Mann im Prozess.

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Im Prozess gegen einen 77-Jährigen, der seine 74-jährige stark pflegebedürftige Ehefrau in Nürnberg mit einem Kissen erstickt hat, hat das Landgericht Nürnberg-Fürth den Mann zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Verurteilung erfolgte wegen Mordes, so ein Justizsprecher. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei erfüllt, hieß es. Eigentlich sieht das Gesetz bei Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe vor. In diesem Fall sei der Mann zum Tatzeitpunkt aber nur eingeschränkt schuldfähig gewesen.

Frau war nach Schlaganfall gelähmt

Laut psychiatrischem Gutachten litt der Rentner an Depressionen und einer sogenannten Anpassungsstörung. Der Mann hatte bereits zu Beginn des Verfahrens ein Geständnis abgelegt. Seine Frau erlitt demnach 2013 einen schweren Schlaganfall. Sie sei einfach umgefallen, berichtete der Mann im Prozess. Seitdem sei sie pflegebedürftig gewesen, linksseitig gelähmt, konnte höchstens 50 bis 100 Meter am Stück laufen.

Vom ersten Tag an habe er sie gepflegt, den Haushalt übernommen, seine Frau zwei bis drei Mal pro Woche zum Arzt oder in die Reha gebracht. Selbst zur Arbeit habe er sie mitgenommen. Sie habe dann im Nebenzimmer gelesen oder ferngesehen, während er in der Firma seines Bruders gearbeitet habe, erklärte der Rentner. Hilfe von anderen habe sie nicht gewollt. Nachbarn berichteten der Polizei nach der Tat, der Mann habe sich rührend um seine Frau gekümmert.

Ehepaar redete über Suizid

Doch mit Beginn der Corona-Pandemie verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Ehefrau. Die Reha-Termine wurden weniger, auch die sozialen Kontakte, die Schmerzen nehmen zu. Schließlich habe seine Frau ihm gesagt, dass sie nicht mehr leben wolle, berichtete der Angeklagte Anfang Februar im Prozess. Da habe er zu ihr gesagt, dass er sie nicht allein gehen lassen werde. Mehrere Male hätten sie über Suizid gesprochen. Ob sie sich denn darüber unterhalten hätten, wie sie sterben wollten, wollte der Staatsanwalt im Prozess wissen. Nein, so konkret sei es nicht worden, erwiderte der Angeklagte. Sie habe zwar einmal über Tabletten gesprochen. Aber wie er an eine tödliche Dosis kommen könnte, darüber habe er sich nicht informiert. Auch mit den Söhnen hätten sie nicht darüber gesprochen.

Sohn rief Polizei

In der Nacht vom 22. auf den 23. Juni, las der Angeklagte weiter aus seinem Geständnis vor, habe er seine Frau auf die Toilette begleitet. Anschließend habe er lange wachgelegen und gegrübelt. Da waren etwa 40.000 Euro Schulden, da war der bevorstehende Umzug in eine neue Wohnung, die einer der Söhne besorgt hatte, da waren die schlimmen Schmerzen seiner Frau. "Ich habe mich spontan dazu entschlossen, meine Frau mit einem Kissen zu ersticken", erklärte der Angeklagte. Wie lange es dauerte, ob sie um Hilfe rief – der 77-Jährige wusste es nicht mehr. Anschließend habe er versucht, sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern aufzuschneiden, mit einer Plastiktüte zu ersticken und sich zu strangulieren. "Aber ich hab's nicht fertiggebracht."

"Am meisten bedauere ich, dass ich überlebt habe"

Einem seiner Söhne habe er währenddessen eine SMS geschickt. Als dieser anrief, habe er ihm gesagt, was er getan habe und ihn gebeten, nichts zu unternehmen. Doch der Sohn habe sich nicht daran gehalten und die Polizei gerufen. Am Ende seines Geständnisses Anfang Februar wirkte der Angeklagte erschöpft, wie ein gebrochener Mann. "Am meisten bedauere ich, dass ich überlebt habe und meinen Kindern und der Familie großes Leid zugefügt habe", sagte er zum Schluss. "Meine Frau fehlt mir jeden Tag, ich habe sie sehr geliebt."

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