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Eine der vier Windanlagen in Feuchtwangen im Landkreis Ansbach

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EEG-Förderung läuft aus: Wie Feuchtwangen Windräder retten will

Nach 20 Jahren laufen nach und nach die EEG-Förderungen für Windräder aus. Doch anstatt diese stillzulegen oder abzubauen, haben die Betreiber von vier Windkraftanlagen in Feuchtwangen im Landkreis Ansbach eine innovative Idee.

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Von
  • Markus Balek
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Einige Bewohner in Larrieden bei Feuchtwangen haben ein Bürgerwindrad gebaut. Die rund 200 Einwohner bangen darum, was mit ihrer unweltfreundlichen Energieerzeugung geschehen wird, wenn die Förderung ausläuft.

Windräder und Photovoltaik-Anlagen galten einst als Vorreiter der Energiewende. Nach 20 Jahren laufen nun nach und nach die Förderungen für die Erzeugung von erneuerbaren Energien für diese Anlagen aus. Private Betreiber speisen ihren Strom in das öffentliche Netz und erhalten dafür eine Förderung. Das war die positive Grundidee als in Feuchtwangen vor rund zwei Jahrzehnten das erste Windrad gebaut wurde. Insgesamt sind schließlich vier Windkraftanlagen im Landkreis Ansbach entstanden: in Hinterbreitenthann, Larrieden, Mögersbronn und Thürnhofen.

Ältere Windräder nicht mehr rentabel

Nachhaltigkeit sowie lokale Stromerzeugung und Energiegewinnung waren Schlagworte dieser Zeit und der angedachte Anstoß zu Energiewende. Doch die älteren Windräder und Photovoltaik-Anlagen seien jetzt nicht mehr rentabel, so die Bundesregierung. Deswegen fallen bundesweit allein im Jahr 2021 rund 6.000 Altanlagen der Windkraft aus der EEG-Vergütung, der Förderung erneuerbarer Energien.

Auf 20 Jahre war die EEG-Förderung für Windkraftanlagen angelegt. Zwar gibt es mittlerweile eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Doch damit ist das Problem nicht gelöst. Betreiber von älteren Windkraftanlagen sind ratlos. Bisher stammen zwei Drittel ihrer Einnahmen aus der Förderung, nur ein Drittel der Erlöse steuert der aktuelle Strompreis bei.

Betreiben der Windräder wird zu teuer

In Mögersbronn bei Feuchtwangen im Landkreis Ansbach, steht eines der Windräder, das bereits zum 1. Januar 2021 ohne Förderung planen muss. Zwei Anlagenbetreiber müssten ihr Windrad im schlimmsten Falle abbauen und dann verkaufen. Ein Weiterbetrieb ohne EEG-Vergütung sei zum jetzigen Stand nicht mehr wirtschaftlich. Die Betriebs- und Wartungskosten seien nicht gedeckt und nach dem Ende der Förderung dürfen die Anlagen gar keinen Strom mehr ins Netz einspeisen. Die Grundidee der lokalen Energieversorgung auf Jahre – Stand jetzt: ein Trugschluss.

Larrieden – ein Vorzeige-Ort

Larrieden im Landkreis Ansbach geht seit Jahren mit bestem Beispiel voran, was den Umgang mit erneuerbaren Energien betrifft. Nahezu jedes Haus hat eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. 750.000 Kilowatt Strom werden rein aus der Sonnenkraft gewonnen. Doch die Betreiber des Windrads in Larrieden stehen in wenigen Jahren vor der gleichen Situation wie im Nachbarort Mögersbronn, wenn die Politik nicht handelt.

Repowering ist keine Option

Der einfachste Ausweg: Die Windanlage abbauen, mit einer neuen Turbine ausstatten und an einem anderen benachbarten Standort wiederaufbauen. "Repowering" nennt sich dieser Vorgang und gilt als Lösung der Bundesregierung.

Für Jürgen Ströhlein, den Geschäftsführer der Bürgerwindkraft Larrieden in Feuchtwangen, ist Repowering jedoch zum Großteil logistisch gar nicht möglich. "Für 90 Prozent der Flächen kommt Repowering gar nicht in Frage", so Ströhlein. "Es scheitert bereits bei der Genehmigung."

Der Vorschlag der Bürgerwindkraft Larrieden sei daher, die aktuellen Börsenausschreibungen, die ein neues Windrad bekäme, auch bei den älteren Anlagen weiterlaufen zu lassen, um einen Weiterbetrieb zu ermöglichen. Natürlich müssten die Sicherheitsrichtlinien wie Standsicherheit und TÜV-Gutachten weiterhin erfüllt werden.

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Photovoltaikanlage von Jürgen Stöhlein, dem Geschäftsführer der "Bürgerwindkraft Larrieden".

Gesellschaftsgründung als Ausweg

Die Betreiber der Windkraft- und Photovoltaik-Anlangen haben eine Lösung gefunden, die sich als taffes Geschäftsmodell erweisen soll. Mit der nahKRAFT GmbH & Co. KG wird eine eigenständige Gesellschaft gegründet, die den Ausbau der eigenen, grünen Energieversorgung weiterverfolgt. Das Tochterunternehmen der Stadtwerke Feuchtwangen wird ab Januar aktiv daran arbeiten die privaten Betreiber erneuerbarer Energien zu unterstützen. Grünes Licht für die Gesellschaftsgründung gab es seitens des Stadtrats bereits Ende Oktober.

Ziele und Aufgaben der nahKRAFT GmbH & Co. KG

Die Stadtwerke Feuchtwangen sollen zukünftig den lokal erzeugten Strom der auslaufenden Anlagen aufkaufen und ins Netz einspeisen. Dadurch würde den Feuchtwanger Bürgern "Selfmade-Strom" angeboten und verkauft sowie der Weiterbetrieb der Windräder in der Region ermöglicht. Durch die Gründung der Tochtergesellschaft laufe dieser Prozess schneller und unbürokratischer als der Umweg über die Stadtwerke direkt.

Politik hat geschlafen

Richard Mergner, der Vorsitzende des BUND Naturschutz, versteht nicht, warum die Bundespolitik so lange nur zugesehen hat. Zum Ende des Jahres verfalle man nun in Torschlusspanik und versuche zu reagieren. Zumindest seien mit einer Anschlussförderung die gröbsten Fehler aus dem Weg geräumt, so Mergner.

Dazu können Strom einer Photovoltaik-Anlage künftig auch einem Mieter ohne großen bürokratischen Aufwand verkauft werden. "Das Dorf Larrieden müsste überall in Bayern sein", meint Mergner. "Dafür müssten Blockaden gelöst werden."

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