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E-Sports in Bayern: Kann Videospielen Sport sein? | BR24

© picture-alliance/dpa

E-Sportler auf der großen Bühne

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E-Sports in Bayern: Kann Videospielen Sport sein?

Immer mehr Bayern spielen am Computer. Nicht nur zum Spaß, sondern als Sport. Der 1. FC Nürnberg etwa hat eine eigene Abteilung für den virtuellen Sport. Für die Sportverbände dagegen ist der E-Sport größtenteils ein Tabuthema.

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Ein Mittwochabend an der Uni Bayreuth. Mehrere Studenten sitzen in einem Raum an ihren Rechnern. Auf den Bildschirmen vor ihnen läuft das Online-Strategiespiel League of Legends. Auf den ersten Blick sieht die Szene aus wie ein gemütlicher Zocker-Abend. Aber: Hier wird intensiv trainiert, nämlich E-Sport – das wettkampfmäßige Videospielen.

Denn das ist mehr als das einfache Daddeln am Computer - vor allem bei einem Turnier, sagt Professor Jochen Koubek, Leiter des Studiengangs Computerspielwissenschaft an der Uni Bayreuth.

"Das ist nicht nur hinsetzen und zwei Stunden Daddeln. Das ist hochkonzentriert, das verbraucht unglaublich viel Energie, die ganze Zeit auf der Leistungsspitze zu sein. Das muss man erstmal körperlich durchhalten." Jochen Koubek, Professor der Computerspielwissenschaft

Viele Fertigkeiten benötigt

Und Koubek zählt auf, was sonst noch zum Leben eines E-Sportlers dazu gehört: Vorbereitung, Gegneranalyse, Nachbereitung, Aussgleichssport, um den Körper fit zu halten und natürlich viel Training, um die Spielmechaniken in- und auswendig zu kennen und blitzschnell bessere Entscheidungen treffen zu können als der Gegner. League of Legends fordert vom Spieler viele Fertigkeiten, um das Spielziel zu erreichen: effektive Kommunikation im Fünfer-Team, schnelle Reaktion, strategisches Denken, Analysieren der gegnerischen Schwächen.

"Das ist übrigens auch das Argument, warum Schach als Sport gilt: Weil die Turniersituation so immens anstrengend ist. Man sieht es den Spielern nicht unbedingt an, aber sie verlieren Gewicht, sie Schwitzen, sie verbrauchen Kalorien wie bei anderen Leistungssportarten." Jochen Koubek, Professor der Computerspielwissenschaft

In einem Turnier dauert eine Partie schon mal sechs Stunden, in denen die Spieler hochkonzentriert sein müssen. Das gelte auch für den E-Sport, so Koubek. Dass man so ein Turnier durchhalte, dafür müsse man trainieren. "Das geht nicht von heute auf morgen", sagt Koubek.

Medialer Hype um den E-Sport

Aktuell spricht der E-Sport-Bund Deutschland von drei Millionen Spielern insgesamt. Tendenz steigend. Dieses wirtschaftliche Potential führt auch dazu, dass die Vermarktung immer professioneller wird. Ein Beispiel: Anfang Juli treffen sich die 16 besten Counter-Strike-Teams der Welt in Köln. Das Preisgeld beträgt 300.000 Dollar. Vor Ort werden Tausende Besucher erwartet, im Internet per Livestream noch einmal mehr. In diesem Jahr werden die Finalspiele sogar in ausgewählte Kinosäle übertragen, zum Beispiel in Erding, Germering oder München.

Ablehnung vom BLSV

Doch als "echter" Sport ist der E-Sport nicht anerkannt. Der Bayerische Landessportverband (BLSV) stört sich vor allem an den Inhalten der Spiele.

"Auf der einen Seite sind da Sportartensimulationen. Die halten wir durchaus für Sport. Auf der anderen Seite sind da aber auch Ego-Shooter, wo es nur darum geht, Menschen abzuballern. Und das halten wir nicht für Sport." Jörg Ammon, Präsident des Bayerischen Landessportverbands

Das Bayerische Innenministerium, das für Sport im Freistaat zuständig ist, hat noch keine eigene Meinung zu dem Thema. Auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks betonte ein Sprecher, dass das Ministerium die Frage, ob E-Sport Sport ist, zunächst den Verbänden überlässt.

Sinnvoll für die Vereinsentwicklung

Für sinnvoll hält der BLSV es, Computerspiele entweder für Trainings oder die Vereinsentwicklung zu nutzen. Beim FC Bayern München war E-Sport lange umstritten. Präsident Uli Hoeneß hatte eigentlich ausgeschlossen, dass der Verein einsteigt, doch die Basketballer setzten sich durch. Mit den Bayern Ballers Gaming geht seit 2018 ein Team im Videospiel NBA 2K19 auf elektronische Korbjagd.

Der 1. FC Nürnberg hat eine eigene E-Sport-Abteilung – und will damit will unter anderem diejenigen Fans erreichen, die sonst nicht ins Stadion kommen würden.

"Die heutige Jugend, auch wenn sie vielleicht sport- fußball- oder FCN-affin ist, können wir vielleicht nicht mehr mit den klassischen Medien und mit der klassischen Vermarktung von 90 Minuten Max-Morlock-Stadion erreichen. Da müssen wir neue Wege gehen." Sebastian Seifert, Leiter Merchandising und Vertriebsmarketing beim 1. FC Nürnberg

Ziel sei es, die junge Generation in der virtuellen Welt abzuholen und irgendwann zum Fan der realen Welt zu machen, sagt Seifert.

Und würde E-Sport als Sport anerkannt werden, egal ob alle Spiele oder nur ein paar, dann könnten auch kleinere Vereine vom E-Sport-Trend profitieren, so Seifert weiter. Denn dann hätten sie Zugriff auf finanzielle Fördermittel und könnten so Jugendliche zu sich holen, die sonst nicht auf den Fußballplatz kommen würden - egal, ob auf den echten oder den virtuellen.

© BR

Der 1. FC Nürnberg setzte als einer der ersten deutschen Fußballklubs auf eine E-Sport-Abteilung. Mit Daniel "Bubu" Butenko und Kai "Hensoo" Hense hat der Club zwei Spieler mit Potential, den deutschen Meistertitel nach Franken zu holen.