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E-Scooter in Bayern: Von Verkehrswende keine Spur | BR24

© BR/Tanja Gronde

In Bayerns Großstädten sind E-Scooter mittlerweile fester Bestandteil des Stadtbilds. Gegner kritisieren das wahllose Herumstehen und die Gefahr im Straßenverkehr. Befürworter sprechen von einer Verkehrswende. Eine Bilanz nach vier Monaten.

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E-Scooter in Bayern: Von Verkehrswende keine Spur

In Bayerns Großstädten sind E-Scooter inzwischen fester Bestandteil des Stadtbilds. Gegner kritisieren die Gefahr im Straßenverkehr, das wilde Herumstehen, Entsorgungsprobleme. Ein Beitrag zur Verkehrswende? Eine Einschätzung nach vier Monaten.

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München, Nürnberg, Augsburg und Ingolstadt haben sie schon, Regensburg hat Anfragen von Betreibern: E-Scooter als Leihfahrzeuge. In München sind sie seit Mitte Juni unterwegs. Gleich sechs Anbieter buhlen hier um die Gunst der Kunden. Laut dem zuständigen Kreisverwaltungsreferat dürfte jede Firma über 1.000 Roller in der Stadt aufstellen. Tatsächliche Zahlen rücken die Betreiber aus Konkurrenzgründen nicht heraus.

Sicher scheint aber jetzt schon: Ein Baustein für die Verkehrswende wird der E-Scooter nicht. Dafür fällt die Klimabilanz viel zu schlecht aus.

E-Scooter: Das Verkehrsmittel für Touristen und junge Spaßfahrer?

Vor allem Menschen unter 30 sind auf dem E-Scooter unterwegs. Laut einer Studie des Mobilitätsberaters "civity" werden die Roller vor allem für Fahrten von unter zwei Kilometern benutzt - eine Strecke, die die Befragten sonst zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt hätten. Die Hochzeiten der Nutzung sind abends und am Wochenende - ein Hinweis, dass die Roller eher für Touristentrips und Spaßfahrten genutzt werden als von Pendlern auf dem Weg zur Arbeit.

Immer wieder würden bei der Münchner Polizei Beschwerden über wilde Fahrten auf dem Gehweg eingehen, erklärt Hauptkommissar Werner Kraus:

"Gerade wenn am Nachmittag in München alles voll ist und sich die E-Scooter, die man auch nicht hören kann, dann vorbeischlängeln, ist das sehr problematisch. Faktisch dürfen sie da auch nicht fahren."

Auf den Radwegen sind die E-Scooter erlaubt - und da scheint das Miteinander zunehmend zu funktionieren.

1.500 Mal Trunkenheit am Lenker

Unfälle kommen dennoch vor: 81 Unfälle mit E-Scootern zählte die Münchner Polizei seit Mitte Juni, 24 davon unter Alkoholeinfluß. Überhaupt sei die Zahl von über 1.500 Promille-Fahrern, die in die Polizeikontrollen geraten sind, alarmierend, sagt Polizeisprecher Werner Kraus:

"Jeder hat intus: Wenn ich etwas getrunken habe, soll ich nicht ins Auto steigen und nicht Auto fahren. Beim E-Scooter hat man diese Schwelle nicht: Weil er nicht so schnell fährt und viele das Gefühl haben, sie stehen ja nur da drauf und sitzen in keinem PKW. Faktisch ist er aber ein Kraftfahrzeug und es gelten die selben Gesetzmäßigkeiten wie für einen PKW."

Eine Alternative zum Auto?

Die Leihscooter bestimmen das Straßenbild vor allem in der Innenstadt. Wo sie stehen dürfen, regelt ein Vertrag zwischen dem in München zuständigen Kreisverwaltungsreferat und den Verleihern. Letztere bieten den Service vor allem in der Altstadt an. Doch das reiche nicht, findet Andreas Schuster von Green City: "In den Randgebieten werden die Roller nicht angeboten und deshalb bin ich derzeit noch skeptisch, was die Verteilung vom Auto auf den Roller angeht. In Paris gibt es Studien, die sagen: Acht Prozent der Menschen ersetzen eine Fahrt mit einem E-Scooter, und wenn dem so wäre, wäre es schon interessant."

Klimasünder E-Scooter?

Sinnvoller wären Schuster zufolge Leihscooter in kleineren Städten ohne U- und S-Bahn. Dazu komme das Problem mit der Nachhaltigkeit: "Zum einen kann man sagen, was verbraucht die Fahrt eines E-Scooters? Das ist im Vergleich zum Auto geringer. Wenn man aber das nächtliche Einsammeln und die Produktion miteinrechnet, kann man sagen: 100 Kilometer mit dem E-Scooter verbrauchen ungefähr so viel wie mit einem benzinbetriebenen Durchschnittsauto."

Der Leihscooter hat laut Hersteller eine Lebensdauer von rund einem Jahr, auch der Akku, der - anders als beim E-Bike - fest im Roller verbaut ist. Danach muss der Akku recycled werden, die Alu-Teile des Rollers werden Ersatzteile für Reparaturen. An der Klimabilanz des Gefährts müssen die Hersteller also noch arbeiten.

Die Stadt München ist nach vier Monaten trotzdem zufrieden. Sie bekommt Nutzungsdaten von den E-Scooter-Verleihern: Gefahrene Kilometer, durchschnittliche Fahrtdauer, besonders frequentierte Gebiete. Und solche Daten sorgen vielleicht am Ende dafür, dass Fahrradwege breiter und Straßen enger werden. Dann hätte der E-Scooter seinen Beitrag zur Verkehrswende doch noch geleistet.