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Mehrere alte Buchen wurden hier gefällt, um eine illegal errichtete Mountainbikeschanze zu blockieren

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    Bäume gefällt, um illegale Mountainbikewege zu blockieren

    Im Wald wird es voll. In den vergangenen Jahren sind viele Menschen auf den Geschmack des Mountainbikens gekommen. Bei Zirndorf (Lkr. Fürth) haben die Bayerischen Staatsforsten nun Bäume gefällt, um allzu wilden Fahrern einen Riegel vorzuschieben.

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    Von
    • Franz Engeser

    Die Bayerischen Staatsforsten haben im Wald an der Alten Veste oberhalb von Zirndorf Dutzende zum Teil gesunde Bäume gefällt, um illegale Sprungschanzen und Trails von Mountainbikern zu blockieren. Der Grund dafür ist ein rechtlicher: Passiert vor allem an "Bauwerken" wie Schanzen oder Anliegerkurven ein Unfall, muss im Zweifel der Grundstückseigentümer haften. Im Staatswald wäre das der Freistaat Bayern.

    Bayerische Staatsforsten müssen Sprungschanzen zerstören

    Um Haftungsfragen aus dem Weg zu gehen, "müssen wir dokumentieren, dass wir [solche Bauwerke] nicht dulden", sagt Norbert Flierl, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Rothenburg ob der Tauber. Das bedeutet in diesem Fall, dass die Staatsforsten immer wieder Strafanzeige erstatten und vor allem größere Schanzen auch unbrauchbar machen. Dabei weiß Flierl genau, dass solche Maßnahmen nur wenig helfen und die Mountainbiker ihre Schanzen schon nach kurzer Zeit wieder reparieren.

    Gigantische Sprungschanze mitten im Staatsforst

    Größtes Problem der Staatsforsten war bis vor rund zwei Wochen eine wahrhaft gigantische Anlage: Bis zu einen Meter tief hatten sich Unbekannte in einen Hang hineingegraben, um dort Schwung zu holen und sich zehn Meter weiter von einem aufgeschütteten Hügel in die Luft zu katapultieren. Die Absprungkante ist mit Zement verstärkt und in den Hang wurden Stufen gegraben, um zur Startplattform zu gelangen. Eine alte Schubkarre, Werkzeuge und ein Zehn-Kilo-Sack Mörtel liegen noch herum und zeugen von reger Bautätigkeit.

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    Rechts oben der "Starthügel" zur Sprungschanze, daneben eine eigens errichtete Zuschauerplattform.

    Bäume gefällt, um Schanze zu blockieren

    Vor allem an dieser Stelle haben die Staatsforsten nun mehrere mannsdicke Bäume gefällt und über die Schanze geworfen. Ein Durchkommen oder auch ein Freiräumen: unmöglich. "Aufgrund des kupierten Geländes blieb keine andere Möglichkeit, als tote und gesunde Bäume über diese Schanze zu fällen", sagt Flierl. Dem Vorwurf des Waldfrevels tritt er entschieden entgegen: Es gehöre zu seiner Aufgabe, den Totholzanteil im Staatsforst zu erhöhen, um unter anderem wertvollen Lebensraum für Insekten zu schaffen.

    Naturschützer gegen Mountainbikewege

    Zuspruch für die Maßnahme erhält Flierl vom Bund Naturschutz Zirndorf: Der Staatsforst zählt zum europäischen Natura-2000-Schutzgebiet, sagt Angelika Schaa. Ihr größter Kritikpunkt ist, dass in dem Naturschutzgebiet überhaupt keine neuen Wege hätten angelegt werden dürfen. Genau das tun Mountainbiker aber seit Jahren. Im Vergleich dazu empfindet Schaa gefällte Bäume als das kleinere Übel.

    Staatsforsten: Jugend soll in die Natur

    Für Forstbetriebsleiter Flierl ist es ein Balanceakt: Er weiß natürlich, dass die Mountainbiker die Trails selbst gezogen haben, bleibt aber gelassen: Eine gewisse Toleranz sei da, sagt er: "Wir wollen ja, dass die Jugend vor allem in den Wald geht, in die Natur geht."

    MTB-Organisation zeigt Verständnis

    Der regionale Ableger der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB) hält die Baumfällaktion der Staatsforsten vor allem für einen symbolischen Akt, "um einfach zu zeigen: Hier ist ein Maß überschritten worden", sagt Anja Miksch, die stellvertretende Sprecherin der IG Nürnberg/Fürth. Sie zeigt Verständnis dafür, dass vor allem die große Schanze mit Bäumen blockiert worden ist. Für so etwas gebe es Bikeparks "und da gehören die definitiv hin".

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    An anderen Stellen wurden mit gefällten Bäumen auch kleinere Schanzen und die Einfahrten zu Trails versperrt.

    Mountainbiker wollen Trails erhalten

    Die übrigen Trails mit ihren Bodenwellen, steilen Abfahrten und engen Kehren möchten die Mountainbiker aber erhalten, "insbesondere dieses Gelände hier an der Veste, das ein wunderbares Höhenprofil liefert", so Miksch. Bereits zwei Wochen, nachdem die Bäume gefällt wurden, hatten Mountainbiker einzelne Trails schon wieder freigeschnitten und Baumstämme zur Seite geschafft. Einzelne waren sogar mit Laubrechen unterwegs, um die Wege zu säubern.

    Bikepark an der Alten Veste?

    Vor allem die DIMB sucht nun das Gespräch mit dem Forst. Es geht darum, welche Wege genutzt werden dürften – und welche im Gegenzug renaturiert werden sollen.

    Forstbetriebsleiter Flierl bringt sogar einen offiziellen Trailpark ins Gespräch. Neben diversen Genehmigungen von Naturschutzbehörden wäre dafür vor allem ein Träger wichtig: ein Sportverein oder eine Stadt, die die Haftung für so eine Anlage übernimmt und sich um die Wege kümmert. Dann stünde ungebremstem Mountainbikespaß an der Alten Veste nichts mehr im Wege.

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