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Durchwachsene Spargelsaison in Franken: Hoffnung auf milden Juni

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    Durchwachsene Spargelsaison: Hoffnung auf milden Juni

    Die vergangenen zwei Monate waren eigentlich zu kalt für den Spargelanbau in Bayern. Die weißen Stangen sind nur langsam gewachsen. Der unterfränkische Landwirt Ingo Reinhart ist dennoch zufrieden mit der Saison – und hofft auf einen milden Juni.

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    Von
    • Alisa Wienand
    • BR24 Redaktion

    Die Sonne scheint auf einen Acker in Reupelsdorf im Landkreis Kitzingen. Rund 30 Erntehelfer aus Rumänien und Polen sind auf dem Feld von Landwirt Ingo Reinhart verteilt und stechen Spargel. In Reupelsdorf ist es heute um die 20 Grad warm – ideale Bedingungen für den Spargel. So war das in dieser Saison aber nicht immer.

    Weil es im April und im Mai zu kalt war, ist der fränkische Spargel in diesem Jahr nur langsam gewachsen. Das bestätigt Miriam Adel, die Vorsitzende des Spargel-Erzeugerverbands Franken. Bisher sei die Erntemenge daher gering ausgefallen. "Es gab auch schon Wochenenden, wo man die Nachfrage nicht bedienen konnte. Beispielsweise an den Feiertagen oder zu Muttertag, da hatte man mit Engpässen zu kämpfen", sagt Adel.

    Ernte mal besser, mal schlechter

    Am Muttertag war der Ertrag auch bei Ingo Reinhart knapp. Sein Hof liegt etwa 25 Kilometer entfernt von dem Spargelacker: in Rauhenebrach im Landkreis Haßberge. Insgesamt baut Reinhart Spargel auf 35 Hektar an.

    Dieses Jahr haben seine Erntehelfer die ersten weißen Stangen am 1. April gestochen. Seitdem war die Ernte mal besser, mal schlechter. "Einmal hat’s viel Ertrag gegeben, da war die Sonne da und hat die Tunnel aufgewärmt. Die andere Woche war’s wieder bitter kalt", sagt Reinhart.

    Spargelbauer trotz Kälte zufrieden

    Um den Spargel vor der Kälte zu schützen, hat der Landwirt diesen dreifach abgedeckt. Trotzdem haben die Temperaturunterschiede im Damm Spuren am Spargel hinterlassen: Die Stangen hatten teilweise braune Stellen. Aber Ingo Reinhart ist bisher sehr zufrieden mit der Spargelsaison: "Es hat immer Spargel gegeben und immer bedarfsgerecht. Wir sind mit dem Stechen hinterhergekommen."

    Und auch die Qualität sei dieses Jahr gut. Ein Grund dafür sei der Regen, durch den die weißen Stangen dicker geworden sind im Vergleich zu den letzten, sehr trockenen Jahren. "Das Wasser hat im Endeffekt die Mengen wieder ausgeglichen. Weil wir mehr Wasser hatten, ist wieder mehr Spargel gewachsen", sagt Reinhart.

    Wegen Corona: Mehr Direktverkauf

    Der Landwirt verkauft seinen Spargel hauptsächlich an Supermärkte und Großhändler, aber auch im Hofladen und in ein paar Verkaufsständen. Weil die Gastronomie wegen Corona geschlossen war, haben mehr Menschen direkt auf dem Hof eingekauft und sich den Spargel zuhause selbst zubereitet.

    "2020 war ein Corona-Hype-Jahr. Da waren die Umsätze im Privatverkauf bombastisch", sagt Reinhart. Der Ansturm auf den Hofladen und die Verkaufsstände sei in diesem Jahr zwar nicht ganz so groß wie im vergangenen. Er sei aber trotzdem weiterhin auf hohem Niveau, sagt der Landwirt.

    Aufatmen bei Spargelbauern: Außengastronomie wieder geöffnet

    Inzwischen hat die Außengastronomie auch in Bayern unter Auflagen wieder geöffnet – ein Aufatmen für viele Spargelbauern in Franken, die ihren Spargel überwiegend an Gastronomen verkaufen. Auch das hofeigene Restaurant von Ingo Reinhart hat den Außenbereich wieder geöffnet. "Das ist ein ganz anderes Feeling. Die Leute sind gut drauf, sitzen bei uns im Hof und schlemmen den Spargel", sagt Reinhart.

    Auch das Wetter spielt seit ein paar Tagen mit und das tut auch dem Spargel gut. Der Landwirt hofft, dass die Temperaturen in den letzten Wochen der Spargelsaison um die 20 Grad warm bleiben. Das milde Wetter könnte auch dazu führen, dass die Nachfrage nochmal steigt, sagt Miriam Adel vom Spargel-Erzeugerverband Franken: "Weil man natürlich gerne mehr Spargel isst, wenn das Wetter schön ist. Wenn man außen zusammen grillen kann, dann hat man auch als Verbraucher mehr Lust, Spargel zu essen."

    Gemischte Bilanz auch beim Abensberger Spargel

    Ähnlich gemischt sieht das Fazit auch in Niederbayern aus. "Das Wetter war zwar zu kalt und wegen Corona waren weniger Leute unterwegs, trotzdem sind die Erzeuger nicht durchgehend unzufrieden", sagt Petra Högl, 1. Vorstand der Erzeugergemeinschaft Abensberger Qualitätsspargel e.V. im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

    Abgedeckt durch Folien, teilweise in mehreren Lagen, konnte der Spargel auch in Niederbayern mit ausreichend Wärme zum Wachsen versorgt werden. Die Folien werden mehrfach verwendet und fachgerecht entsorgt, wenn sie verschlissen sind, betont Petra Högl. Da die Gastronomie langsam wieder öffnet und die Leute Lust auf einen Gaststätten-Besuch haben, könnte die Spargelsaison in Abensberg jetzt nochmal einen Schub bekommen, so ihre Hoffnung.

    Spargelsaison dauert nicht länger

    Traditionell endet die Spargelsaison am 24. Juni, am Johannistag. Auch, wenn der Spargel in diesem Jahr zögerlich aus dem Boden kommt: Länger dauert die Saison deshalb nicht. "Das braucht die Spargelpflanze, um im nächsten Jahr wieder wachsen zu können", sagt Adel vom Spargel-Erzeugerverband Franken. Die Erntehelfer auf dem Hof von Ingo Reinhart haben schon etwa 70 Prozent des Spargels geerntet. In zwei bis drei Wochen ist die Saison auf dem Spargelhof im Steigerwald vorbei.

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