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Mainbrücke bei Volkach

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    Dunkle Wintertage: Wie hell soll die Straßenbeleuchtung sein?

    Die neue LED-Technik spart zwar Strom, wird aber oft als störend hell empfunden. Was tun? Einfach Leuchten ausschalten wie im unterfränkischen Volkach? Oder eine LED-Beraterin einschalten wie im oberbayerischen Aßling?

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    Von
    • Rebekka Preuß

    Auf der Mainbrücke in Volkach geht das Licht aus. Jede zweite LED-Leuchte bleibt hier seit einigen Wochen dauerhaft abgeschaltet. "Viele Bürger hatten uns gesagt, dass sie das Licht als zu hell empfinden", erzählt Heiko Bäuerlein, 1. Bürgermeister von Volkach.

    Im August startete die Gemeinde deshalb eine Testphase. Probleme bei der Verkehrssicherheit gab es keine und so wurde aus der Testphase ein Dauerzustand. "Wir hatten bereits beim Bau der Brücke darauf geachtet, die Lichtverschmutzung zu reduzieren", sagt Bäuerlein. "Deshalb wurden die Leuchten direkt ins Geländer eingebaut, damit ihr Licht nicht in den Nachthimmel abstrahlt, sondern nach unten auf den Weg gerichtet ist. Mit der teilweisen Abschaltung tun wir jetzt noch mehr für den Umweltschutz – auch weil wir damit Strom sparen."

    Weniger Beleuchtung schützt die Umwelt

    Wie hell soll oder muss Straßenbeleuchtung sein? Gerade bei der Umrüstung auf LED-Technik ein wichtiges Thema.

    Seit August 2019 gelten im bayerischen Naturschutz- und im bayerischen Immissionsschutzgesetz neue Vorschriften für sogenannte Lichtemissionen, auch Lichtverschmutzung genannt. Als "Lichtverschmutzung" bezeichnet man den Umstand, dass Licht sinnlos in den Nachthimmel abstrahlt und so die Umwelt "verschmutzt", weil es Tiere und Pflanzen stört.

    Auch Kommunen sollen deshalb überprüfen, ob und wie weit ihre Straßenbeleuchtung der Umwelt – zum Beispiel Insekten – schadet. Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) fordert Kommunen auf, Konzepte für weniger Beleuchtung zu entwickeln. Zur Eindämmung der Lichtverschmutzung hat das Ministerium nun auch Handlungsempfehlungen herausgegeben. Denn gerade bei der Umrüstung gibt es viel zu beachten. Nicht in allen Gemeinden gelingt sie problemlos. Im oberbayerischen Peißenberg beklagen Anwohner nach dem Wechsel, dass die Leuchten nachts taghell strahlen.

    Wo braucht es wie viel Licht?

    Im oberbayerischen Aßling ist die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik fast abgeschlossen. Vier Jahre lang hat die Gemeinde gemeinsam mit einer LED-Beraterin der Energieagentur Ebersberg-München das standortgerechte Beleuchtungskonzept für die 350 Leuchten entwickelt.

    In einer der Anwohnerstraßen steht noch eine der typischen alten Peitschenleuchten, mit ihrem rechteckig, langgezogenen Leuchtenkörper. Ihr Licht streut weit in die Umgebung. "Also hier geht recht viel Energie, recht viel Licht in die umliegenden Flächen, wo es gar nicht hin muss", meint Hans Fent, 1. Bürgermeister von Aßling. "Das heißt, wir brauchen das Licht konzentriert auf der Fläche. Auf der Fahrbahn. Auf den Gehsteigen. Auf den Radwegen."

    Neue Technik ermöglicht zielgerichtetere Beleuchtung

    Mit der neuen LED-Technik ist die sogenannte Lichtlenkung punktgenauer möglich. Das liegt auch an der Form ihrer Optik. Die LED-Leuchten hier im Wohngebiet sind quadratisch und viel kleiner als die alten Peitschenleuchten.

    Bärbel Zankl, die die Gemeinde bei der Umrüstung beraten hat, erklärt den Effekt: "Hier sieht man sehr schön, dass mit den neuen LED-Leuchten das Licht wirklich auf den öffentlichen Bereich kommt und die Anwohnergärten oder auch die Fenster im ersten Stock dunkel bleiben." Das störende Licht sei jetzt maximal reduziert. "Was man auch sehr schön sieht, dass die Abstrahlung in den Himmel nahezu Null ist", erklärt Zankl.

    Lichtfarbe essenziell bei Umweltverträglichkeit

    Auch die sogenannte Lichtfarbe spielt eine Rolle. LEDs haben häufig einen sehr hohen Blauanteil im Licht, der Insekten aber auch Tiere und Menschen besonders stört. In Aßling leuchtet das Licht warmweiß - mit 3.000 Kelvin. Das zieht weniger Insekten an, als kaltweißes Licht, dass wie Tageslicht wirkt.

    "Insekten werden, das belegen auch Studien, durch dieses Licht weitaus weniger angezogen", erklärt Zankl. "Dazu kommt, dass die Leuchten nicht heiß werden und dass sie geschlossene Leuchten-Körper haben. Das heißt, es gibt keine Insektenfallen, das Insekten reinfliegen, verbrennen."

    Örtliche Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden

    Die Umrüstung auf LED-Technik ist ein komplexes Thema. Die Krux liegt dabei in der LED-Technik selbst: Sie leuchtet punktgenau. Anders als bei alten Leuchten, die das Licht streuen. So kommt es, dass LED- Leuchten bei gleicher Leistung heller empfunden werden. Deshalb sollte man bei einer Umrüstung Leuchten wählen, die eine geringere Lichtmenge haben, als die alten Modelle.

    Außerdem sollten sich Gemeinden überlegen, wie hell sie es an den unterschiedlichen Punkten im Ort wirklich brauchen. In Aßling beispielsweise wird das Licht von 22 Uhr abends bis 5 Uhr in der Früh um 50 Prozent gedimmt. "Es ist wichtig, dass bei der Planung die Standorte, das Verkehrsaufkommen, die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt werden und gerade im ländlichen Raum ist der Anspruch an die Beleuchtung ganz anders als im städtischen Bereich", so Zankl.

    Rechtlich gesehen, müssen Gemeinden innerhalb geschlossener Ortschaften die öffentlichen Straßen nur dann beleuchten, wenn das dringend erforderlich ist (Art. 51 Abs. 1 BayStrWG). Diesen Ermessensspielraum sollten Gemeinden auch nutzen, sagt Zankl.

    LED-Technik reduziert Stromkosten erheblich

    Aßlings Bürgermeister Hans Fent ist mit der Umrüstung in seiner Gemeinde zufrieden. An einigen Stellen wurde nachjustiert, nachdem sich Anwohner beschwert hatten. Aber überwiegend sei die Resonanz positiv. Und auch die Einsparungen für die Gemeinde sind beträchtlich. Die neuen Leuchten sparen 71 Prozent Energie und reduzieren die jährlichen Stromkosten um rund 13.000 Euro.

    "Wir hatten hier in Aßling auch Glück, dass der regionale Energieversorger bei der Planung mitgezogen hat", sagt Bärbl Zankl. "Große Energieversorger seien vielleicht nicht so begeistert, dass ihr Geschäftsmodell gerade sehr zusammenbricht", so die LED-Beraterin.

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