Risse im Boden eines Maifeldes

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Dürre und Hitze: Warum Unterfranken Bayerns "Hotspot" ist

Dürre und Hitze: Warum Unterfranken Bayerns "Hotspot" ist

Im Norden Bayerns ist es noch heißer und trockener als im Rest des Freistaats, den Rekord hält Unterfranken. Hinzu kommen hohe Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land. Mit dem Klimawandel könnte sich die Lage weiter drastisch verschlimmern.

Deutschland leidet unter extremer Hitze und Trockenheit. Besonders dramatisch trifft es die Menschen im Norden Bayerns, insbesondere in Unterfranken. Dort ist es meist noch heißer und trockener als im Rest des Freistaats. Der offizielle bayerische Hitzerekord wurde 2019 mit 40,4 Grad im unterfränkischen Kahl am Main gemessen, den Rekord der trockensten Stadt hält Bad Königshofen im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld. Diese Woche wird die 40 Grad-Marke wohl nicht geknackt werden, doch die Temperaturen in Unterfranken sollen bis über 37 Grad klettern – in Oberbayern und Schwaben hingegen wohl "nur" bis zu 33 Grad.

Mittelgebirgslage sorgt für Trockenheit

Prof. Dr. Heiko Paeth, Klimaforscher an der Universität Würzburg, untersucht diese regionalen Klimaunterschiede. Für die zum Teil großen Differenzen zwischen Nord- und Südbayern führt er topographische Gründe an.

Eine wichtige Rolle im Norden und insbesondere Nordwesten Bayerns spielen die umliegenden Mittelgebirge. Unterfranken wird im Nordwesten vom Spessart, im Norden von der Rhön abgegrenzt. Die Mittelgebirge schatten das Gebiet gegen die Hauptwindrichtungen ab – Luftmassen, die eigentlich Feuchtigkeit bringen.

Dieses Jahr ist diese Trockenheit besonders dramatisch. Laut BR-Wetterexperte Michael Sachweh seien lediglich 60 Prozent der für den Zeitraum üblichen Regenmenge gefallen.

Tiefster Punkt Bayerns in Kahl am Main

Die Hitze geht dann mit der Trockenheit einher: Je trockener der Boden ist, desto stärker kann dieser sich erwärmen und die Wärme wiederum an die Luft weitergeben. Laut Wetterexperte Sachweh könnte dieser Effekt teilweise dazu führen, dass es ein bis zwei Grad wärmer wird als prognostiziert.

Zudem sorge Trockenheit für eine verstärkte Wolkenauflösung, so Klimaforscher Paeth, sodass sich die Sonneneinstrahlung erhöhe und die Regionen sich aufhitzen. Generell gilt außerdem: Je höher über dem Meeresspiegel ein Ort liegt, desto kühler die Temperaturen. Auch hier hält Unterfranken einen Rekord: der tiefste Ort Bayerns liegt in Kahl am Main, mit 102 Metern über dem Meeresspiegel.

"Hinzu kommen die Hanglagen am Main", erklärt Heiko Paeth. "Es kommt ja nicht von ungefähr, dass wir in Franken das größte bayerische Weinbaugebiet haben." Durch die Kessellage könne die Luft noch weniger zirkulieren, die Hitze staue sich regelrecht auf.

"Statistisch nur durch den Klimawandel erklärbar"

Bereits in der Vergangenheit hat es durch die natürliche Wettervariabilität Phasen besonderer Hitze und Trockenheit gegeben. Statistisch lasse sich aber zeigen, dass die derzeitige Häufigkeit der trockenen und heißen Wetterlagen in Nordwestbayern nur noch durch Szenarien mit erhöhten Treibhausgaskonzentrationen, also mit menschengemachten Einflüssen, erklärbar seien, so Heiko Paeth.

Und die Prognosen sind kritisch: Klimaforscher warnen, dass durch den Klimawandel besonders trockene und heiße Wetterlagen zunehmen werden, beeinflusst vom Azorenhoch. "Alle Klimasimulationen zeigen, dass das Azorenhoch sich bei steigenden Treibhausgaskonzentrationen weiter polwärts und vor allen Dingen auch ostwärts ausdehnt", betont Paeth. "Also genau in unsere Richtung."

Prognostizierte Erwärmungsrate von etwa 4,5 Grad

Globale Klimaschutzmaßnahmen seien also unabdingbar, insbesondere da die derzeitigen Verhältnisse auf Treibhausgaskonzentrationen zurückgehen, die mehrere Jahrzehnte zurückliegen. Seither sind die Emissionen weiter gestiegen. Dementsprechend drastisch könnten die klimatischen Veränderungen in Zukunft ausfallen. "Wenn wir so weitermachen wie bisher", warnt Paeth, "dann rechnen wir hier in Unterfranken bis zum Ende des Jahrhunderts mit einer Erwärmungsrate von etwa 4,5 Grad."

Für die Landwirtschaft hätte das verheerende Auswirkungen, die Waldbrandgefahr würde weiter steigen und auch die Gefahr von Hitzetodesfällen nähme zu.

Bis zu acht Grad Unterschied innerhalb Würzburgs

Bei der Temperatur gibt es aber nicht nur ein Nord-Süd-, sondern auch ein Stadt-Land-Gefälle, das zum Teil mehrere Grad Temperaturunterschied ausmacht. Durch einen hohen Versiegelungsgrad und starke Bebauung weisen Städte besondere Strahlungseigenschaften auf, so Paeth. Gebäudeoberflächen und asphaltierte Verkehrsflächen erhitzen sich bei Sonneneinstrahlung und strahlen diese Wärme wieder ab.

Besonders hoch fallen die Temperaturunterschiede in stark bebauten Städten wie Würzburg aus. Dort wurden selbst innerhalb der Stadt Differenzen von bis zu acht Grad gemessen.

Das Problem: Solche Temperaturabweichungen werden uns häufig nicht bewusst, da die meisten Messstationen des nationalen Wetterdienstes außerhalb der Städte oder in Randbereichen liegen, um repräsentativ für das Umgebungsklima zu sein. "Mit dem Wissen, dass der Klimawandel die Hitze vor allem in der Stadt erhöht, ist das eigentlich schade", räumt Heiko Paeth ein. "Heute ist das Stadtklima schließlich für immer mehr Menschen zur täglichen Lebensroutine geworden." Künftig sei es umso wichtiger auch das Stadtklima aktiv zu monitoren, um sich der Ausmaße von Temperaturspitzen bewusst zu sein.

Vegetation und offene Gewässer sorgen für Abkühlung

Um die Effekte des Klimawandels insbesondere innerhalb von Städten abzuschwächen, gelte es nun, städtebauliche Maßnahmen zu ergreifen. Dabei geht es vor allem um die Erhöhung des Baumbestandes, der nachweislich zu Abkühlung führen kann. In Würzburg wurde in einer Studie der Universität Würzburg in Kooperation mit der TU München gezeigt, dass Standorte mit relativ geschlossenem Baumbestand den Effekt städtischer Wärmeinseln etwa zur Hälfte kompensieren.

Ein Problem sei auch, dass in deutschen Städten Fließgewässer häufig unterirdisch verlegt sind. Auch offene Gewässer würden für Abkühlung sorgen. Künftig müsste auch hier in der Stadtentwicklungsplanung gegengesteuert werden.

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