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Dubiose Geschäfte im Bistum Würzburg | BR24

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Würzburger Dom

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    Dubiose Geschäfte im Bistum Würzburg

    Nach dem Finanzskandal im Bistum Eichstätt geht es jetzt auch im Bistum Würzburg um die Frage, ob Verantwortliche Geschäfte zu Lasten der Kirche abgeschlossen haben. Das Bistum schweigt momentan dazu.

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    Eigentlich soll sich die SBW GmbH um die Planung und Umsetzung kirchlicher Bauvorhaben kümmern: Altenheime, Bildungshäuser, Verwaltungsgebäude. Doch seit Wochen ist die Schwestergesellschaft der kirchlichen Wohnungsbaugenossenschaft in Würzburg wegen anderer Vorgänge in den Schlagzeilen. Der Verdacht der Untreue steht im Raum. Die Diözese hat Strafanzeige gestellt. Gegen wen, wollen weder Staatsanwaltschaft noch Kirche sagen.

    Die Kirche schweigt

    Der Verkauf eines stattlichen Anwesens an ein Künstler-Paar im Herbst 2016 soll der Grund für die Anzeige sein, so die Recherchen der Main-Post, wie der Würzburger Lokalchef der Zeitung, Torsten Schleicher, berichtet: „Wir haben herausgefunden, dass es Differenzen beim Kaufpreis gibt, vom zuerst genannten zu dem, der tatsächlich bezahlt wurde." Es sei auch unklar, inwieweit der Aufsichtsrat in das Geschäft eingebunden war.

    "Es stellt sich die Frage, wie und in welcher Höhe der Kaufpreis tatsächlich bezahlt wurde. Da könnte im Raum stehen, dass ein Teil auch mit Kunstwerken bezahlt wurde."Torsten Schleicher, Lokalchef der Main-Post

    Immerhin ist im Aufsichtsrat eine der maßgeblichen Personen der frühere Kunst- und Baureferent der Diözese, Jürgen Lenssen, gewesen. Er saß ebenso in dem Gremium wie der langjährige Bischöfliche Finanzdirektor, der Würzburger Bürgermeister Adolf Bauer. Ende Juni wurde der Aufsichtsrat von der Kirche aufgelöst. Auch der bisherige SBW-Geschäftsführer, der gleichzeitig Leiter des Liegenschaftsamtes der Diözese ist, wurde von seinen Aufgaben entbunden. Die Begründung damals: Man wolle den bösen Anschein einer Interessenkollision vermeiden.

    Diese von der Diözese ausgerufene Transparenzoffensive fand wenige Wochen nach der Amtseinführung des neuen Würzburger Bischof Franz Jung statt. Beobachter wie Torsten Schleicher sehen da einen Zusammenhang: „Zumal der jetzige Bischof Franz Jung als Generalvikar in Speyer die Transparenzoffensive der katholischen Kirche recht intensiv umgesetzt hat. Da könnte ein Zusammenhang bestehen." Eine genaue Bestätigung hat die Zeitung noch nicht, da sich der Bischof noch nicht zu den Vorgängen geäußert hat.

    Wurde korrekt mit Kirchensteuergeldern umgegangen?

    Auch andere Vertreter des Bistums wollen derzeit nichts sagen, ebenso wenig die ehemaligen SBW-Verantwortlichen. Man wartet auf erste Ergebnisse der Staatsanwaltschaft. Das kann aber noch Wochen dauern. Im Gegensatz zum Finanzskandal im Bistum Eichstätt geht es in Würzburg nicht um das Vermögen des Bistums, wie Thomas Schleicher sagt: "Im Raum steht, dass hier auch mit Kirchensteuergeldern umgegangen wurde. Und die Frage stellt sich, ob korrekt damit umgegangen wurde."

    Doch ausgerechnet der Verantwortliche für die Kirchensteuern in Würzburg, der bisherige Bischöfliche Finanzdirektor Albrecht Siedler, ist in der vergangenen Woche durch einen anderen Fall in die Schlagzeilen geraten. Er wird dafür verantwortlich gemacht, dass 107.000 Euro an Sozialabgaben für Stipendiaten im Ordinariat nicht abgeführt wurden. Am vergangenen Freitag trat er zurück, nachdem er einen Strafbefehl akzeptiert hatte. Und zwar in einer Höhe, so dass er nun vorbestraft ist. Nun muss der Würzburger Bischof Jung neben der Aufklärung bei der SBW sich auch einen neuen Finanzdirektor suchen.