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Druck auf Lehrer: Islamisierung an bayerischen Schulen? | BR24

© dpa

Das Wort Islam steht auf einer Tafel.

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    Druck auf Lehrer: Islamisierung an bayerischen Schulen?

    Im Oktober löste der Mord an einem französischen Lehrer großes Entsetzen aus. Der Täter: ein islamistisch motivierter junger Mann. Findet eine islamistische Radikalisierung auch an Bayerns Schulen statt? Lehrer berichten dem BR von ihren Erfahrungen.

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    Von
    • Annalena Sippl
    "Am Elternabend wollte ich den Vater natürlich begrüßen, indem ich ihm die Hand geben wollte und er meinte daraufhin: Er gibt Frauen keine Hand. Beim Gespräch selbst wurde der Vater auch wirklich lauter und er meinte nur, dass es bei ihm erlaubt sei, so mit Frauen umzugehen." bayerische Lehrerin

    Das berichtet eine Lehrerin über ihre Zeit an einer Grundschule in Mittelfranken gegenüber dem BR. Der Vater: ein Deutscher, der zum Islam konvertiert war.

    Und ein Münchner Mittelschullehrer erzählt, dass er erlebt habe, wie Schüler offen mit dem Mörder des französischen Lehrers Samuel Paty sympathisierten.

    Lehrerverband fordert Studie zu Islamismus an Schulen

    Findet eine islamistische Radikalisierung an Bayerns Schulen statt? Anfang der Woche forderte Heinz-Peter Meidinger, der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes, eine bundesweite Studie zum Umgang mit islamistischen Tendenzen an Schulen.

    Mathias Rohe, Islamwissenschaftler aus Erlangen, hat zusammen mit seinem Team die Studie Islam in Bayern erstellt. Seine Einschätzung: Man könne nicht ausschließen, dass es islamistische Tendenzen in deutschen und auch bayerischen Schulen gebe. Rohe sagt aber ebenfalls, dass er während der Studie "praktisch auf keine Fälle" gestoßen sei, "in denen das aufgetaucht wäre".

    Fachstelle: Viel spiele sich im Bereich der Provokation ab

    Von "Ufuq", der Fachstelle zur Prävention religiös begründeter Radikalisierung, heißt es: Die Beratungsanfragen - auch in Bayern - seien zuletzt gestiegen. Dies habe jedoch viel mit aktuellen Debatten und Vorfällen zu tun, wie mit der Ermordung des Lehrers Paty durch einen islamistischen Attentäter. Viel spiele sich im Bereich der Provokation ab, ein islamistischer Hintergrund sei in Deutschland selten.

    Auch Eren Güvercin kennt Vorfälle. Er ist Teilnehmer der vierten Deutschen Islamkonferenz und Mitbegründer der Alhambra Gesellschaft, die sich vor allem an junge Muslime richtet. Für ihn ist wichtig, die Ängste und Sorgen der Lehrerinnen und Lehrer ernst zu nehmen. "Man darf nicht das Problem herunterspielen", sagt Güvercin. Eine Umfrage hält er grundsätzlich für einen guten ersten Schritt, um Klarheit zu schaffen.

    "Nicht jede konservative Lebenshaltung ist Islamismus"

    Doch wie Güvercin mahnt auch Islamwissenschaftler Rohe zur Differenzierung: "Man muss sehr aufpassen, dass man die Dinge richtig sortiert. Also nicht jede konservative Lebenshaltung im Islam ist schon Islamismus."

    Nicht selten gebe es Probleme mit patriarchalen Einstellungen von Menschen. Aber das sei, so Rohe, weitgehend religionsunabhängig. Ein verweigerter Handschlag wie im beschriebenen Fall ist für Lehrkräfte natürlich ein Affront, sei aber nicht gleich islamistisch.

    Lehrer zu Islamismus an Schulen: Absolute Einzelfälle

    Die Terminologie sei wichtig, findet auch Jochen Müller von Ufuq. Schnell würden betroffene Jugendliche unter Islamismus-Verdacht gestellt, das befeuere die Debatte dann noch zusätzlich. Eine Erfahrung, die Güvercin teilt: "Manchmal habe ich das Gefühl, dass bestimmte Akteure im öffentlichen Diskurs sehr schnell dabei sind, ein Schreckensszenario auszumalen. Und wir haben genug rechte Akteure, die dann auf dieser Welle mitreiten."

    "Ich muss wirklich sagen in meiner ganzen Schullaufbahn ist das auch der einzige Vorfall, den ich je erlebt habe", so die Lehrerin aus Mittelfranken. Von absoluten Einzelfällen sprachen auch die anderen Lehrer, die ähnliches erlebt hatten.

    Bildungsministerien nehmen sich Thema an

    In der Politik wird das Thema aufgegriffen: In der kommenden Woche wollten sich Vertreter der Bildungsministerien der Länder über Drohungen aus islamistischen Milieus, die gegen Lehrer gerichtet sind, austauschen, teilte ein Sprecher der Kultusministerkonferenz mit.

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