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Droht in Bayern eine Kokainschwemme? | BR24

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Immer mehr Kokain wird nach Deutschland eingeschmuggelt. So stießen Hamburger Ermittler Anfang November auf eine Tonne der Droge. Auch das bayerische Landeskriminalamt stellte im vergangenen Jahr einen großen Kokainfund vor. Wie brisant ist die Lage?

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Droht in Bayern eine Kokainschwemme?

Immer mehr Kokain wird nach Deutschland eingeschmuggelt. So stießen Hamburger Ermittler Anfang November auf eine Tonne der Droge. Auch das bayerische Landeskriminalamt stellte im vergangenen Jahr einen großen Kokainfund vor. Wie brisant ist die Lage?

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244 Kilogramm Kokain hat die bayerische Polizei 2017 sichergestellt. Die Zahl für das gerade abgelaufene Jahr liegt noch nicht vor, dürfte sich aber auf einem ähnlich hohen Niveau bewegen, sagt Ludwig Waldinger vom bayerischen Landeskriminalamt. Die Zahlen seien erst in den letzten beiden Jahren hochgeschnellt. Davor seien es immer zwischen 30 und 80 Kilogramm gewesen.

"Das liegt an zwei Großsicherstellungen, die wir im Rahmen eines Verfahrens gemacht haben, eine 2017, als es fast 200 Kilogramm waren und auch letztes Jahr, als wir in diesem Schiffscontainer-Bananenkisten-Verfahren eine große Menge an Kokain sichergestellt haben." Ludwig Waldinger, bayerisches Landeskriminalamt

Kokain-Anbau steigt, Produktion effektiver

Das Kokain wird aus Blättern des Kokastrauchs hergestellt, vorwiegend in Südamerika. Auch Christian Hoppe, Leiter der Drogenbekämpfung beim Bundeskriminalamt, beobachtet immer größere Mengen, die weltweit den Weg zu den Konsumenten finden.

"Schon der Anbau in Südamerika ist deutlich angestiegen in den letzten Jahren und wir haben dort wieder Rekordernten zu verzeichnen, die Produktion wird effektiver." Christian Hoppe, Leiter der Drogenbekämpfung beim Bundeskriminalamt

Kokain kommt zumeist per Schiff

Die Banden arbeiten immer effektiver, wenn es um die Vertriebswege geht. Von Südamerika macht sich die Droge auf lange Wege in alle Welt, auch nach Bayern, so Ludwig Waldinger. Das Rauschgift komme vor allem per Schiff nach Deutschland. Zumeist werde es im Hamburger Hafen umgeladen. Dann werde es in unterschiedlichen Mengen von bis zu 100 Kilogramm durch Bayern durchgeschleust.

"Oft ist auch Italien das Ziel, wo auch ein sehr großer Kokainkonsum stattfindet." Ludwig Waldinger, bayerisches Landeskriminalamt

Unter Bananen versteckt

Häufig sind die Kokainpäckchen in Obstkisten unter Bananen versteckt. Die werden in Reifehallen zwischengelagert, dort versuchen die Banden ihr Kokain herauszuholen, bevor es in den Obstabteilungen der Supermärkte landet. Mitunter gelingt das nicht und so gerät Kokain am Ende in die Einkaufsmärkte. Kokain unter Bananen - einen solchen Fund stellten die bayerischen Ermittler im Mai vergangenen Jahres vor. 180 Kilogramm Kokain hatten sie in Obstkisten gefunden, zwölf mutmaßliche Mitglieder einer internationalen Drogenbande wurden festgenommen. Wer steckt hinter dem Kokain-Schmuggel?

"Wir wissen, dass die italienische organisierte Kriminalität, besonders die 'Ndrangheta für den Kokainhandel in ganz Europa zuständig sein soll. In dem letzte Verfahren, das wir haben, hat sich herausgestellt, dass die meisten Tatverdächtigen albanische Staatsangehörige sind." Ludwig Waldinger, bayerisches Landeskriminalamt

Rocker als Kokain-Händler

Auch Deutsche mischen mit. Bei der Sicherstellung von einer Tonne Kokain Anfang November in Hamburg wurde ein Mitglied der Rocker-Gruppierung "Hells Angels" als mutmaßlicher Drahtzieher des Schmuggels festgenommen.

Bandenkriege um Kokain befürchtet

Wenn immer mehr Banden immer mehr Kokain schmuggeln, wächst die Konkurrenz untereinander. Christian Hoppe vom Bundeskriminalamt befürchtet, dass es auch in Deutschland zu mehr Gewalt zwischen Drogenbanden kommen werde.

"Dadurch, dass die Gruppierungen in Belgien, den Niederlanden aber auch in Deutschland zum Teil über die Familienbande aktiv sind, können wir nicht ausschließen, dass wir diese Brutalität auch in Deutschland bekommen. Wir müssen damit rechnen, dass einzelne Geschäftsfelder eher mit Gewalt verteidigt werden oder erobert werden." Christian Hoppe, Leiter der Drogenbekämpfung beim Bundeskriminalamt

So haben die Ermittler nicht nur ein Auge auf die Transportwege des Kokains, sondern auch auf die Drahtzieher. Vor genau einem Monat hat die Polizei europaweit einen Schlag gegen die italienische Mafiaorganisation 'Ndrangheta geführt mit Dutzenden Festnahmen. Es werden nicht die letzten sein.